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Anerkennung als Genozid gefordert PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 26. Januar 2012 um 00:00 Uhr

In Frankreich ist ein Gesetz erlassen worden, daß die Leugnung von Genoziden mit Gefängnis oder hohen Geldstrafen belegt.  Hintergrund ist die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern im Osmanischen Reich durch den türkischen Nationalismus. Der französische Parlamentsabgeordnete Dominique Souchet hat in diesem Zusammenhang eine Gesetzesinitiative angekündigt, die auch den innerfranzösischen Völkermord in der französischen Revolution 1793-1794 eingestehen und offiziell anerkennen soll.

 

 

François Furet nannte im Kritischen Wörterbuch der Französischen Revolution die Ereignisse in der Vendée die „größten Massaker der Terreur“.

 

Die Opferzahlen? Zwischen 100.000 und 600.000 Tote.

 

Dieser Völkermord an Tausenden Katholiken wird bis heute von einer gewissen „republikanischen“ Ideologie verdrängt. Die historischen Fakten sind aber erdrügend.

 

Unter der Fahne des heiligsten Herzens Jesu erhob sich die Vendée, eine vom Glauben geprägte Provinz im Westen Frankreich, gegen die Revoltionstruppen und ihre Verbrechen. Paris ordnete die Auslöschung der Bevölkerung an. Kinder, Greise, Frauen inklusive.

 

Reynald Secher  hat den franko-französischen Genozid und dessen Vertuschung in seinen Büchern: „La Vendée-Vengé: le génocide franco-français“ (1986, 1.Auflage) und „Vendée : du génocide au mémoricide : Mécanique d'un crime légal contre l'humanité“ (2011) minutiös nachgezeichnet.

 

Der Abgeordnete Souchet stellte im französischen Parlament fest, daß der Vendée-Massenmord alle Elemente besitze, die für einen Genozid konstitutiv seien:

 

- der politische Wille zu einer systematischen Vernichtung einer stigmatisierten Bevölkerungsgruppe

 

- eine geplante und organisierte Ausrottung

 

- Vergleichbarkeit mit anderen Völkermorden, auch in Zahlen, z.B. Kambodscha.

 

War der Armeniergenozid der erste Genozid des XX. Jahrhunderts, so ist der Vendée-Massenmord der erste Genozid der Neuzeit.

 

Der Abgeordnete Souchet betonte, daß dieses Gesetz nicht der Spaltung der Republik diene, sondern der Versöhnung Frankreichs mit sich selber. Dazu brauche es weniger die Penalisierung des Genozids, sondern ein offizielles Anerkenntnis derjenigen, die sich in die historische Kontinuität zur französischen Revolution sehen.

 

Der Spiegel schrieb über den Massenmord in der Vendée:

»Dabei ist die Vendee gar keine der alten französischen Provinzen wie die Bretagne oder die Provence, sondern ein von der Revolution geschaffenes kleines Kunst-Departement, das erst durch den Aufstand von 1793 eigene Identität gewann: Mit Teilen dreier angrenzender Departements des Anjou und des Poitou geriet es zum Kriegsgebiet der "Vendee militaire" - und zu einem positiv wie negativ besetzten Begriff. ... Der Aufstand bricht Anfang 1793 los, als die Jakobiner in Paris Ludwig XVI. guillotinieren, katholische Priester verfolgen und die Aushebung von 300 000 Rekruten für ihre Eroberungskriege beschließen. Die Vendeer kämpfen mithin, um nicht kämpfen zu müssen - die erste Massen-Kriegsdienstverweigerung der neueren Geschichte.

 

Von ihren adeligen Anführern ausgebildet - meist Offizieren der ehemaligen königlichen Armee -, erobern die Aufständischen die Städte Cholet, Saumur und Angers, ermorden oder verjagen die Blauen, fällen die heidnisch-revolutionären "Freiheitsbäume", richten auf einem Gebiet von rund 100 mal 150 Kilometern eine eigene Verwaltung ein. Sie scheitern erst bei dem Versuch, auch das große Nantes nahe der Loire-Mündung einzunehmen.

 

Der Konvent wirft 100 000 Mann erprobte Linientruppen von der Ostgrenze in den Westen. Bei Cholet geschlagen, setzen rund 80 000 Vendeer über die Loire und ziehen nordwärts quer durch die Bretagne bis vor den normannischen Hafen Granville, in der Hoffnung, dort Hilfe durch die Briten zu finden. Doch sie können Granville nicht nehmen, müssen wieder zurück - das ist, im Dezember 1793, das Ende des organisierten Widerstands.

 

Nun kommt der Genozid über die Vendee. Der in Panik geratene, tief beleidigte Nationalkonvent in Paris, dem "unerklärlich" ist, daß ein ganzer Landstrich den Genuß der Früchte der Freiheit verweigert, schreit nach Rache. Am 6. Februar 1794 beschließt er formell "die vollständige Zerstörung der Vendee und die Ausrottung seiner Bevölkerung", Frauen und Kinder der "Verbrecher" ausdrücklich einbegriffen.

 

Monatelang ziehen zwölf "colonnes infernales" (Höllenkolonnen) kreuz und quer durch das Land, zerstören Dorf für Dorf, brennen Felder und Wälder ab, erschießen, erstechen, ertränken oder erwürgen die Einwohner, sofern sie nicht geflüchtet sind - für die Vendee-Historiker "lauter Oradours".

 

...

 

In ihrem Blutrausch geben sich die Pariser Radikalen mit der bekannten Strategie der verbrannten Erde nicht zufrieden. Sie erwägen vielmehr, Gewässer und Alkoholvorräte in der Vendee mit Arsen zu vergiften und sogar Gas einzusetzen. Sie veranlassen auch die entsprechenden Gas-Experimente mit Schafen, leider kommen die beauftragten Wissenschaftler mit der Technik nicht klar.

 

Wenn aber die Vendee nicht physisch zu vernichten war, dann wenigstens moralisch. Offiziell wird beschlossen, das Departement Vendee, den Hort dessen, was nur eine Verschwörung der Finsternis sein konnte, umzubenennen in "Venge" - zu deutsch: Gerächt. Dem Genozid sollte der "Memorizid" folgen.« (19/1993)

 

 

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