Civitas Institut

Wir erinnern an... Die Ermordung Ludwigs XVI. PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 21. Januar 2012 um 06:35 Uhr

Am 21. Januar 1793 wurde in Paris König Ludwig XVI. ermordet, und wir Nachgeborenen können uns keine Vorstellung davon machen, welche Schockwelle bis in die heutige Zeit und weit außerhalb Frankreichs dieser Mord mit der „Madame Egalité“, der Guillotine, auslöste. Die Revolution war viel, viel mehr als ein erzwungener Regierungswechsel, und der Tod des Königs war viel, viel mehr als das Ende eines Regierungssystems.

Mit nur einer Stimme Mehrheit, der Stimme des Massenmörders und Terroristen Robespierre, war der König „zum Tode verurteilt“ worden. Es sei besser, wenn ein Mann  für das Volk stürbe, als wenn das Volk für einen Mann stürbe, hatte der argumentiert; die Rede ist uns erhalten.
Als der König das Schafott bestieg, wandte er sich an sein Volk, das, wie die Quellen berichten, fassungslos schluchzend der Ermordung beiwohnte. Nach den ersten Worten setzte ein Trommelwirbel ein, Soldaten hielten die Menge in sicherer Entfernung, das Fallbeil sauste hernieder und der Henker von Paris, aus der alten Henkerfamilie Sanson, hob den abgetrennten Kopf des Königs in die Höhe. Wir Heutigen können uns gar nicht mehr vorstellen, wie unvorstellbar den Damaligen diese Ermordung des Königs war.
Hier war nicht nur die Person Ludwigs XVI. gestorben, hier war eine Welt gestorben, und unsere heutigen Geschichtsbücher tun alles, um das zu verschleiern bzw. zu verharmlosen, so wie sie den unsäglichen Terror verharmlosen, der nach dem Tod des Königs erbarmungslos alles niederwalzte, was der Revolution entgegenstand. Ganz klar und eindeutig: ein Land, dessen lange Geschichte durch 14 Jahrhunderte Christentum geprägt war, wurde dieser Geschichte brutal beraubt im Namen einer „Vernunft“, die sich höher dünkte als jener Jesus Christus, dessen Herrschaft sie schon lange vor der Revolution den Kampf angesagt hatte.
„Ecrasez l'infâme!“, unterschrieb ein gewisser Voltaire alle seine Briefe, „zerquetscht die Abscheuliche“, und er meinte damit die Kirche. Ein gewisser Montesquieu, Schriftsteller, verglich Papst und König, Thron und Altar mit Gauklern, die die Menschen verdummen. Und in der berühmten „Enzyklopädie“ von Diderot und d'Alembert findet sich unter dem Stichwort „Eucharistie“ der Querverweis: siehe auch „Kannibalismus“.
Der Kampf gegen Thron und Altar war grausam, mehr als grausam. Der Völkermord in der Vendée, der hochgerechnet mehr Opfer forderte als der 2. Weltkrieg, ist heute kaum noch bekannt. Vergessen die Massenertränkungen in der Loire, vergessen das Zerquetschen Schwangerer, das Anzünden von Kirchen voller betender Menschen... wir wollen an dieser Stelle die Liste der Abscheulichkeiten der Revolution nicht weiterführen, jene Zeit des Entsetzens, des Schreckens, des Terrors. Nein: das war und ist kein Ruhmesblatt, schon gar kein Anlass zum Feiern.
In der Person Ludwigs sollte das Königtum als solches lächerlich gemacht werden. Zu diesem Zwecke fälschte man Portraitbilder, setzte Geschichten in Umlauf, deren Wahrheitsgehalt null ist. Und auch, wenn es wahr ist, dass der Hof von Versailles ein Sumpf an Verkommenheit war: gerade und vor allem das Verhalten des gar nicht so ungeschickten, aber glücklosen Königs zeigt, dass maßlos übertrieben wurde, wenn er als fauler Dummkopf geschildert wurde. Sein Testament, das uns überliefert ist, rührt zutiefst. - Die Königin Marie Antoinette, die im Oktober des gleichen Jahres geköpft wurde, lebte sicherlich in unerhörtem Luxus, kannte aber auch nichts anderes, hierin den Romanows ähnlich, die den Kontakt zu ihrem Volk (auch sprachlich; man sprach deutsch oder auch französisch untereinander) verloren hatten und 1918 völlig überrascht waren von dem, was sie da überrollte.
Marie Antoinette war eine Tochter Maria Theresias, die ihr auf den Weg nach Paris den unvergesslichen Rat mitgab: „Und vergesse nie, dass du eine anständige Deutsche bist“.
In der Folge errichtete die Revolution ihre Herrschaft mit Lüge und Verrat. Das meiste, das sie ins Werk setzte und das durchaus zu loben ist, war als Reform schon lange geplant gewesen: ein neues Steuerwesen, die Abschaffung der ungerechtfertigten Vorrechte, die Neuordnung von Maßen, Gewichten, Erziehung, Verwaltung... Frankreich war unter Ludwig XVI. das modernste Land der Welt, wie neuere, vorurteilsfreiere Forschungen zeigen.
Was also starb am 21. Januar 1793 mit Ludwig XVI.? Das Gottesgnadentum, das Königsheil. Das Königtum ist eine der gottgewollten Formen, zum Segen der Völker zu regieren. Ganz fest war man überzeugt, dass durch die Person des Königs der Segen Gottes auf das Volk und auf das Land herabstieg. Und den Segen Gottes, den wollten die von einer ominösen „Vernunft“ überzeugten Revolutionäre nicht. Nun – man könnte der Ansicht sein, dass sie ihn auch nicht bekommen haben, wenn man den weiteren Verlauf der Geschichte bis heute betrachtet.
Was starb, was bekämpften die Revolutionäre? In Angers holten sie Noël Pinot aus dem Kerker. Er solle sich noch einmal als Kasper verkleiden, grölten sie ihn an. Und das tat  Noël Pinot: Amikt, Albe, Zingulum, Stola, Manipel, Kasel – er war nämlich Priester. Dann bestieg er den Leiterwagen, der ihn zum Schafott fahren sollte durch eine Menge verkommener Marktweiber und anderen Pöbel. Da fielen die „geistreichen“ Witzworte... bis Noël Pinot das tat, was dem Priester zukommt: er segnete die Menge, die, verwirrt von der Ausstrahlung des segnenden Priesters, auf die Knie sank. Die Revolutionäre waren froh, als man endlich an der Guillotine, dem Fallbeil ankam. Als Noël Pinot die Stufen des Schafotts bestieg, hört man ihn beten: „Introibo ad altare Dei“ - Zum Altare Gottes will ich treten. Eine recht kleine, weiße Statue in der Kathedrale von Angers (wenn man hineinkommt: links von der großen Kanzel) hält genau diese Szene fest - Noel Pinot wurde am 19. Februar 1984 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen.
Ja, die Revolution hatte gesiegt, oder, richtiger, sie hat sich durchgesetzt. Die Heilige Ampulle mit dem Salböl der Könige zerschlug der protestantische Pfarrer und Parlamentsabgeordnete Rühl auf dem Sockel der Statue König Heinrichs IV. in Reims, damit nie wieder ein König in Frankreich sei. Die Revolution ist aber noch nicht beendet. Mit, nach dem Tod Ludwigs XVI. wankten und stürzten die Throne der christlichen Herrscher, und nun haben wir die Herrscher, die wir haben.
Der Altar steht noch. Denn trotz aller Verfolgung gilt: „Non praevalebunt“ - sie werden sie nicht überwältigen.
In Paris werden heute, an diesem Tage, wieder Messen für die Seele Ludwigs XVI. gelesen.

JV

 

 

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