Civitas Institut

Breites Bündnis: neuer Aufbruch beim Lernen! PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 24. August 2012 um 11:33 Uhr

Immer, wenn das Wort „Aufbruch“ fällt, geht eine tiefrote Warnlampe an. Und immer, wenn von einem „breiten Bündnis“ die Rede ist, fängt diese tiefrote Warnlampe an, heftig zu blinken. Dieses heftige Blinken wird hektisch, wenn beides („Aufbruch“ und „breites Bündnis“) im Verein mit „Schulpolitik“ auftaucht – so auch bei einer weithin unbeachteten Meldung der dpa vom gestrigen Tage, die folgendermaßen beginnt: „Ein breites Bündnis aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kirchen, Gewerkschaften, Kultur und Schülern macht sich für eine neue Lernkultur an deutschen Schulen stark.

"Unsere Schulen sind im 20. Jahrhundert stehen geblieben, so ist die Zukunft unseres Landes in Gefahr", nennt Neurobiologe Gerald Hüther, ein Vertreter von "Schule im Aufbruch", die Motive für den Zusammenschluss. Kernanliegen der Initiative ist, dass die Schulen Kinder für das Lernen begeistern, anstatt durch Zensuren und Autorität Druck erzeugen.“

Der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther (61) hält völlig zu recht Begeisterung für eine enorme Motivation. Jeder von uns, der einmal eine Schule von innen gesehen hat, weiß sicherlich immer noch die Namen von Lehrern zu nennen, die ihn begeistert haben, die ihren Stoff so darbieten konnten, dass er lange über die Schulzeit hinaus präsent und prägend blieb. Hüther ist hier zuzustimmen: auch im Erwachsenenalter ist Begeisterung immer noch eine starke Triebfeder.

Leider bleibt Hüther nicht bei dieser zustimmungsfähigen Aussage. Das ist zu bedauern, denn die von ihm und anderen daraus gefolgerten Thesen sind reine Ideologie und wissenschaftlich nicht haltbar.

Zitiert werden die „neurowissenschaftlichen Erkenntnisse Hüthers, nach denen in jedem Kind ein riesiges Potenzial schlummert, das entfaltet werden muss. "Jedes Kind ist hochbegabt und muss entsprechend gefördert werden," so Hüther. Das Wichtigste sei dabei, dass die Kinder motiviert seien zu lernen, denn nur bei der Aktivierung der emotionalen Zentren im Gehirn werde Wissen behalten.“

Die unbeweisbare, weil falsche These vom Menschen, der gewissermaßen als unbeschriebenes Blatt auf die Welt komme und dann durch die Gesellschaft ge- bzw. verformt werde, ist allen Sozialisten von Rousseau bis von der Leyen fest ins Gehirn gedübelt. Das sozialistische Bild vom Menschen lässt keine (bereichernde!!) Ungleichheit zu, also ist jeder potentiell hochbegabt und muss entsprechend gefördert werden: daher die Vorstellung, in Gesamtschulen jeglicher Variation sei der Lernprozeß eines jeden Schülers individuell steuerbar und der Lernerfolg vorprogrammiert.

Von der wissenschaftlich nachgewiesenen Tatsache, dass sozialistische Schulmodelle wie die Gesamtschulen trotz ungeheurer Geldmittel, trotz optimaler Ausstattung (da ist den Ideologen nichts zu teuer) nicht einen Bruchteil dessen zu leisten vermögen, was das gegliederte Schulsystem alltäglich und unter wesentlich ärmlicheren Gegebenheiten leistet – von dieser Tatsache nimmt der gemeine Ideologe keinerlei Notiz.

Im Gegenteil. Es ist wie bei den Verfechtern des 2. vatikanischen Konzils (bzw. seines ominösen „Geistes“): je offenbarer das Scheitern ist, desto mehr werden in immer neuen Aufbrüchen weitere, größere Anstrengungen wortreich eingefordert, Anstrengungen, die notwendigerweise genauso abgebucht werden müssen wie alle Aufbrüche und Anstrengungen vor ihnen – schade um die verschleuderte Energie so vieler gutwillig Gläubiger.

Für das Scheitern müssen Gründe gefunden werden, da ja die Sache als solche unter keinen Umständen falsch sein kann. Bei den Gläubigen des Konzilsgeistes heißt es, dieser sei eben nicht genügend durchgesetzt worden. Und mit der gleichen erstaunlichen Logik heißt es bei Sozialisten wie Hüther, es werde immer noch „durch Zensuren und Autorität Druck“ erzeugt (nebenher gefragt: in welcher Schul-Wirklichkeit lebt Hüther? in der heute gegebenen?) oder, anders ausgedrückt: die völlige Freiheit bei der selbstbestimmten Entfaltung der Persönlichkeit sei eben noch immer nicht genügend gegeben.

Wie diese Freiheit nun aussehen mag? Auch darauf haben die sozialistischen Ideologen eine Antwort: „offene Schulkonzepte mit Jahrgangsmischung. Jedes Kind solle individuell wählen können, was es lernen wolle, und das eigene Lerntempo bestimmen. Man könne Kinder nicht in das Raster des Lehrplans pressen, da jedes Kind unterschiedlich denke und lerne. Außerdem seien die Schüler durch diese Selbstverantwortung beim Lernen deutlich motivierter, als wenn das zu erlernende Wissen von außen vorgeschrieben sei.“

Es fällt schwer, sich nach solchen Aussagen zwischen a) Zorn über so viel Missachtung pubertierender Jugendlicher und b) Staunen über so viel neurobiologische Unkenntnis der Menschennatur überhaupt zu entscheiden. Das hätte man sich doch gewünscht, damals: „individuell wählen können“! Hätte ich Mathematik gewählt? Physik? Chemie? Irgend etwas sonst? In jenen schweren Jahren der Pubertät, in denen sich nach den Erkenntnissen der Hirnforschung das Gehirn des Heranwachsenden vollkommen neu strukturiert, gänzlich neu umbaut, ist man da wirklich fähig und in der Lage, sich selbst, sein Leben, seine Zukunft rational einzuschätzen und verantwortliche Entscheidungen zu fällen, was man denn lernen will und was nicht?

Es ist nun einmal so eingerichtet, dass man ausgerechnet in jenen Lebensjahren, in denen das Lernen, das Einprägen am leichtesten fällt, zu eben diesem gezwungen werden muss. Dass Hans niemals mehr lernt, was Hänschen nicht gelernt hat: das wussten die Altvorderen, und sie schufen ein Schulsystem, das niemandem so recht die Freiheit ließ – aber: alle so förderte, daß es jedem das Seine zukommen ließ! Und dieses deutsche, dieses einzigartige Schulsystem führte zu einer Bildungsexplosion, die erst durch die zunehmende Einrichtung von sozialistischen Gesamtschulen zusammenbrach.

Kein Kind wird / wurde dadurch „in ein Raster“ gepresst. Das Wiederholen einer Klasse war / ist eine riesige Chance, für die auch der Autor dieser Zeilen seinen damaligen Lehrern heute ebenso dankbar ist, wie er sie damals nicht verstanden hat.

Uns will es recht erstaunlich erscheinen, dass ein ausgewiesener Neurobiologe wir Gerald Hüther so offensichtlich ohne jegliche Erfahrung in der Entwicklungspsychologie geblieben sein soll. Es ist doch eine durch die Erfahrung erwiesene Tatsache, dass etwa im Alter von 12 – 13 Jahren (7. Klasse) der große körperliche Umbau stattfindet, dass dem Jugendlichen von etwa 13 – 14 Jahren (8. Klasse) alles, aber auch alles „peinlich“ ist, dass der große Umbau des Gehirns in den folgenden Jahren zur für Eltern wie Kinder wie Lehrer krisenschweren Zeit der Pubertät führt und dass erst danach, von einer Persönlichkeit am frühesten Beginn der Reife, verantwortliche Entscheidungen gefällt werden können. Was tut man Heranwachsenden an, wenn man sie gerade in dieser Phase praktisch allein lässt, in einer Phase, in der sie mehr als je vorher und nachher Rat und Hilfe brauchen, auch wenn sie das gar nicht wissen (können)!!

Das sozialistische System beginnt mit der folgenschweren, weil viel zu frühen Trennung von der so dringend benötigten Mutter. Es setzt sich fort, indem es das emotional vereinsamte (Klein-)Kind dann in der pubertären Selbstfindungsphase wiederum allein lässt und hemmungslos überfordert. Und es endet noch lange nicht damit, dass der heutige, der sozialistische Staat ein bevormundender Staat ist – was nur logisch ist, hat er den ihm ausgelieferten Menschen doch keinerlei Chance gelassen, behütet aufzuwachsen und zu einem verantwortlichen Menschen erzogen, eben: erzogen zu werden.

Auch zur Freiheit muss eben mühsam erzogen werden, und zwar dann, wenn es entwicklungspsychologisch an der Zeit ist, erzogen zu werden. Nicht lebenslang bevormundet.

Nein. Lernen ist kein Kindergeburtstag, es macht nicht immer „Spaß“, kann aber sehr viel Freude bringen. Dem Pubertierenden, dessen Denken einzig um ihn selbst und um das kreist, was ihn in dieser Phase wirklich interessiert (was sicherlich keine Lateinvokabeln und keine Gesetze der Thermodynamik sind), diesem Pubertierenden muss auch mit Lenkung und Druck auf seinen Weg geholfen werden. Alle Experimente, die ohne diese Lenkung auskommen wollen, scheitern. Das ist nachweislich so: auch die von Hüthers breitem Bündnis angeführten Schulen sind Orchideenschulen; die an sie verliehenen Preise und Auszeichnungen müssten hinsichtlich ihrer ideologischen Hintergründe geprüft werden, was hier nicht geleistet werden kann.

Wie weit der Irrglaube ideologischer Sozialisten / Kommunisten (beim „breiten Bündnis“ sind selbstverständlich auch die linksextremistischen Grünen mit dabei) auf dem Gebiet der Erziehung bereits etabliert ist, zeigt der Schlusssatz der von uns angeführten Meldung. Er lautet: „Hüther, Breidenbach (ein Rechtswissenschaftler, JV) und die Direktorin der Berliner Schule (i.e.: Evangelische Schule Berlin Zentrum, JV), Margret Rasfeld, gehörten zu dem sechsköpfigen Expertenteam beim Zukunftsdialog "Wie wollen wir künftig lernen?" von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).“

Na dann.

JV

 

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