Civitas Institut

Bonaparte, Achtundsechzig, die Aktivisten und die Zwerge PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 17. August 2012 um 18:40 Uhr

Als die 68er sich anschickten, die Macht zu übernehmen, war ihnen klar, dass sie mindestens zweigleisig fahren mussten. Linke sind zwar prinzipiell geschichtsfeindlich, lernten aber aus der Geschichte, und somit war klar: beide Gleise dieser Zweigleisigkeit bedingen sich gegenseitig. Es geht zum einen um die Herrschaft über die Sprache, und es geht zum anderen um die Herrschaft über die Institutionen.

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Herrschaft über die Sprache: in der sogenannt französischen Revolution von 1789 wurde die Herrschaft der linksextremen Jakobiner nicht nur durch die Guillotine gefestigt – eher geriet sie dadurch so sehr in ein so entlarvendes Licht, dass das Ausmaß des Terrors und seiner Opfer bis heute in den Geschichtsbüchern eine vernachlässigte Rolle spielt. Niemand ist wirklich gerne Anhänger eines Systems, das mit Fug und Recht mörderisch genannt werden kann. Bis heute werden auch die Verbrechen Lenins und Stalins, ihre millionenfachen Morde, mit ausgesprochener Diskretion behandelt.

Seit dieser sogenannt französischen Revolution gehen von oben verordnete Sprachregelungen in die Politik ein. Damals war z.B. ein Patriot nicht der, welcher sich zu König, Kirche, Vaterland bekannte, sondern derjenige, welcher Umsturz, Revolution und Kriege gegen das eigene Volk und die Nachbarvölker unterstützte. Wer das nicht tat, wer gar den Aufstand gegen den Terror wagte, riskierte nicht nur sein Leben: er verlor es. Die wiederholten Kriege der Pariser Revolutionäre gegen die katholische und dem König treue Vendée werden heute völlig zu recht als Völkermorde bezeichnet.

Die offiziellen Sprachregelungen wurden dem Volk in einer Art Vorläufer der heutigen Nachrichtensendungen beigebracht. Statt zur Messe traf sich die Bevölkerung am Sonntagmorgen zur Verlesung amtlicher Texte und Nachrichten in den entweihten Kirchen. Das stundenlange Vorlesen langweiliger Texte führte unweigerlich zur Ermüdung der Zuhörer, die dann mit Schlägen geweckt wurden – falls sich überhaupt jemand fand, der des Lesens ausreichend kundig war, um als „Nachrichtensprecher“ auftreten zu können. Das hat sich in unserer Zeit denn doch geändert. Die Nachrichten sind kurz und knapp genug, die Nachrichtensprecher lesen relativ unfallfrei, wenn auch meist ohne Verständnis dessen, was sie da lesen. Und die ständige Wiederholung sichert, dass aliquid semper haeret, dass irgend etwas schon hängenbleibt. Der Erfolg gibt Recht:

Wenn früher Diebesgut verkauft bzw. gekauft wurde, so nannte man das Hehlerei, und es war ein Straftatbestand. In den auch moralisch revolutionären Zeiten der Industrialisierung gab es Banden, welche die großen Städte durchzogen, in Bürgerhäuser einbrachen, das Diebesgut dann bei Hehlern wie dem aus Dickens' „Oliver Twist“ bekannten Fagin verkauften (wie gut, dass wir Heutigen in Ruhe und Sicherheit die Früchte unserer Arbeit genießen können).

Heute ist der Verkauf und Erwerb von Diebesgut, wenn es durch die richtigen Organe geschieht, keinesfalls Hehlerei, sondern Datenankauf bzw. Ankauf von Steuer-CDs, wenn es sich um, eben, Daten handelt. Hätte der alte Fagin das gewusst, er hätte sein Geschäft nur „Warenankauf“ nennen müssen, und alles wäre gesellschaftlich viel akzeptabler gewesen. Schon deshalb, weil in beiden Fällen, damals und heute, doch Reiche zur Umverteilung bewegt werden bzw. wurden, und wer weiß schon so genau, wie die zu ihrem Geld gekommen sind.

Ernsthaft. Wenn die Entnahme von lebenden Organen aus lebenden, lediglich für tot erklärten Körpern, die daraufhin sterben (nun ja: sterben müssen wir ja alle mal, irgendwann), wenn diese Entnahme dann mit dem positiv belegten, als edel empfundenen Wort „Spende“ verbunden wird, dann ist die Marschrichtung klar.

Vertragsfreiheit bedeutet in unserem bisherigen Rechtssystem, dass ich einen Vertrag (z.B. einen Mietvertrag) mit jemandem schließen kann oder es ganz einfach lassen kann, wenn ich es nicht will. Dieses rechtsstaatliche, einen wichtigen Teil unserer Freiheit garantierende Recht fällt heute im Falle, dass ich keinen Vertrag mit irgendwem auch immer schließen will, unter den allgegenwärtigen Begriff der Diskriminierung.

Sprachregelungen. Jahrzehntelang haben die meisten von uns überhaupt nichts Böses dabei gedacht, den Namen „Tschechei“ zu benutzen. Trotz mancher historischer Entsetzlichkeit war den meisten von uns das Gros der heute lebenden Tschechen ausgesprochen sympathisch. Irgendwer kam dann auf die Idee, dass die Endung dieses Wortes diskriminierend sei, und schwupps – hatten wir Tschechien.

Es könnten jetzt massenweise weitere Beispiele aus junger und jüngster Zeit angeführt werden. Es würde uns nicht weiterführen. Es sollte jedoch unbedingt noch die gar nicht unterschwellige Vermischung von Nachricht und Kommentar erwähnt werden, die in unseren heutigen Nachrichtensendungen ganz offen immer mehr Platz greift.

Da begeben sich drei „junge Damen“, deren Typ uns ebenfalls aus den Zeiten der sogenannt französischen Revolution unangenehm bekannt ist (damals waren sie aber noch keine jungen Damen, sondern Marktweiber, was zu jenen Zeiten noch keine Diskriminierung, sondern eine Tatsachenfeststellung war), in eine Kirche in Rußland. Nicht etwa, um zu beten, sondern um in ausgesprochen dämlicher Weise auf sich aufmerksam zu machen. Offiziell wird das Ganze in unseren Nachrichten als Protest gegen den undemokratischen Präsidenten Putin deklariert. (Wir empfehlen an dieser Stelle, die wörtliche Übersetzung des "Gebets" z.B. auf kath.net nachzulesen; uns widert es so sehr an, daß wir es hier nicht einstellen wollen. Gleiches gilt für ein Video auf russia today, in dem barbusig "protestierende" Feministinnen ein Kreuz schänden).

Der Zusammenhang will uns nicht unbedingt in den Kopf. Würde ich gegen, sagen wir mal – nur als Beispiel! - , gegen unsere Bundeskanzlerin und Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen Union, Frau Dr. Angela Merkel (CDU), protestieren wollen, würde mir nicht unbedingt ein Auftritt in einem, sagen wir, Priorat der Piusbruderschaft einfallen. Es geht hier nicht um Putin und nicht um Demokratie. Es geht um ganz primitiven Haß auf Gott und Seine Kirche.

Sei dem wie es sei, die damaligen Marktweiber, heute „jungen Musikerinnen“ mit dem entsprechen dämlichen Gruppen-Namen haben ihr tagelanges Echo in der freiheitlich-demokratischen Presse. Der geneigte Tagesschau-Informierte weiß nun um so sicherer, wie diktatorisch Rußland regiert wird. Dass es zunächst einmal eine lästerliche und auch in der BRD strafbare Unverschämtheit ist, in dieser Weise in einem Gotteshaus aufzutreten, wird dem Best-Informierten in der ersten Reihe gar nicht bewusst. Schließlich ist das ja nur eine Kirche. Keine Moschee. Und die Marktweiber haben sich doch schon entschuldigt – typischer Fall von Verbotsirrtum: sie wussten nicht, dass man das nicht tut.

Und was den Protest gegen Diktatoren angeht: es soll in Deutschland unter vielen anderen Funktionsträgern auch Ministerpräsidenten geben, die ihre Verehrung für das mörderische kommunistische Pol-Pot-System nie (öffentlich) bedauert haben. Was ihrer Karriere nicht nur nicht hinderlich war. Aber – so etwas können wir uns nun wirklich überhaupt nicht vorstellen.

Womit wir bei den Aktivisten wären, als letztem Punkt unseres Ausfluges in die Welt der Umwertung durch Begriffe. In den offiziellen Berichten (außer beim Sport, der dient da als Ventil zum Druckablassen) taucht Deutschland als Wort und Begriff nicht auf. Wie in den Zeiten des real existierenden Sozialismus, wie in jenem besseren Deutschland ist die Rede von der Republik, von „bundesweit“, von „republikweit“. Wer darauf achtet, entdeckt immer mehr von alledem, was außer dem grünen Rechtsabbiegerpfeil nicht schlecht war und nun munter übernommen wird. Die Polikliniken entstehen neu, wenn auch unter neuem Namen. Das Schulsystem wird nach dem ehemaligen Vorbild umgebaut (auch wenn die Erfolglosigkeit sozialistischer Bildungspolitik in wissenschaftlich sauberen Erhebungen immer wieder nachgewiesen wird). Und Geschichtsunterricht ist, wie man hört, das Stiefkind der neuen Schulen (warum wundert uns das nicht?) und besteht anscheinend vor allem aus Auslassungen und Lücken. Wie man hört, vor allem in Nordrhein-Westfalen, das schon länger als jenes ehemalige bessere Deutschland sozialistisch regiert wird.

Der Aktivist ist heute genauso positiv gesehen wie während jener 40 Jahren, von denen Margot H., letztlich auf Kuba, immer noch träumt. Er ist bei Greenpeace aktiv, als Antifa zertrümmert er nicht etwa nur Innenstädte in Deutschland, sondern zeigt auch Flagge gegen rechts. Das tut er auch, indem er das Recht anderer notfalls auch mit Gewalt beschneidet, ihrer Meinung öffentlich Ausdruck zu geben. Das ist dann „Zivilcourage“, und er weiß sich der Unterstützung durch schon etwas sehr angealterte, bärtige hohe Apparatschicks christlicher Parteien sicher.

Und Bonaparte? Nun: der zum Revolutionskaiser aufgestiegene korsische Kleinadelige (der primitiv-sozialistischer Gedanken völlig unverdächtig war), ernannte jede Menge durchaus verdienter Leute zu Adeligen. Er schuf glänzende Titel und Ehren, so unter anderem die Ehrenlegion, und so belohnte er nicht nur völlig zu recht verdienstvolle Mitbürger, sondern verschaffte ihnen (und sich) ein Ansehen, das bis heute nachhallt.

Das haben die Sozialisten und Kommunisten unserer Zeit sehr schnell aus der Geschichte gelernt, wir kennen eine Menge verdienter Lehrer, verdienter Traktoristen, Melker und Helden der Arbeit – nicht zu vergessen: der Hennecke-Aktivist (wer ihn nicht kennt: intensives googeln lohnt besonders. So ist er, der Sozialismus!).

Und so kommen wir nun zu einer Zusammenfassung. Erstens: offizielle Nachrichten haben immer noch einen ganz enormen Glaubwürdigkeitsbonus, und das trotz allem bis heute. ARD, ZDF, Bild und Spiegel wird immer noch recht bedingungslos geglaubt. Das ist ein Mysterium, das sich uns nicht erklärt, ein Rest Obrigkeitshörigkeit, auf dessen Tastatur ganz geschickt gespielt wird. Hier scheint sich Remedur anzukündigen: das Internet, nach den Regeln kritischen Denkens genutzt, sprengt jedes Meinungs- und Propagandamonopol.

Und zweitens: jene Heerscharen von „Wissenschaftlern“, die irgendein Bonaparte (der heute auf unpassenden kaiserlichen Glanz verzichtet und seinen Stolz darein setzt, für „einen von uns“ gehalten zu werden) die also irgendein heutiger Bonaparte per Urkunde zu ebensolchen gemacht hat, bevölkern mit Titeln und Pfründen die Meinungsproduktionen ebenso wie jene nur scheinbar harmlosen Spielfilm- und Krimiautoren, die jede, aber auch jede gesellschaftliche und moralische Fehlentwicklung zum normalen Alltag erklären und ihre „Helden“ darin spielen lassen.

Bonaparte und die Aktivisten. Wir wollen uns nicht täuschen: scheinbar haben jene, die vor nunmehr reichlich 44 Jahren ihren Marsch angetreten haben, alles fest in der Hand, und mit ihnen jene, die von ihnen profitieren. Trotzdem bleibt gültig, was diese Leute von uns gelernt (sie waren großenteils hervorragend ausgebildet) und für ihre Zwecke missbraucht haben: kritisch, im Sinne von unterscheidend denken. Urteile auf Grund exakter und sauberer Arbeit fällen: Gegen Fakten gelten keine Argumente! Mit Fakten und Sachkenntnis überzeugen, auch wenn die Erfolge anfänglich spärlich sind. Sich immer wieder neu informieren, auch und vor allem über die (Sozial-) Lehre der Kirche, aber auch über alle jene scheinbar so gesicherten und durch die sogenannten Massenmedien transportierten Klischees und Vorurteile. Solide Kenntnisse der Geschichte sind unerlässlich, um Zusammenhänge erkennen, beurteilen und weitergeben zu können.

Ja: wir sind Zwerge. Aber auf den Schultern von Riesen können selbst Zwerge sehr, sehr weit sehen.

JV

 

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