Civitas Institut

Die Freude – Fundament des Sozialen PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 14. Dezember 2010 um 12:28 Uhr

„Gaudete“ – „Freuet euch“ – so hat uns die Liturgie des III. Adventssonntages ermahnt. Und das bevorstehende Weihnachtsfest ist ja das „Fest der Freude“ par excellence, eine Bezeichnung, die der Katholik nicht vorschnell als Banalisierung auffassen sollte. Die Freude ist nach den Worten des hl. Paulus eine Frucht  des Heiligen Geistes (Gal. 5,22). Die Freude ist also eine Wirkung der Liebe. Die Bedeutung des Wortes Freude ist mannigfaltig.

Grundsätzlich: Froh macht ein geliebtes Gut, das man besitzt, oder dessen besitz man erwarten darf.

Die innere Freude erfüllt das Herz des Menschen. Sie kann in der Intimität der Seele verbleiben oder sich nach außen kundtun, was sich in Zeichen, Haltungen oder Gesten ausdrücken kann.

Aber die äußere Freude wird oft hervorgerufen durch äußere Freuden – die entweder ehrenhaft und erlaubt oder gemein und schlecht, zumindest zweifelhaft sein können.

Spiel, Tanz, Witz und Humor sind sicher in ehrbarem Rahmen wichtige soziale Äußerungen.

Man muss aber auch die echte von der unechten Freude unterscheiden.

Die echte Freude ist immer die Freude am Guten. Und dadurch ist sie gottgefällig und weit. Das Gute umfasst nicht nur die Freude am Religiösen oder sittlichen Guten. Sie geht darüber hinaus. Sie umfasst Freuden des Familienlebens, Freude an der Arbeit und Freude am Beruf, aber auch Freude an guter Lektüre, an jeglicher Kunst und am Sport.

Aber es gibt auch eine entartete Scheinfreude, ja eine Freude am Bösen.

Ja es gibt sogar die Vortäuschung der Freude, um andere zu verführen. Das ist ebenfalls eine sündhafte Freude.

Freude kann und darf durchaus gesucht sein, wenn man die Absicht hat, sich selbst oder andere zu erfreuen.

Aber sie stellt sich auch von alleine ein, d.h. sie ist die Begleiterin der guten Werke. Sie wird nicht beschafft oder erstrebt. Sie „haftet“ dem guten Werk an (manchmal neben und gleichzeitig mit dem Leiden!). Beispiele sind die Freude am Gelingen eines Werkes, das Befolgen einer Pflicht, die Gegenwart eines geliebten Menschen, aber auch die Ruhe und Freude des Gewissens.

 

Die Bedeutung der echten Freude für das soziale Leben ist unschwer zu erkennen:

- Die Freude erhebt den Menschen

- Die Freude weitet das Herz.

- Die Freude beflügelt den Willen.

- Die Freude löst die Gegensätze auf.

- Die Freude verbindet die Menschen.

- Die Freude lockert die Spannungen.

- Die Freude söhnt aus.

- Die Freude vermeidet die Härten des Sozialen.

- Die Freude überwindet die Unebenheiten des Gemeinschaftslebens.

- Die Freude gebiert die Freundschaft

 

„Die sozialen Kämpfe der Gegenwart sind auch deshalb so bitter und aufreibend, weil sie mit einem Ingrimm und einer Verbissenheit geführt werden, die beinahe jeder ungezwungenen und ‚aufgeräumten’ Begegnung bewusst ausweicht.“ (P. Eberhard Welty OP)

 

Die Freude ist ein hohes soziales Gut.

Dem, was die wahre Freude stört, sie unterdrückt oder sie raubt, muss tatkräftig und beharrlich entgegengearbeitet werden.

Was sind nun die Feinde der wahren Freunde? Es ist nicht, wie man vielleicht spontan antworten würde, die Trauer.

Der eigentliche Widersacher der Freude ist der Missmut. Er äußert sich in übler oder schlechter Laune, in Verstimmung, Ärger und Kritiksucht.

Der Missmut wirkt immer lähmend, ja oft zerstörend, auf die sozialen Beziehungen. Er erstickt schon im Keim alle Äußerungen der Freude.

Besonders arg ist der Missmut bei den Trägern von Autorität in der Familie, in den sozialen Gemeinschaften oder im Gemeinwesen.  Hier kann diese mangelnde Selbstbeherrschung eines einzelnen große Angst bei vielen erzeugen.

Echte Freude kann dort nicht aufkommen, wo Argwohn, falscher Verdacht, Misstrauen, Neid und Eifersucht das gute Verhältnis unter den Menschen verderben.

Wie viele Familien, Vereine, ja Regierungen oder religiöse Kongregationen sind verdorben worden durch diese Fehlhaltungen.

Argwohn bringt Unruhe und Zweifel ins soziale Leben. Argwohn veranlasst die Menschen, einander zu beobachten, untereinander mehr als vorsichtig und zurückhaltend zu sein, ja sich zu verschließen.

In den totalitären Staaten wurde diese einfache Erkenntnis zu einer furchtbaren, ja teuflischen Waffe in einem perfiden Unterdrückungsmechanismus. Misstrauen wurde zum Herrschaftsinstrument.

In religiösen Gemeinschaften ist das Misstrauen der Tod des apostolischen Geistes. Er führt zur Freudlosigkeit. Diese ist dann keine Frucht des Heiligen Geistes, sondern die des bösen Feindes.

Die psychologische Wurzel des Missmutes ist die Selbstsucht, die in verschiedenen Masken auftreten kann. Der Geizige sowohl wie der Anspruchsvolle, der Machthungrige wie der Genusssüchtige, der Träge wie der Engherzige verbittern sich selbst und anderen das Leben. Die äußere Freude ist nur Schein, erkauft durch den furchtbaren Preis der Betrübnis der Mitmenschen.

Die heutige Welt, wie vielleicht keine Zeit vorher, überschüttet den Menschen mit zahllosen Gelegenheiten zur Zerstreuung, Belustigung und Anregung. Diese können gut oder wenigstens harmlos sein. Oft sind sie jedoch alles andere als gut und auch nur harmlos. Die wahre Freude gerät schnell aus dem Blick. Jeder Mensch kann dies in einen ehrlichen Blick nach innen bestätigen.

Freude ist ein wichtiges Ziel und ein Mittel der Erziehung. Es gilt die Quellen, Beweggründe und mannigfaltigen Möglichkeiten der wahren Freude (nicht nur) dem jungen Menschen zu erschließen. Die Überzeugung, daß die Treue zur Tugend die schönste Freude hervorbringt, ist auch in unserer heutigen Zeit zu vermitteln. Vor allem durch das eigene Vorbild.

Die Warnung vor der falschen Freude gehört zur Tugendschule dazu. Charakter, Fähigkeit zu Verzicht und Selbstverleugnung sind positive Eigenschaften, ohne die keine Familie und kein Gemeinwesen existieren können.

Eine Begleiterin der Freude ist der Takt. Nach außen gezeigte Freude in einer Umgebung, die von schwerem Kummer heimgesucht wird, ist unangemessen.

 

Was kann man tun, um eine „Kultur der Freude“ zu erneuern.

- Die Freude kann auch durch soziales Tun erreicht werden: „Geteilte Freude ist doppelte Freude. Die tätige Nächstenliebe!

- Geordnete Arbeits-, Wohn- und Lebensverhältnisse schaffen!

- Zuerst die eigenen Lebenskreise für die Freude bereiten.

- Das der Freude Entgegenstehende aus Seele und häuslichem Leben verbannen.

- Überwindung der sozialen Gegensätze in den verschiedenen Lebensbereichen.

- Bewusste Förderung der Freude auf allen Ebenen.

- Gute Beichte, geistliches Leben, Verbindung mit Christus.

- Verehrung der allerseligsten Jungfrau, der „Ursache unserer Freude“.

 

Bild: Gnadenbild Unserer lieben Frau – „Ursache unserer Freude“ in der gleichnamigen Kirche in Valetta, der Hauptstadt Maltas.

 

 

 

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