Civitas Institut

Warnung vor einem gefährlichen Mißverständnis bezüglich der Religionsfreiheit. PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 19. Februar 2008 um 09:35 Uhr
lefebvre.jpgIn einer Stellungnahme der Una Voce Deutschland e.V. zum Motu proprio des Hl. Vaters Benedikt XVI.
unter dem Titel „Dies ist der Kairos – ein Appell an unsere Freude“ wird im Zusammenhang mit einer
Aufforderung an die Priesterbruderschaft Pius X., "jetzt in die volle Gemeinschaft der Kirche
zurückzukehren", auf das Problem der Religionsfreiheit eingegangen, die eines der zentralen Kritikpunkte
bezüglich des II. Vatikanischen Konzils durch Erzbischof Marcel Lefebrve und die von ihm gegründete
Priesterbruderschaft ist.. Die unterzeichnenden Vorstandsmitglieder der Una Voce Deutschland versuchen die Bedeutung der Frage
der Religionsfreiheit im Sinne des II. Vatikanischen Konzils herunter zuspielen, indem sie diese Frage auf
ein Problem „französischer Idiosynkrasien“ (Zitat von Eric Saventhem) reduzieren. Statt dessen heißt es in
dem Aufruf des Vorstandes: „anders als unsere Freunde und auch im Unterschied zu ihrem Gründer Msgr.
Lefebvre sehen wir in einer Wendung hin zur „Religionsfreiheit“ auch ein positives Element. Sie ermöglicht
uns eine Forderungshaltung gegenüber Regimen, die keine Freiheit für die Mission, ja nicht einmal Freiheit
für die Ausübung der katholischen Religion durch ihre Gläubigen gewähren. Was ist das größere Übel: ein
Festhalten an einem Prinzip, dessen Durchsetzung in der heutigen Weltlage illusorisch ist: der Vorrang
der katholischen Religion vor jeder anderen – oder die Möglichkeit, Freiheit für das Christentum und die
Kirche von ihren Gegnern einzufordern?“

Aus diesen Zeilen, die zweifellos gut gemeint sind, sprechen mehrere schwerwiegende Mißverständnisse
hinsichtlich der Frage der Religionsfreiheit: 1. hat die Kirche stets diese Art von „Religionsfreiheit“ dort
gefordert, wo sie unterdrückt wurde. Dies findet sich z.B. in dem sogenannten Ottaviani Schema, das den
auf dem II. Vatikanischen Konzil versammelten Bischöfen vorlag, aber ohne Diskussion in ´den Mülleimer
geworfen wurde. 2. Aufgrund der Forderung nach Religionsfreiheit auf dem II. Vatikanischen Konzil wurden
mehrere katholische Länder von Seiten der Kirche selbst aufgefordert, Religionsfreiheit einzuführen. In der
Tat geht es bei der Kritik an der Religionsfreiheit um das Prinzip und nicht um die Frage, was unter den
heutigen Verhältnissen möglich ist. Denn dieses Prinzip ist für die Kirche fundamental. Dies deutlich zu
machen, soll im folgenden kurz versucht werden.

Kritik und Verurteilung der Religionsfreiheit durch das Lehramt der Kirche findet sich unter anderem in den
folgenden Schreiben:

· Quod aliquantulum, Pius VI. vom 10.03.1791.
· Apostolischer Brief Post tam diuturnitas, Pius VII.
· Enzyklika Mirari vos, Gregor XVI. vom 15.08.1832
· Enzyklika Quanta Cura, Pius IX, vom 8.12.1864
· Enzyklika Immortale Dei, Leo XIII., vom 1.11.1885

Das was in allen diesen Dokumenten verurteilt wird ist das angebliche Recht, „in der öffentlichen
Ausübung der Religion seiner eigenen Wahl nicht durch die bürgerliche Gewalt beunruhigt zu werden; ihr
gemeinsamer Nenner (wie Kardinal Billot es ausdrückt) ist die Befreiung von jeglichem Zwang in religiöser
Hinsicht (M. Lefebvre: Sie haben Ihn entthront, 77). Kurz gesagt, die Forderung nach Religionsfreiheit
entspringt der freimaurerischen französischen Revolution und ihrer Forderung nach totaler Autonomie des
Menschen.

Das Prinzip der Religionsfreiheit, das seinen Ursprung im Liberalismus und Naturalismus hat und
insbesondere auf die französische Revolution zurückgeht, besagt, daß die Wahrheit und die Unwahrheit,
die wahre Religion Jesu Christi und die falschen Religionen und Sekten das gleiche Recht haben. Dieses
Prinzip ist eines der wichtigsten Ursache der religiösen Gleichgültigkeit, des Indifferentismus und der auch
von Papst Benedikt XVI. verurteilten „Diktatur des Relativismus“, die z.B. jährlich zu Millionen von im
Mutterleib getöteten Kindern führt.

Das dies nicht reine Theorie ist, zeigt ein Blick auf die Gegenwart und aktuelle Umfrageergebnisse. Eine
überragende Mehrheit der Deutschen ist heute der Auffassung, daß es keine wesentlichen Unterschiede
zwischen den Religionen gibt; schon gar nicht wesentliche Unterschiede zwischen der katholischen
Religion und dem Protestantismus. Dies kann nicht verwundern, wenn der soeben neu gewählte
Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch in einem Interview verkündet,
die Gemeinsamkeiten zwischen katholischem und protestantischem Glauben seien bei weitem größer, als
die Differenzen. Diese Entwicklung ist die Folge der auf dem II. Vatikanischen Konzil anerkannten
Religionsfreiheit.

Zusammengefaßt bedeutet das Prinzip der Religionsfreiheit, wie alle anderen liberalen
Freiheitsforderungen, das gleiche Recht für Wahrheit und Irrtum. Der Irrtum kann aber kein Recht besitzen.
Er kann toleriert werden. Die Toleranz gegenüber anderen Religionen ist keine Erfindung des Liberalismus,
sondern der Kirche. Daher kann man aufgrund des Toleranzprinzips allein, das von der Kirche stets
geachtet wurde, von Diktaturen fordern, daß sie gegenüber der katholischen Kirche und den Gläubigen in
ihren Ländern dieselbe Toleranz üben, die die Katholiken auch anderen Religionen gegenüber üben. Die
Forderung nach Religionsfreiheit ist dazu nicht erforderlich.

In Bezug auf die heutige Situation der katholischen Kirche in den meisten Ländern der Erde wird die
Kirche zweifellos nicht fordern können, daß die katholische Religion als einzig wahre Religion vom Staat
anerkannt wird, wenn auch ebenso zweifellos wahr ist, daß sie dies ist. Weil die katholische Religion die
einzige wahre Religion ist, und dies auch im Prinzip durch die bekannten Beweise gezeigt werden kann,
kann sie nicht zugleich fordern, daß alle anderen Religionen und Sekten die gleichen Rechte haben, wie
die katholische Religion. Damit würde die katholische Kirche ihren Wahrheitsanspruch aufgeben und den
Zusammenhang von Recht und Wahrheit leugnen. Die Kirche kann allerdings dafür eintreten, daß unter
den derzeitigen gesellschaftlichen Verhältnissen andere Religionen und Sekten unter bestimmten
Bedingungen zu tolerieren sind, daß z.B. die Angehörigen des Islam ihre Religion unter bestimmten
Bedingungen praktizieren dürfen. Damit wird diesen Menschen allerdings kein Recht auf freie
Religionsausübung zugesprochen, sondern diese wird toleriert.

Der einzige bekannte Einwand gegen dieses Argument aus katholischen Kreisen ist die Behauptung, nicht
die Wahrheit habe Rechte, sondern nur Personen. Während die „alte Kirche“ das Recht der Wahrheit, mit
Bezug übrigens zum Hl. Thomas von Aquin, betont habe, sei man auf dem II. Vatikanischen Konzil zu der
Einsicht gelangt, daß allein Personen Rechte und Pflichten hätten.

Dies ist überhaupt kein Einwand gegen unsere Argumentation und die Aussage ist auch keineswegs so
neu, wie die Modernisten meinen. Selbstverständlich ist es richtig, daß im eigentlichen Sinne nur
Personen Rechte besitzen. Doch ist die Wahrheit selbst personal. Nirgendwo deutlicher als im Wort des
Herrn, daß Er selbst die Wahrheit ist, wird dies zum Ausdruck gebracht. Und weil Jesus Christus selbst
der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, deshalb ist auch die christliche Religion die einzig wahre
Religion und deshalb hat auch allein sie Rechte. Es sind die Rechte des dreifaltigen Gottes, die Rechte
Jesu Christi die verteidigt werden, wenn die Kirche sich gegen die Religionsfreiheit wendet.
 

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