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Fernsehen macht dumm PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 03. Juli 2008 um 10:28 Uhr
fernsehkinder.jpegDies ist mittlerweile nicht nur die Überzeugung „unbelehrbarer Kulturkonservativer“. Auch das Boulevard-Journal Der Spiegel hat das Thema entdeckt. Er veröffentlichte in seiner Online-Ausgabe vom 1. Juli einen Beitrag des französischen Philosophen Bernard Stiegler, der das Fernsehen als „globales psychotechnologisches Mittel“ bezeichnet, hinter dem eindeutige ökonomische Interessen und schwere seelische Folgen für den Menschen stehen. . Der Flimmerkasten sei ein globales Phänomen, das alle Kontinente und Zivilisationen beeinträchtige und alle Generationen und soziale Schichten umfange.

Als Beispiel wird der Medienkonsum in den USA angeführt. Dort sehen 40% der Säuglinge ab einem Alter von drei Monaten regelmäßig fern, DVDs oder Videoaufzeichnungen. Im Alter von zwei Jahren sind es 90%. In einigen europäischen Ländern haben zwei Drittel der Kinder bis drei Jahren einen Fernseher in ihrem Zimmer. Die Zahl sei in sozial benachteiligten Familien noch höher.

Stiegler warnt eindringlich. Fernsehen verursacht während der psychischen Entwicklung des Kindes Aufmerksamkeitsstörungen und Lernprobleme.

Ähnliche Warnungen wurden in Deutschland bisher vom Ulmer Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer (Buch „Vorsicht Bildschirm)und des Kriminologen Christian Pfeiffer ausgesprochen.

Mittlerweile warnt auch die französische Familienkasse (!), daß ein Jugendlicher, „der täglich mehr als drei Stunden fernsieht, im Verhältnis zu denen, die täglich weniger als eine Stunde fernsehen, seine Chancen halbiert, eine höhere Schulbildung zu absolvieren“.

Stiegler wird sehr deutlich: „Die vorzeitige Aufmerksamkeitsgewinnung durch industrielle Technologien ist eine Hauptursache der Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADS), ein juveniles Krankheitsbild, das ... zu einer wahren Plage geworden ist. Das kindliche Gehirn konfiguriert sich im Verlauf einer Synaptogenese, während der es für seine Umwelt außerordentlich empfänglich ist. Wird es dabei einer ständigen Berieselung mit medialen Bildern und Tönen ausgesetzt, führt dies zu einer irreversiblen ‚Verschaltung' des jugendlichen Nervensystems.“ Aufnehmende Fähigkeiten, zu dem die Kulturtechnik Lesen gehört, würden, verkümmern.

Hinter dem immer größeren Fernsehkonsum sieht Ziegler „ökonomische Interessen“. Hier würden Konsumgruppen konditioniert, nicht nur die Kinder, sondern auch Eltern: Durch spezielle Sender „infantilisierte“ Erwachsene. Tele-Marketing führe zur Zerstörung von Erziehung. Das Fernsehen sei die Ursache für die „zeitgenössische Vorherrschaft der Gleichgültigkeit“ und der fehlenden Sorge im pädagogischen Tun der Eltern.

Ablenkung und Benebelung führe zu einer De-Formierung der Vernunft, was auch die Verdunstung des Gottglaubens in der jüngeren Generation zur Folge haben dürfte.

Ziegler zeigt auf, daß der Medienkonsum mehr als nur eine „simple psychotechnische Apparatur zur Gewinnung und Entwicklung von Aufmerksamkeit“ ist. Es handele sich um „ein psychotechnologisches Industriesystem, das eine reale industrielle Psychomacht errichtet hat“.

Ziegler, der im französischen Kulturzentrum Centre Pompidou arbeitet, schließt mit einer pessimistischen Einschätzung: „Die Menschheit hat noch nie ein vergleichbares Phänomen der kollektiven, hyperrealistischen und global synchronisierten Halluzination erlebt, welche die industrielle Psychomacht verursacht hat. Eine Psychomacht, die den Individuationsprozess umkehrt und in Wahrheit zu dessen Verlust führt, damit zur Unmündigkeit der Erwachsenen, zur Verantwortungslosigkeit der Konsumtion, zur Preisgabe der Sorge für die jungen Generationen und zur Gleichgültigkeit.“


 

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