Civitas Institut

Der letzte Wille eines christlichen Herrschers PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 28. August 2012 um 14:50 Uhr

Der hl. König Ludwig IX. von Frankreich (1214-1270) ist ein Modell des christlichen Herrschers. Seine 24 Regierungsjahre sind verbunden mit der Gründung der Universität von Paris (Thomas von Aquin, Bonaventura und Albertus Magnus), dem Fall Jerusalems, dem Konzil von Lyon, dem Bau der „Sainte Chapelle“ in Paris für die Dornenkrone des Herrn, dem VII. und VIII. Kreuzzug. Nur 28 Jahre nach seinem Tod wurde er heiliggesprochen.

 

 

Seinem Sohn hinterließ er ein Testament, das die Größe des guten Königs erkennen läßt.

 

Hier der Text:

 

Testament des heiligen Königs Ludwig

 

Lieber Sohn, das erste, wozu ich Dich ermahne, ist dies: Liebe Gott von ganzem Herzen; denn ohne dies kann Dir nichts gelingen.

 

Hüte Dich, etwas zu tun, was Gott mißfallen könnte, hüte Dich vor Todsünden! Erdulde lieber alle Leiden, als daß Du eine Todsünde begehst.

 

Wenn Gott Dir Drangsale schickt, ertrage sie in Geduld und danke Gott dafür. Denke daran, daß Du sie verdient hat und daß sie Gott Dir zu Deinem Nutz und Frommen schickt. Wenn er es Dir wohlergehen läßt, so danke ihm demütig.

 

Werde nicht hoffärtig, denn wer sich überhebt, wird erniedrigt werden; wer sich aber demütigt, wird erhöht werden; denn man darf nicht mit Gottes Gaben wider ihn streiten.

 

Gehe oft zur Beichte, und wähle Dir einen frommen Beichtvater, der Dich lehren kann, was Du tun und wovor Du Dich hüten sollst. Lebe so, daß Deine Beichtväter und Deine Freunde es wagen, Dich von Deinen Missetaten abzubringen.

 

Besuche mit frommer Andacht, ohne Eitelkeit und Spott die Gottesdienste der heiligen Kirche. Bete zu Gott von Herzen und mit dem Munde, besonders in der Messe, wenn die Konsekration vollzogen wird.

 

Sei von Herzen liebevoll und mitleidig mit den Armen, den Gefangenen und den Unglücklichen! Tröste sie, und hilf ihnen nach Kräften!

 

Pflege die guten Sitten Deines Landes, und wehre den schlechten!

 

Begehre nicht das Gut Deines Volkes, und bedrücke es nicht mit Steuern und Abgaben, wenn Du nicht in einer besonderen Notlage bist!

 

Hast Du Herzenskummer, so bekenne es bald Deinem Beichtvater oder einem redlichen Mann, der nicht voll von eitlen Worten ist, dann wirst Du Deinen Kummer leichter tragen.

 

Achte darauf, daß in Deiner Umgebung zuverlässige und treue Menschen sind, und sprich oft mit ihnen, sie mögen geistlichen oder weltlichen Standes sein. Fliehe und meide die Gesellschaft der Schlechten!

 

Höre gern das Wort Gottes, und bewahre es in Deinem Herzen!

 

Sei gern bereit, Bitte zu erfüllen und Vergebung zu üben!

 

Liebe, was Dir Nutzen und Ehre bringt, und hasse das Böse, wo es auch sei!

 

Keiner wage, vor Dir ein Wort zu reden, welches Anlaß zur Sünde sein könnte, oder hinter Deinem Rücken andere zu verleumden. Dulde nicht, daß Schimpfwörter über Gott oder die Heiligen vor Dir ausgesprochen werden!

 

Danke Gott oft für alle seine Wohltaten, damit Du würdig seiest, noch mehr von ihnen zu empfangen. Wenn es sich darum handelt, Gerechtigkeit zu üben und Recht zu sprechen, so entscheide nach Recht und Gesetz mit Festigkeit gegen Deine Untertanen ohne Winkelzüge, und unterstütze die Klage des Armen, bis die Wahrheit an den Tag kommt. Wenn jemand etwas gegen Dich vorbringt, so glaube ihm nicht, bis Du die Wahrheit weißt, denn so werden Deine Ratgeber mutiger und unbefangener für Dich oder gegen Dich Stellung nehmen. Wenn Du etwas von dem Gut eines anderen in der Hand hast, sei es durch Dein eigenes Zutun oder das Deiner Vorgänger, und wenn darüber kein Zweifel besteht, dann gibt alles unverzüglich zurück. Aber wenn es zweifelhaft ist, dann lag durch kluge Leute schnell und sorgfältig eine Untersuchung anstellen. Es soll Dein Anliegen sein, daß Deine Leute und Deine Untertanen unter Deiner Herrschaft in Frieden und Redlichkeit leben.

 

Die guten Städte und die Gewohnheitsrechte in Deinem Reich, bewahre sie in dem Stand und in der Freiheit, die sie unter Deinen Vorgängern genossen haben. Wenn darin etwas verbessert werden kann, so verbessere es und richte es wieder auf. Halte sie in Deiner Gunst und Liebe, denn dank der Stärke und dem Reichtum der großen Städte werden Deine Leute und die Fremden sich scheuen, etwas Böses gegen Dich zu unternehmen, insbesondere Deine Paladine und Deine Barone.

 

Ehre und liebe alle Geistlichen der heiligen Kirche! Wache darüber, daß man ihnen die Einkünfte, Geschenke und Almosen, die Deine Vorgänger ihnen verliehen haben, nicht entzieht und schmälert!

 

Man erzählt von meinem Ahnherrn Philipp [II. August, +1223], daß einer seiner Ratgeber ihn einmal sagte, die Geistlichkeit fügte ihm großes Unrecht zu, indem sie ihm seine Rechte in der Ausübung der Justiz bestreite und einschränke, und man mußte sich sehr wundern, daß er sich das gefallen lasse. Der gute König Philipp antwortete, er denke ebenso; Gott habe ihm aber so viele Wohltaten und Freundlichkeiten erwiesen, daß er lieber auf sein Recht verzichte als sich auf einen Streit mit der heiligen Kirche einlasse.

 

Ehre Deinen Vater und Deine Mutter, und gehorche ihren Geboten!

 

Die Pfründe der heiligen Kirche verleihe rechtschaffenen Menschen von einwandfreiem Lebenswandel.

 

Befolge dabei den Rat von redlichen und ehrbaren Leuten.

 

Hüte Dich davor, mit christlichen Fürsten Krieg zu führen, ohne es vorher genau und sorgfältig überlegt und bedacht zu haben; wenn es aber unvermeidlich ist, schone die heilige Kirche und diejenigen, die Dir nichts zuleide getan haben!

 

Wenn unter Deinen Untertanen Kriege und Streitigkeiten ausbrechen, befriede sie, sobald Du kannst.

 

Achte sorgfältig darauf, gute Vorsteher und gute Amtsleute zu haben, und ziehe oft Erkundigungen über sie ein und über die an Deinem Hofe, damit Du immer weißt, was für ein Leben sie führen, und ob sie nicht von dem Laster zu großer Begehrlichkeit, Falschheit oder Betrügerei befallen sind.

 

Bemühe Dich darum, daß all die häßlichen und gemeinen Sünden aus Deinem Lande verschwinden! Besonders Gotteslästerung und Ketzerei unterbinde, soweit es in Deiner Macht steht!

 

Achte darauf, daß die Aufwendungen Deiner Hofhaltung in vernünftigen Grenzen bleiben!

 

Und zuletzt, mein sehr geliebter Sohn, lasse Messen singen für meine Seele und Gebete sprechen in Deinem ganzen Königreich. An allem Guten, das Du tun wirst, gewähre auch mir einen besonderen und allgemeinen Anteil.

 

Mein lieber, treurer Sohn, ich segne Dich mit allen Segnungen, die ein guter Vater seinem Sohn geben kann. Mögen die Heilige Dreifaltigkeit und alle Heiligen Dich bewahren und schützen vor allem Übel! Möge Gott dir die Gnade gewähren, immerdar seinen Willen zu tun, so daß er durch Dich geehrt werde und daß wir eins mit ihm seien und mit ihm leben und ihn preisen ohne Ende! Amen.

 

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