Civitas Institut

Nordrhein-westfälische Rheinlandpfälzer oder: kurze Feststellungen über Identität PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 19. Mai 2012 um 06:40 Uhr

Der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Kurt Beck (SPD) sagte sinngemäß auf dem Rheinland-Pfalz-Tag 2012 in Ingelheim, „die Menschen“ im Land würden sich immer mehr als „Rheinland-Pfälzer“ fühlen, das sei auch ein Vorbild für die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen im Partnerland Ruanda.

Das Land Rheinland-Pfalz wurde nach dem verlorenen Krieg von der französischen Besatzungsmacht zusammengeschneidert, ähnlich wie Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg von den jeweils zuständigen Besatzungsmächten, die sich die Hoheit über das besiegte Deutschland gesichert hatten.

Wenn sich daraus in wenigen Jahrzehnten besondere, neue Identitäten ergeben hätten, so wäre das ausgesprochen erstaunlich. Zunächst einmal sind alle diese Bundesländer Konstrukte, sie sind künstlich, und das zeigt sich auch in der Namenswahl. Nordrhein? Wo liegt Nordrhein, und wer wohnt dort? Nordrheiner? Haben die Westfalen die Rheinländer verdrängt und sich den Nordrhein dazugewonnen?

Rheinland? Gehört also Köln nicht mehr zum Rheinland, sondern zum westfälischen Nordrhein?

Im Ernst: schon die französische Revolution zerschlug schon 1789 die gewachsenen Provinzen und setzte Verwaltungseinheiten, Départements, an deren Stelle. Départemensgrenzen wurden willkürlich gezogen und durch- bzw. zerschnitten die Grenzen der historischen, lebendigen Provinzen.

Das war beileibe keine reine Verwaltungsmaßnahme. Ziel war es, gegebene, gewachsene Identitäten, Gemeinschaften zu schwächen und auf Dauer abzuschaffen. Nicht der Bretone, der Burgunder, der Auvergnate zählte, sondern der „citoyen“, der „Bürger“ war das neue Identifikationsmuster und wurde infolgedessen auch die neue Anrede in revolutionären Zeiten.

Nicht der Pfälzer, nicht der Rheinländer, nicht der Westfale zählt, sondern der „Rheinland-Pfälzer“, der „Nordrhein-Westfale“, den die eine oder andere Politikerin in Wahlkampfzeiten denn auch hin und wieder im Herzen trägt.

Und auf Dauer zählen auch die beiden Kunstprodukte nicht – sie könnten nämlich, wenn auch nur sehr eingeschränkt, tatsächlich unerwünschte Identifikationsmuster bieten. Deshalb tauchen jetzt auf allen Ebenen „die Menschen“ auf: die Menschen in NRW, RP, in Ober-Kleinhintersheim, und die Menschen in Ruanda, die, wenn sie auf ihre jeweilige Identität verzichten würden, ganz nach dem Vorbild ihrer Mitmenschen in Rheinland-Pfalz leben könnten.

In diesem letzten Teil der Aussage des Ministerpräsidenten Beck (SPD) zeigt sich die ganze, jegliche Realität gekonnt ignorierende Gleichmacherei sozialistischer Vorstellungen. Wirkliche, identitätsgegebene und gewachsene Unterschiede existieren in diesen Vorstellungen nicht; da laut Marx einzig und allein das Sein das Denken bestimmt, muss man „nur“ das Sein verändern, um ein anderes Denken zu erzwingen. Das gilt also zumindest seit der französischen Revolution, und es wird bruchlos fortgesetzt, bis in unsere Zeit hinein, in der es bekanntlich rechtsextrem ist, sich als Deutscher zu fühlen und diese Identität auch noch ganz in Ordnung zu finden.

Und doch: so ganz gelingen will es der Revolution nicht, die Natur des Menschen zu ändern. Noch immer gibt es Katholiken, noch immer gibt es den Vendéen, den Westfalen, den Hessen, den Morvandiau. Von seinen Ländern bzw. Départements lässt er sich verwalten – aber sonst? Der Verfasser dieser Zeilen bekennt sich zu seiner in Jahrzehnten gewordenen Identität als überzeugter und begeisterter Wahl-Rheinländer; mit „NR“W hat er nur ganz wenig am Hut.

JV

 

Zeitschrift

Newsletter

Aktuell online

Wir haben 58 Gäste online

Termine


Aktuell stehen keine Termine an.

PayPal-Spende

Jedes Engagement, jede Aktion hat auch eine finanzielle Seite, die unsere Einsatzmöglichkeiten begrenzt. Um uns zu helfen, unsere Ausstrahlung zu vergrößern oder unseren Einsatz zu vervielfältigen benötigen wir Ihre finanzielle Unterstützung.
Herzlichen Dank für Ihre Spenden!