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Tu felix, Austria: Österreichs korrigierte Hymne PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 09. Dezember 2011 um 08:47 Uhr

Auch wenn die WDR-Sprecher die Texte, die sie vorlesen müssen, normalerweise offenbar nicht verstehen: in diesem Falle sind sie nicht dafür verantwortlich, dass sie heute von einer „österreichischen Nationalhymne“ vorlesen mussten. Da Österreich ungefähr so sehr Nation ist wie, sagen wir, das Rheinland (Hymne: Och wat wor dat fröher schön doch in Colonia), da es darüber hinaus ein Bundesstaat ist, hat es eine Bundeshymne, und die ist nun endlich auch gleichstellungsmäßig korrekt. Nun singt der politisch bewusste Österreicher von Töchtern und Söhnen, denen Österreich Heimat ist. Und wir in der BRD?

Die dritte Strophe des Deutschlandliedes spricht davon, dass Einigkeit und Recht und Freiheit anzustreben seien. In der historischen Situation der Entstehungszeit des Liedes war das noch ein Ziel, heute ist das erreicht; das „Streben“ bedeutet also eher ein wachsames Verteidigen, z.B. am Hindukusch.

Brisant wird es erst in der nächsten Zeile: „für das deutsche Vaterland“. Und die anderen Länder? Nichts mit Einigkeit und Recht und Freiheit für andere Länder? Vor allem: „Vaterland“ - dieser so gar nicht geschlechtsneutrale Begriff sollte so schnell wie möglich ersetzt werden, vorschlagsweise durch „Vater-und Mutterland“ oder, wenn man sich denn unbedingt dem doktrinären Dogmatismus von Metrik und Melodie beugen will: durch „Elterland“.

„Brüderlich mit Herz und Hand“ ist ebensowenig unschuldig und sollte ersetzt werden durch „brüderlich und schwesterlich“ (dann müssten Herz und Hand wegfallen, beide werden jedoch heute sowieso nicht mehr wirklich gebraucht; der Verzicht auf den Reim mit „Elterland“ würde dann unsere distanzierte Einstellung zu lediglich einem einzigen Elterland verdeutlichen und eine für alle Welt offene Einstellung im Bewusstsein verankern).

Wie weit uns doch der Stamm der Österreicher voraus ist. Nach jahrzehntelangem Absingen der (immerhin von einer Frau verfassten!!) machohaften Hymnenzeilen „Heimat bist du großer Söhne“ und „einig lass in Bruderchören, Vaterland...“ heißt es nun: „Heimat großer Töchter und Söhne“ und „einig lass in Jubelchören, Vaterland...“. Mit der zwischendurch geplanten Fassung „Heimat großer Töchter Söhne“ hätten wir uns sofort bedenkenlos einverstanden erklärt, sind doch die Söhne großer Töchter eben Söhne. Anscheinend hat aber einer von uns allzu laut gelacht und die Umformer dadurch aus ihrer Logik-Lethargie geweckt. Und die Ersetzung des Vaterlandes durch das Elterland wird die nächste Stufe im heldenhaften Kampf um die Befreiung der Österreicherin sein – die Ersetzung durch „Heimatland“ hat nicht geklappt. Der Begriff ist denn wohl auch allzu belastet.

Das kreative österreichische Bildungsministerium hat bereits eine Kampagne zur Bewusstmachung der neuen Inhalte gestartet. Als große Töchter und Söhne der Heimat (noch so ein Begriff! Vorsicht!) sieht man in „Spots“ nicht nur Wolfgang Amadeus Mozart, Sigmund Freud, Ingeborg Bachmann und einen gewissen Christoph Schönborn, sondern auch Andreas Treichl, Didi Constantini, Valie Export und Heinz Fischer bis zu Christina Stürmer, Mirna Jukic und anderen, die man auch kaum oder besser nicht kennt.

Österreich hat's eben besser, deswegen heißt es ja auch „felix Austria“, glückliches Österreich. Es hatte eine „Frauenministerin“ mit Namen Maria Rauch-Kallat, und die ist von der ganz konservativen ÖVP. Deswegen bereitete sie zusammen mit der etwas weniger konservativen SPÖ und den noch ein wenig weniger konservativen Grünen einen Geheimantrag vor, die Bundeshymne zu ändern. Die Arme wurde dann, als das rauskam, ganz böse gemobt, von der eigenen Partei – da aber das Gute sich immer durchsetzt, hat das glückliche Österreich überhaupt keine anderen Probleme, sondern nunmehr auch einen neuen Hymnentext, eine kreative Umerziehungsaktion des Bildungsministeriums (mit lustigen Filmchen, Bildchen und Federmäppchen) und eine Rocksängerin namens Christina Stürmer (s.o.), die bereits eine Rock-Fassung der Hymne veröffentlicht hat. Wie progressiv!

Ja, ja. Aller Ehren ist Österreich voll, hieß es früher. Aber das waren andere Zeiten.

JV

 

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