| Wir erinnern an... Maria Yudina |
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| Mittwoch, den 07. Dezember 2011 um 16:44 Uhr | ||||
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Wegen ihrer offenkundigen und tiefen Religiosität wurde sie nach hervorragenden Examensergebnissen und einer beachtlichen Karriere als Professorin in der kommunistischen und deshalb atheistischen Sowjetdiktatur entlassen, ist doch laut dem Revolutionär und Massenmörder Lenin Religion Opium für das Volk. Unter ihm wurden Kirchen zerstört, Priester erschossen. Jegliche Kunst, so lautete der offen vertretene Standpunkt der jungen Professorin eines sowjetischen Konservatoriums in dieser schrecklichen Zeit, jede Kunst ohne christlichen Hintergrund sei inhaltslos. Maria Yudina ging es um den geistigen Hintergrund künstlerischen Schaffens, und der war und ist nun einmal christlich, zumindest im christlichen bzw. christlich geprägten Kulturkreis. Die sowjetische, die kommunistische Kunstpropaganda konnte damit natürlich genauso wenig umgehen wie die artverwandte Kunstpropaganda im nationalsozialistischen Dunstkreis damit umgehen konnte: dreimal wurde Yudina aus jeweiligen Arbeitsstellen entlassen; ihre feste christliche Überzeugung, ihren Glauben änderte sie nicht. Ihre Freiheit lässt sie sich nicht nehmen: in den lebensgefährlichen 40er Jahren noch spielt sie auf ihren Konzerten Werke von Berg, Hindemith, Webern und Messiaen – alle in der kommunistischen Sowjetunion aus ideologischen Gründen verboten. - Es wird berichtet, dass sie als „Zugabe“ zu ihren Konzerten in der Öffentlichkeit Gedichte aus Pasternaks „Doktor Schiwago“ vortrug, aus einem Buch, dessen Besitz schon verboten war. Mögliche Strafe: Arbeitslager, Gulag. Auf ihrer Brust trug sie während der Konzerte, furchtlos und prinzipientreu, öffentlich ein riesiges orthodoxes Kreuz. Typisch für die Verhältnisse unter Stalin ist die Geschichte der letzten Schallplatte, die er vor seinem Tode gehört hat. Er hatte Yudinas Mozart-Klavierkonzert im Radio gehört und erkundigte sich, ob es eine Plattenaufnahme gebe. Obwohl es eine Live-Sendung gewesen war und keine Aufnahme existierte, wurde die Frag bejaht, denn wer hätte es gewagt, dem Diktator (bei dessen Einschätzung des Wertes eines Menschenlebens) ein „nein“ zu sagen? Die Platte hätte er gerne, sagte Stalin, und so kam es, dass in derselben Nacht Orchester und Pianistin wieder zusammengetrommelt wurden, das ganze Stück erneut gespielt, aufgenommen wurde. Inmitten der panischen Unruhe blieb allein Yudina vollkommen ruhig und gelassen. Eine einzige Platte wurde von der Aufnahme gepresst, die Stalin dann am nächsten Morgen überreicht wurde. Stalin war begeistert und ließ Maria Yudina mehrere tausend Rubel schicken, eine wohl recht ansehnliche Summe, die sie mit einem Schreiben quittierte, in dem es hieß: „Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe. Tag und Nacht werde ich für Sie vor Gott beten, damit Er Ihnen Ihre großen Sünden an unserem Volk und Land vergibt. Der Allmächtige ist gnädig, Er verzeiht. Das Geld spende ich meiner Kirchengemeinde.“ Stalin hat diesen Brief bekommen, den beigefügten Befehl zur Erschießung Yudinas aber nicht unterschrieben (was ihm ansonsten in abertausenden Fällen sehr leicht fiel). Es ist dieses eines der Geheimnisse der Geschichte, oder auch Gottes, des Herrn der Geschichte. Ihre berufliche Karriere war seither jedoch arg eingeschränkt, Westreisen waren verboten, und so wird sie erst heute bei uns bekannt und erringt schon fast so etwas wie einen Kultstatus, und das anscheinend vollkommen zu recht. Maria Yudina war arm, völlig verarmt, als sie starb. Anscheinend aber bedeutete ihr das nichts, da sie ein ganz und gar geistiges Leben im Glauben führte. Ihr irdischer Besitz waren zwei Hemden und ein geflicktes schwarzes Konzertkleid, in dem sie 1970 beerdigt wurde. Von ihr bleiben wenige, eindrucksvolle Tondokumente und das Lebenszeugnis einer unbeugsamen, starken christlichen Frau. JV
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- CIVITAS Heft 16-2013 (2013.02.07)
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Als der kommunistische Diktator und millionenfache Massenmörder, der „Vater aller Völker“ und „weise Führer und Lehrer“ Stalin im März 1953 starb, hatte er als letztes Musikstück seines irdischen Lebens ein Mozart-Klavierkonzert gehört, von dem es nur eine einzige Schallplatte gab. Die Pianistin war die 1899 geborene Maria Yudina: eine bemerkenswerte, starke, ganz großartige christliche Frau, die nie im Westen auftreten durfte. Sie war die Frau, die Stalin offen und kompromisslos widerstand.
