Civitas Institut

Willkommenskultur? Rundum-Vollversorgung gratis? Von wegen! PDF Drucken E-Mail
Montag, den 06. Juni 2016 um 09:14 Uhr

Ja, sie waren schwerst traumatisiert. Noch nicht einmal Jahrzehnte später wissen wir, was sie auf ihrer Flucht alles durchgemacht haben an unbeschreiblichem Leid, Elend, Kummer und Not. Sie haben nicht oder selten davon gesprochen, und oft genug bekamen sie zu hören, daß man davon eben nichts mehr hören wollte. Wer weiß schon, was damals alles "verdrängt" worden ist! Schlimmer: sie wurden beschimpft, vedächtigt, ausgegrenzt und in jeder Weise mißachtet. Und zwar von den eigenen Landsleuten, im eigenen Land, nach der Vertreibung aus der angestammten Heimat. Vielleicht ist deshalb so manche völlig irrationale heutige Reaktion nur psychologisch erklärbar, etwa als Kompensation eines zeitübergreifenden schlechten Gewissens... Den Vergleich zieht ein Artikel, den wir hier wiedergeben wollen.

"Die deutschen Vertriebenen wurden nach der Flucht in Deutschland nicht so umsorgt wie heute die Asylsucher

Angesichts der derzeit allenthalben eingeforderten Willkommenskultur sowie der Integrationsangebote, die den ins Land strömenden Asylsuchern entgegenzubringen seien, muss daran erinnert werden, wie es den deutschen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg in Restdeutschland erging. Für die meisten von ihnen war das mit Stacheldraht und Schlagbäumen befestigte Grenzdurchgangslager Friedland die erste Station in der „neuen Heimat“. Im Gegensatz zu den Asylanten, die auf freie Land- und Platzwahl pochen, wurden sie von dort zwangsweise ins Landesinnere verfrachtet. Diejenigen, die sich ohne Genehmigung in andere als die zugewiesenen Orte aufmachten, hatten enorme Schwierigkeiten, der damals überlebensnotwendigen Lebensmittelmarken habhaft zu werden. Nicht selten landeten sie wegen illegalen Aufenthaltes im Gefängnis. Obwohl keiner von ihnen freiwillig die Heimat verlassen hatte, wurden sie von der einheimischen Bevölkerung abfällig als „Zigeuner“, „hergelaufene Habenichtse“, „Polacken“ oder „Rucksackdeutsche“ beschimpft. Sprüche, wie „Nehmt die Wäsche von der Mauer, es kommen die Sudetengauner!“ waren gang und gäbe und nur für die Menschen lustig anzuhören, die nicht wie die Betroffenen ihre Heimat, ihr Hab und Gut, ihren sozialen Status sowie Verwandte und Freunde verloren hatten. Denn alleine bei den von den Tschechen verjagten Sudetendeutschen waren nach Erhebungen der Zentralstelle des kirchlichen Suchdienstes 295000 Vertreibungstote zu beklagen; die Zahl der bei der Vertreibung ums Leben gekommenen Deutschen insgesamt bewegt sich in einer Größenordnung von weit über zwei Millionen.

Die allermeisten Vertriebenen mussten bis weit in die 1950er Jahre hinein zusammengepfercht in Lagern vegetieren oder in von den ansässigen Deutschen auf Behördenanordnung nur widerwillig geräumten Rumpel- und Abstellkammern, in zugigen Löchern und Verschlagen, ja selbst in Ställen hausen. Die Selbstmordrate bei den Vertriebenen lag – wen wundert es – um einiges über dem Durchschnitt der Bevölkerung. Die deutschen Vertriebenen wurden bei ihrer Ankunft auch nicht, wie das heutzutage die Asylanten erwarten dürfen, von Bischöfen der beiden großen christlichen Konfessionen euphorisch empfangen und frenetisch beklatscht. So geschehen am Münchner Hauptbahnhof im Herbst 2015. Helferkreise gab es für sie ebenfalls nicht. Den vertriebenen Geistlichen ging es nicht besser. Sie wurden zwar zur Betreuung der heimatvertriebenen Gläubigen dringend gebraucht, doch begegneten ihnen ihre einheimischen Mitbrüder, einschließlich mancher Bischöfe, oftmals mit Misstrauen. Zudem waren die Kirchengebäude den Vertriebenen häufig dann versperrt, wenn sie als Evangelische in katholischen oder umgekehrt als Katholiken in evangelischen Gemeinden ihre Gottesdienste feiern wollten.

Selbst als Tote versuchte man sie zu diskriminieren. Das bayerische Staatskommissariat für Flüchtlinge und Vertriebene sah sich deshalb genötigt, ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass es verboten sei, Flüchtlinge und Vertriebene außerhalb der Friedhöfe zu bestatten.

Die Vertriebenen haben das allmählich einsetzende „Wirtschaftswunder“ zwar durch ihre Arbeit entscheidend mitgestaltet, haben von ihm aber am wenigsten profitiert. Wirtschaftswissenschaftler stellten fest, dass die Einkommen der deutschen Ve r t r i e b e n e n auch ein Vierteljahrhundert nach dem Zweiten Weltkrieg fast fünf Prozent unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung lagen.

Ähnliches gilt für die zweite Generation der Vertriebenen, deren Einkommen immer noch gut drei Prozent niedriger waren als die vergleichbarer nichtvertriebener Westdeutscher. Deutlich größer war und ist nach wie vor die Diskrepanz beim Eigentum. Denn die erheblichen Vermögensnachteile der Vertriebenen konnten durch den sogenannten Lastenausgleich, mittels dem höchstens rund fünf Prozent des verlorenen Besitzes „entschädigt“ wurden, nur zu einem äußerst geringen Teil ausgeglichen werden.

Wie Psychologen, so der Münchner Traumaforscher Michael Ermann, betonen, sind Vertriebene durch ihre Erlebnisse während der Austreibung sowie anschließend in Restdeutschland erheblich in ihrem psychosozialen Lebensgefühl eingeschränkt. Denn die erlittenen körperlichen wie seelischen Verwundungen und traumatisierenden Erfahrungen, auf die besonders Kinder und Heranwachsende empfindlich reagieren, können nicht von heute auf morgen wie ein Hemd abgestreift werden. Sie begleiten manche ihr ganzes Leben lang und treten selbst in nachfolgenden Generationen offen zutage.

Obwohl nach 1945 Deutsche zu Deutsche kamen, also Landsleute gleicher Sprache, Kultur, Konfession und Geschichte aufeinander trafen, konnte von einer Willkommenskulturbeim besten Willen keine Rede sein. Ihre von Politikern in Sonntagsreden immer wieder gerne gefeierte, angeblich so erfolgreich verlaufene Integration mussten sich die Vertriebenen in Jahrzehnten bitter erkämpfen."

Walter Kreul in der Preußischen Allgemeinen Zeitung 22/2016

Danke, Herr Kreul, daß Sie daran erinnern!

JV

 

 

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