Civitas Institut

Dokumentation: Nach dem Zusammenbruch 1945 PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 18. Dezember 2010 um 11:04 Uhr

Am 17. Juni 1945 trafen sich im zerstörten Köln im Kolpinghaus, dem „Zentrum“ der katholischen Arbeiterbewegung unter nahezu konspirativen Umständen 22 Personen, die eine neue politische Bewegung unter dem Namen „Christlich-Demokratische Volkspartei“ (CDVP) gründen wollten. Zu den Köpfen der Gruppe gehörte u.a. der ehemalige Reichstagsabgeordnete Leo Schwering und der ehemalige Präsident des Preußischen Landtags Joseph Baumhoff, aber auch der Kölner Stadtdechant Robert Grosche. Konrad Adenauer gehörte nicht dazu.

 

Diese Persönlichkeiten nahmen Kontakt zu den Dominikanern auf und baten diese um Mithilfe bei der Formulierung von Grundsätzen einer neuen Partei, die die Spaltungen der Vorkriegszeit vermeiden wollte. Im Juli 1945 wurden dann die „Kölner Leitsätze“ veröffentlicht, an denen der Dominikanerprovinzial Pater Laurentius Siemer und der Professor für Sozialethik Pater Eberhard Welty mitgewirkt hatten.

Die „Leitsätze“ bildeten die Grundlage für die Programme der späteren „CDU“ im Rheinland und in Westfalen (Sept. 1945).

 

Angesichts der aktuellen Debatte um die Grundwerte unserer Gesellschaft, zeigen diese Leitsätze noch das klare Bekenntnis zu einer christlichen Gesellschaftsordnung. Bei aller zeitbedingtheit – man beachte die positive Benutzung des Begriffs „Sozialismus“ (!) – zeigen die „Leitsätze“ eine Hellsichtigkeit in den Folgen einer Abkehr von Gott und der in die Vernunftnatur des Menschen eingestifteten Ordnung.

 

Kölner Leitsätze

 

Ein Ruf zur Sammlung des deutschen Volkes.

 

Der Nationalsozialismus hat Deutschland in ein Unglück gestürzt, das in seiner langen ehrenvollen Geschichte ohne Beispiel ist.

 

Er befleckte den deutschen Namen mit einer Blutschuld ohnegleichen.

 

Nie wäre dieses Unglück über uns gekommen, wenn nicht weite Kreise unseres Volkes von einem habgierigen Materialismus sich hätten leiten lassen.

 

So erlagen nur allzuviele der nationalsozialistischen Demogogie, die jedem Deutschen das Paradies auf Erden versprach.

 

Ohne eigenen sittlichen Halt verfielen sie dem Rassenhochmut und dem Machtrausch.

 

Mit dem Größenwahnsinn des Nationalsozialismus verband sich die ehrgeizige Herrschsucht des Miltarismus und der großkapitalistischen Rüstungsmagnaten.

 

Am Ende stand der Krieg, der uns alle ins Verderben stürzte.

 

Nun aber müssen und wollen wir heraus aus dem Abgrund.

 

Was uns allein noch retten kann, ist eine klare Besinnung auf das, was einst das deutsche Volk zu einem der geachtetsten in der europäischen Völkerfamilie machte.

 

Darum fort mit Diktatur und Tyrannei, Herrenmenschentum und Militarismus.

 

Das deutsche Volk wird nur dann im Innern und draußen den Frieden finden, wenn es sich in seinem privaten und öffentlichen Leben von den ewigen Forderungen des christlichen Sittengesetzes leiten läßt.

 

Darum fort mit Lüge und Heuchelei im öffentlichen Leben, dieser Pest des Hitlertums.

 

Wahrheit und Treue sollen eine neue Volksgemeinschaft beschirmen, die die gottgegebene Freiheit des einzelnen und die Ansprüche der Gemeinschaft mit den Forderungen des Gemeinwohls zu verbinden weiß.

 

So vertreten wir einen wahren christlichen Sozialismus, der nichts gemein hat mit falschen kollektivistischen Zielsetzungen, die dem Wesen der Menschennatur von Grund aus widersprechen.

 

Unser unbedingter Wille aber ist es, eine soziale Ordnung aufzurichten, die der Weite und dem Geiste des christlichen Naturrechts entspricht. Darum beugen wir uns im Glauben an Gott vor seine Geboten, den wahren und einzigen Stützen sozialer Ordnung und Gemeinschaft.

 

Zu Beginn dieses schweren Werkes gedenken wir der Toten auf den Schlachtfeldern und unter den Ruinen unserer Städte und Dörfer.

 

In Ehrfurcht neigen wir uns vor den Blutzeugen, die der nationalsozialistischen Schrecksherrschaft zum Opfer fielen.

 

In ihrem Geiste sind wir fest entschlossen, dem deutschen Volke im Rahmen des Reiches und mit all unseren Kräften zu dienen.

 

Darum haben wir Christliche Demokraten uns in dieser Stunde der größten Not zur Rettung unseres Volkes zusammengefunden und folgende Leitsätze für den Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes beschlossen:

 

Köln, im Juni 1945

 

1. Die geistige Würde des Menschen wird anerkannt. Der Mensch wird gewertet als selbstverantwortliche Person, nicht als bloßer Teil der Gemeinschaft.

 

2. Die Familie ist die Grundlage der sozialen Lebensordnung. Sie genießt den besonderen Schutz des Staates.

 

3. Die Gerechtigkeit ist das Fundament des Staates. Der Rechtsstaat wird wieder hergestellt. Die Gerichtsbarkeit ist unabhängig und frei. Ihr einziger Leitstern ist das Gesetz, vor dem alle gleich sind.

 

4. Jeder Deutsche hat das Recht, seine Meinung in Wort und Schrift im Rahmen der bestehenden Gesetze frei zu äußern. Die Vereins- und Versammlungsfreiheit wird gewährleistet.

5. Alle religiöse Bekenntnisse sind frei in ihrer öffentlichen Bestätigung.

 

6. Das natürliche Recht der Eltern auf die Erziehung ihrer Kinder ist die Grundlage der Schule. Diese gewährleistet die Bekenntnisschule für alle vom Staate anerkannten Religionsgemeinschaften wie auch die christliche Gemeinschaftsschule mit konfessionellem Religionsunterricht als ordentlichem Lehrfach.

 

7. Das kulturelle Schaffen muß frei vom staatlichen Zwang sein. Seine Grundlage ist die deutsche christliche und abendländische Überlieferung. Jede Art von Rassenkult wird ausgeschaltet.

 

8. Der Zentralismus wird als undeutsch abgelehnt. Deutschland gliedert sich in selbstständige freie Länder. Ihr Zusammenschluß erfolgt in der Form des freien republikanischen Bundes.

 

9. Die überlieferte deutsche Selbstverwaltung der Gemeinden und provinzialen Verbände wird wiederhergestellt. Die Staatsverwaltung ist zu vereinfachen.

 

10. Das Recht auf Eigentum ist gewährleistet. Die Eigentumsverhältnisse werden nach dem Grundsatz der sozialen Gerechtigkeit und den Erfordernissen des Gemeinwohls geordnet. Durch gerechten Güterausgleich und soziale Lohngestaltung soll es den Nichtbesitzenden ermöglicht werden, zu Eigentum zu kommen. Das Gemeineigentum darf soweit erweitert werden, wie das Allgemeinwohl es erfordert. Post und Eisenbahn, Kohlenbergbau und Energieerzeugung sind grundsätzlich Angelegenheiten des öffentlichen Dienstes. Das Bank- und Versicherungswesen unterliegt der staatlichen Kontrolle.

 

11. Das Ziel der Wirtschaft ist die Bedarfdeckung des Volkes auf der Grundlage einer freien körperschaftlichen Selbstverwaltung. Die Vorherrschaft des Großkapitals, der privaten Monopole und Konzerne wird gebrochen. Privatinitiative und Eigenverantwortlichkeit werden erhalten. Mittel- und Kleinbetriebe werden gefördert und vermehrt.

 

12. Die menschliche Arbeit wird gewertet als sittliche Leistung nicht aber als bloße Ware. Im Zuge einer großangelegten Arbeitsbeschaffung ist die Beteiligung aller Arbeitswilligen am Aufbau des deutschen Lebensraumes zu ermöglichen. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen werden tariflich geregelt. Der erwachsene arbeitende Mensch hat Anspruch auf einen Lohn, der ihm die Gründung und Erhaltung einer Familie ermöglicht. Die Leistungen der Sozialversicherung bleiben erhalten. Der Aufbau der Gewerkschaften und der sonstigen Berufsvertretungen ist zu sichern.

 

13. Ein kräftiger Bauernstand ist die Grundlage eines gesunden Volkslebens. Durch planmäßige Pflege aller Zweige der Landwirtschaft ist die Erzeugung zu heben und die Ernährung unseres Volkes zu sichern. Durch eine großzügige Innensiedlung ist die Zahl der selbstständigen Bauernhöfe und landwirtschaftlichen Kleinbetriebe zu vermehren.

 

14. Das Handwerk ist ein selbstständiger und gleichberechtigter Berufsstand neben Industrie, Landwirtschaft und Handel. Das handwerkliche Genossenschaftswesen wird gefördert. Die handwerkliche Selbstverwaltung bleibt erhalten.

 

15. Die nach der Katastrophe des Hitlerregimes in besonderem Ausmaß wachsenden Lasten sind nach sozialen Gesichtspunkten gerecht zu verteilen. Die Kriegsschäden sind als gemeinsame Last auf das ganze Volk umzulegen. Ihre Regulierung darf nur nach Maßgabe des Vermögens und des Einkommen des einzelnen erfolgen. Die für den Krieg und seine Verlängerung Verantwortlichen sind von der Entschädigung auszuschließen. Die Gewinne der nationalsozialistischen Konjunkturzeit und die Kriegsgewinne sind durch besondere Steuer zu erfassen.

 

16. Die zerstörten Städte und Dörfer werden wieder aufgebaut, der vorhandene Wohnraum wird bewirtschaftet. Durch ein großzügiges Bauprogramm wird neuer Wohnraum geschaffen. Das Eigenheim wird gefördert. Unzulängliche Behelfsheime sind zu vermeiden.

 

17. Alle Formen des öffentlichen Gemeinschaftslebens kommen aus der Demokratie. Ein Mißbrauch der Demokratie, vor allem zu nichtdemokratischen Zwecken, wird nicht geduldet. Der Staat schützt sich und seine Einrichtungen mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln.

 

18. Das Parlament ist auf Grund des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts zu wählen.

 

19. Das öffentliche Leben und die gesamte Wirtschaft ist von unzuverlässigen Elementen zu säubern.

 

20. Die Grundlage der deutschen Außenpolitik ist die Achtung fremden Volkstums und die Innehaltung der Verträge. Es muß Gemeingut des ganzen Volkes werden, daß die Politik der Gewalt des Krieges nicht nur eine Versündigung am eigenen Vaterland, sondern auch ein Verbrechen an der Menschlichkeit ist. Deutschland muß führend sein in der Verwirklichung der Sehnsucht der Völker nach einem ewigen Frieden.

 

Deutsche Männer und Frauen !

Das sind die Leitsätze der

Christlichen Demokraten Deutschlands !

Sammelt Euch um sie !

Helft mit ein neues und schöneres Deutschland aufzubauen, auf dem unerschütterlichen Fundament des Christentums und der abendländischen Kultur.

 

Zeitschrift

Newsletter

Aktuell online

Wir haben 85 Gäste online

Termine


Aktuell stehen keine Termine an.

PayPal-Spende

Jedes Engagement, jede Aktion hat auch eine finanzielle Seite, die unsere Einsatzmöglichkeiten begrenzt. Um uns zu helfen, unsere Ausstrahlung zu vergrößern oder unseren Einsatz zu vervielfältigen benötigen wir Ihre finanzielle Unterstützung.
Herzlichen Dank für Ihre Spenden!