Civitas Institut

Enzyklika Caritas in Veritate: Kritische Stellungnahme 2 PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 06. August 2009 um 12:21 Uhr

Die jüngste Enzyklika Benedikts XVI., die fast ausnahmslos gelobt wurde, insbesondere auch von Personen, die ansonsten der Kirche distanziert gegenüberstehen, bezieht sich insbesondere auf die von  Papst Paul VI. veröffentlichte Enzyklika Populorum progressio. Einer der renommiertesten Philosophen Italiens, der inzwischen verstorbene Romano Amerio, der gegenwärtig im Vatikan eine neue  Renaissance erlebt, hat in seinem Hauptwerk „Iota unum“ eine deutliche Kritik an der Enzyklika Paul VI. geübt. Vieles an dieser Kritik trifft auch auf die neue Enzyklika Benedikt XVI. zu.

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Wir veröffentlichen im folgenden Auszüge aus der Kritik Amerios im zuvor genannten Buch, die sich im Paragraphen 328 finden (in der deutschen Ausgabe Seite 717 – 719)

 

„§ 328. Abirrung der Kirche infolge des sekundären Christentums. Die Enzyklika Populorum progressio.

 

In den §§ 220 – 221 haben wir den gegenwärtigen Niedergang des Katholizismus darauf zurückgeführt, daß er von seinem primären Ziel abgekommen ist, um sich der irdischen Vervollkommnung des Menschen zu widmen.

 

Gewiß gereicht die Religion zu einer Vervollkommnung auch in der Zeitlichkeit, (...), (man) kann jedoch diese Vervollkommnung nicht als primäres oder kon-primäres Ziel ansehen, denn dann würde sie entarten. (...)

 

Die Kirche hat als natürliche – allerdings sekundäre – Auswirkung der Religion die europäische Kultur zur Reife gebracht; die der nichtchristlichen Welt innewohnende zivilisatorischen Möglichkeiten entfaltet; es mit dem Vatikanum II auf sich genommen, direkt an der zeitlichen Vervollkommnung teilzunehmen und somit versucht, den Fortschritt der Völker in den Endzweck des Evangeliums einzubeziehen.

 

Die Enzyklika Populorum progressio verdeutlicht die Doktrin. Sie stellt sich als Weiterführung der Enzyklika Rerum novarum dar. Während diese die Harmonisierung der Klassen, der reichen und der armen, im Rahmen der einzelnen Staaten lehrt, regt die Enzyklika Pauls VI. die Harmonisierung zwischen den verschiedenen Völkern, den reichen und den armen, an, ist doch das Miteinander der Völker heute erprobter, bewußter und enger geworden. Die Hunger leidenden Nationen, nicht die Individuen, drängen die im Überfluß lebenden Nationen dazu. Auch Johannes Paul II. bekräftigt in seiner Ansprache an das internationale Arbeitsamt, daß heute das ausschlaggebende gesellschaftliche Problem das des weltumfassenden Gemeinwohls ist (OR, 16. Juni 1982).

 

Nicht näher darauf eingehen möchte ich, daß in Populorum progressio der Übergang vom Gesichtspunkt der Wohltätigkeit, einer moralischen Pflicht, zu dem der Gerechtigkeit vollzogen wird, der sie zu einem einforderbaren Recht macht. (...)

 

Auch die konkreten Vorschläge der Enzyklika, wie die Einrichtung eines Welthilfsfonds zur Unterstützung der armen Länder, lassen wir hier weg. Soziologen und Wirtschaftssachverständige haben sich – vielleicht aus einer zu einseitigen Sicht heraus – gegen derlei Vorschläge gewandt.

 

Herauszustellen wäre eher die veränderte Sichtweise, womit die Teleologie umgekehrt wird, der technische und chrematistische (den Gelderwerb, Gewinn, Reichtum betreffend) Fortschritt zwar nicht gerade zum Zweck, doch zumindest zur Vorbedingung für spirituelle Vervollkommnung und für die Arbeit der Kirche gemacht wird (...).

 

Wohl ist als angestrebtes Entwicklungsziel ein ganzheitliches Wachstum wie auch ein Humanismus angegeben, dem es bestimmt ist, sich in Christus zu integrieren und der so zu einem transzendenten Humanismus wird. Unbestimmt bleibt allerdings der Zusammenhang zwischen jenem Ganzen, das der human entwickelte Mensch ist, und jenem anderen Ganzen, das der dem Übernatürlichen verhaftete ist.

 

Paul VI. wünscht eine Welt herbei, in der das Gleichnis von Lazarus und dem Schwelger zu korrigieren wäre, „... in der die Freiheit kein leeres Wort ist und der bedürftige Lazarus sich an denselben Tisch wie der Reiche setzen könnte“ (Enzyklika, Nr 47). Der Sinn des Gleichnisses wird hier verkehrt. Im Evangelium empfing der Reiche gutes im Leben und leidet infolgedessen große Pein; Lazarus hingegen, der Übles empfing, wird nunmehr getröstet (Lk. 16,25). Der Wunsch, Lazarus möge wie der Reiche genießen, hieße, diese weltlichen Güter der himmlischen Tröstung gleichzusetzen und dem Genuß der Güter einen Wert beizumessen, der mit der Genußhabe in Gott verbunden, ja darin eingeschlossen ist.

 

(...)

 

Die Idee der Enzyklika Pauls VI. wird indes von Pater Lebret, ihrem Verfasser, recht deutlich vor Augen geführt: Die Aufgabe der Kirche bei der Umgestaltung der Welt ist weder ergänzend noch sekundär; sie ist vielmehr wesentlich, nämlich die Verkündigung des Evangeliums, und darin besteht (nach den Worten der Bischofssynode 1971) „die Sendung der Kirche zur Erlösung der Menschheit und zur Befreiung von jeder oppressiven Situation“. Die Zweiheit Erlösung und Befreiung wirft das sophistische et et wieder auf. Es sind ja nicht zwei Dinge, sondern eins nur, denn die Erlösung stimmt mit der Befreiung überein, doch der in Christus allemal, der spirituellen, eschatologischen.“

 

 

Aus: Romano Amerio: Iota Unum. Eine Studie über die Veränderungen in der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert. Übersetzt von Siegrid Gunderloch, Edition Kirchliche Umschau 2000 (Ruppichteroth).

Zu bestellen bei: Sarto Verlag

 

 

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