Civitas Institut

Von Schwestern und Schwesterinnen PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 28. Juli 2012 um 10:05 Uhr

Wer wissen will, was wirklich objektive Berichterstattung bzw. zumindest das Streben danach ist, der ist sicherlich beim Westdeutschen Rundfunk bestens aufgehoben. Insbesondere „WDR 5“ bekommt von seinen Hörern, wie man im Programm selbst häufiger hören kann, immer wieder Bestnoten und Dankesäußerungen für sein Programm. Und tatsächlich: man kann viel lernen, wenn man WDR 5 hört.

Wer sich z.B. über die aktuelle Situation in den Ländern des „arabischen Frühlings“ informieren will, bekommt Information aus allererster Hand. Die Reporterin befragt einen international erfahrenen Taxifahrer, der kompetent und mit Durchblick die politische Lage analysiert und in einer weiteren Befragung von einer politisch hochgebildeten Gemüsehändlerin in seinen tiefgründigen Aussagen bestätigt wird. Und schwupps: schon weiß der informationsbegierige Hörer genau bescheid, wie es in Ägypten oder Syrien oder Tunesien aussieht (ist im Grunde sowieso alles eins, "arabischer Frühling" eben). Es ist ein einfaches, daher leicht begreifliches Weltbild, das ihn dann in seinem Alltag recht wenig belastet. Der WDR 5 – Hörer kann mitreden. Immer.

Mitreden kann der mündige und informierte Hörer auch am Vormittag über die Themen, die ihn gerade überaus bewegen. So z.B. über „Fernsehen nach Mitternacht“, „Wie berichten die Medien über ...“, „Kalte Sommer, heiße Winter – welche Rolle spielt das Flöhehusten für's Weltklima im Sauerland?“ und so weiter. Selbstverständlich wird in „Vorgesprächen“ abgeklärt, was gesagt werden darf und was nicht (man kann mal unter „Ist der nicht gebrieft?“ googeln). Sachkenntnis allerdings ist weniger gefragt, man muss nicht mit einem Rechner umgehen können, um ahnungsfrei und schimmerlos darüber mitreden zu können. Und immer wieder erhebend ist es, wenn unsere freundlichen Mitbürger auch mitreden: „Herr Öz... - habe ich das jetzt richtig ausgesprochen?“ pflegt der ModeratorIn seine ganz persönliche Willkommenskultur.

Mit hinreichender Sicherheit versteht der Nachrichtensprecher / die Nachrichtensprecherin seinen / ihren eigenen Namen, den er neuerdings nach us-amerikanischem Vorbild zu Beginn der Vorleseminuten nennen muss. Arge und sinnentstellende Betonungsfehler zeigen, dass das Textverständnis ansonsten nicht wirklich garantiert ist. Da man aber auch ohne wirkliches Textverständnis heutzutage Abitur machen kann, wie Universitätsprofessoren neuerdings elitär beklagen (als seien sie nicht selbst jene Uralt-68er, welche die Lehrer jener Abiturienten ausgebildet haben), wollen wir hier nicht wdrlicher als der WDR sein: Hauptsache, wir verstehen, was gemeldet wird und was nicht. - Erfreulich nämlich heute auch die Meldung, dass die bei Wahlen erfolgreiche neue Partei der „Piraten“ nun auch ein außenpolitisches Konzept erarbeiten will. Das war der Nachrichtenredaktion heute einen mehrsätzigen Jubelruf wert. Klasse! Eine Partei, die erfolgreich in mehrere Parlamente hineingenachrichtet wurde, entwickelt nun auch Konzepte. Wir sind und bleiben gespannt ob der unbedarften Frische, die hier nun einzieht.

Wie weit inzwischen das politisch korrekte, gesellschaftsprägende Bewusstsein der WDR-Meinungsbildner gediehen ist, zeigt sich so dann und wann in blitzlichtartigen Aufzuckungen angepasstester Beflissenheit.

Im heutigen „Morgenecho“ interviewte Judith Schulte-Loh (beliebt wegen ihrer sympathischen Stimme und der sachlichen und betont ruhigen Art, Themen und Menschen zu präsentieren) die Vorsitzende der CSU-Frauenunion, Angelika Niebler, zum Thema „Frauenquote in der CSU“. Und in der Einführung zu diesem Interview geschah es: zu unserer höchlichen Verblüffung wurden wir unterrichtet, dass es in der CSU „Mitgliederinnen“ gibt!! Der CSU nach Strauß haben wir viel zugetraut, aber das... nein! Das denn doch nicht.

Sollen wir nun darin einen weiteren, erfolgreichen Schritt gegen die Neutralisierung weiblichen Seins und Wesens sehen? „Das“ Mitglied ist Neutrum. Frauen sind eben keine Neutra. Deshalb ist die Schaffung des korrekten Begriffes „Mitgliederin“ nichts als folgerichtig. Wenn Männer sich neutralisieren lassen: o.k. Das ist dann positive Diskriminierung, wie es heute heißt, und nichts weiter als ausgleichende Gerechtigkeit wegen der jahrtausendelangen Unterdrückung. Das Wort „Mitglied“ hat sowieso einen blöden Beigeschmack. Die „Mitgliederin“ aber ist die machtvolle Antwort auf den Aufschrei der unterdrückten weiblichen Hälfte der Menschheit.

Unsere dankende Anerkennung gilt also Frau Judith Schulte-Loh vom WDR-Morgenecho für ihren kraft- und geistvollen Einsatz für die Sache der Frau. Vielleicht dürfen wir als Anregung mitgeben, dass noch ein weiterer Bereich einer Aufarbeitung in diesem Sinne harrt, ein Bereich, der weiblicher kaum sein könnte. Wir wissen, dass eine Bewusstseinsbildung eingeleitet worden ist, wenn zum ersten Male eine Bundestags-Rede begonnen wird mit den Worten: „Liebe Schwestern und Schwesterinnen“!

JV

 

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