Civitas Institut

Naturrecht und Aufklärung PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 03. Oktober 2012 um 00:00 Uhr

Der Philosoph Robert Spaemann hat bei einer Debatte in der Hessischen Landesvertretung in Berlin ein Jahr nach der Rede des Hl. Vaters im deutschen Bundestag die Bedeutung des Naturrechts betont, dass über die Konfessionsgrenzen hinaus für alle Menschen verbindlich ist. Wenn es tatsächlich heute so aussieht, als wenn allein die katholische Kirche (oder besser bestimmte glaubenstreue Vertreter der Kirche) noch das Naturrecht verteidigt, so bedeutet dies nicht, dass es eine Erfindung von Katholiken ist. Das Naturrecht geht zurück auf Platon, Aristoteles und die griechische und römische Philosophie, also weit vor der Menschwerdung der zweiten Person Gottes.

 

Spaemann sagte ganz treffend, die gängigen Positionen des Rechtspositivismus und des Relativismus, die im direkten Gegensatz zum Naturrecht stehen und die heutige Rechtsauffassung durchgehend bestimmen, seien „Schönwetter-Philosophien“. Sie taugten nicht im Kampf gegen Diktaturen und Rechtsbeugungen.

 

Mit Nachdruck wandte sich Spaemann gegen die Annahme, das Naturrecht sei ein bloß katholisches Denken. In Wahrheit hätten auch Kant und die meisten französischen Aufklärer das Menschenrecht als ein Recht verstanden, das in der Natur des Menschen wurzelt.

 

Hier allerdings täuscht sich Spaemann. Weder Kant, noch die französischen Aufklärer kennen eine „Natur des Menschen“ im eigentlichen Sinne des Wortes als unveränderliches Wesen des Menschen, das darin besteht, ein vernunftbegabtes Lebewesen zu sein, das auf bestimmte Zwecke oder Ziele gerichtet ist, deren letzter die ewige Glückseligkeit in der Gemeinschaft mit Gott ist.

 

Kant gründet seine Ethik auf die Autonomie des Menschen als eines Selbstgesetzgebers und dies steht in direktem Widerspruch zum klassischen Naturrecht, das die Abhängigkeit des Menschen von Gott (dem Gott der natürlichen Theologie) betont. Die Pflichten und Rechte des Menschen werden nicht von diesem selbst auf der Grundlage seiner autonomen Vernunft gesetzt (das ist eine Art des Positivismus), sondern sie sind ihm aus seinem Wesen und den Zwecken der menschlichen Natur vorgegeben. Eine solche Auffassung würde Kant und noch weniger die französischen Aufklärer jemals teilen.

 

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