Civitas Institut

Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 21. November 2012 um 16:16 Uhr

Auf dem empfehlenswerten Blog „Kreidfeuer“ finden wir als Zitat der Journalistin Birgit Kelle folgende, nur schwer erträgliche Meldung: … Stellen Sie sich vor, Sie sind unruhig, Sie schreien, Sie wollen nicht schlafen. Jemand wickelt Sie fest in eine Decke ein, fixiert Sie zusätzlich mit Tüchern, damit Sie sich nicht mehr bewegen oder gar befreien können. Damit Sie nichts mehr sehen können und keinen Kontakt mehr zur Umwelt aufnehmen können, wird Ihnen auch noch ein Tuch über den Kopf gelegt. Sie liegen dort so lange, bis Sie das Schreien aufgeben, also Ihr Wille gebrochen ist, oder Sie erschöpft einschlafen.

Sollten Sie vor lauter Schreien aus Versehen das Tuch auf Ihrem Kopf einatmen, können Sie sich selbst nicht davon befreien. Vielleicht ersticken Sie dabei. – Nein, das ist keine neue Foltermethode aus Guantanamo, sondern um die Einschlafübung für Kinder bis zwei Jahre im Kindergarten „Spatzennnest“ im thüringischen Altenburg.
Ans Licht gekommen sind die aktuellen Vorfälle durch den Bericht einer Praktikantin in der Einrichtung. Sie hatte das nicht etwa heimlich dokumentiert und an die Staatsanwaltschaft oder die Polizei gemeldet. Nein, sie hat den normalen Tagesablauf in der Krippe fein säuberlich in ihrem Praktikumsbericht beschrieben und mit Fotos dokumentiert. So wie Tausende andere Praktikanten im Land ihre Praktika schriftlich festhalten müssen und dann in der Schule abgeben. Erst dort waren die Lehrer entsetzt, was sie in der Dokumentation vorfanden. Sie benachrichtigten umgehend den Träger der Einrichtung. Jetzt sind die drei beschuldigten „Erzieherinnen“ fristlos entlassen, Staatsanwaltschaft und Ämter informiert, man bemüht sich um Schadensbegrenzung.
Diese Kinder haben geschrien, geweint, jedes Mal. Deswegen hat man es ja getan. Sie sollten sich durch das Fixieren beruhigen. „Sie haben die Kinder beim Schlafen eingewickelt und zugeschnürt, damit sie ruhig bleiben“, sagte die zuständige Fachdienstleiterin des Landkreises Altenburger Land, Marion Fischer, am Freitag. Sie bestätigte auch die Tücher auf den Gesichtern. Das sogenannte „Pucken“, bei dem kleinen Kindern die Arme eng an den Körper gelegt und sie dann in eine Decke eingewickelt werden, sei legitim, erklärte Behördenleiterin Fischer. Das bestätigt übrigens auch der Geschäftsführer des Kindergartenträgers „Volkssolidarität“, Volker Kibisch. Das Pucken sei erlaubt, allerdings müssten die Erzieherinnen in der Nähe bleiben, um die Decken wieder zu lösen, sobald das Kind sich beruhigt habe. …

Im Jahre 1934 erschien die erste Auflage des Buches „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ von Dr. Johanna Haarer. Während der Diktatur des nationalen Sozialismus war das Buch Lehrmittelgrundlage der Reichsmütterschulung, es wurde (nach der Diktatur der nationalen Sozialisten) in entschärfter Form, aber in der Grundtendenz unverändert, noch bis 1996 neu aufgelegt: wahrlich ein Buch mit breiter Wirkungsgeschichte. 1,2 Millionen Exemplare wurden bis 1987 verkauft.

Dr. Johanna Haarer (1900 – 1988) war Lungenfachärztin, hatte keinerlei Ausbildung in irgendeiner Art von Pädiatrie, Pädagogik bzw. (Entwicklungs-)Psychologie und war auch keine Kinderärztin. Ihre Doktorarbeit umfasste 12 Seiten zum Thema "Ein Beitrag zur Ätiologie der Pachymeningitis hämorrhagica interna". Johanna Haarer war fünffache Mutter.

Dass sie, wie so viele andere, auf die Ideologie des nationalen Sozialismus hereinfiel, soll ihr hier nicht zum Vorwurf gemacht werden, das ist kurzfristig auch großen Geistern passiert. Allerdings ist bezeichnend, dass sie, laut Auskunft ihrer jüngsten Tochter, bis zu ihrem Lebensende nicht davon abgewichen ist. Was uns in höchstem Maße erschreckt und erschüttert, ist die Tatsache, dass ihre Erziehungsprinzipien sich ganz offensichtlich bis in unser Jahrhundert, bis in sozialistische Kinderkrippen erhalten haben und dort, wie die obige Meldung zeigt, immer noch angewendet werden. Und das, obgleich ihre eigenen Kinder an der Gefühlskälte der Mutter enorm gelitten haben. Probleme innerhalb der Familie seien mit Gewalt gelöst worden, unter der Gefühlskälte der Mutter hätten die Kinder leiden müssen, erklärte die jüngste Tochter in einem Telefongespräch am 03.11.2000.

Es fällt unglaublich schwer, Zitate aus den Büchern von Johanna Haarer sachlich-nüchtern und ohne emotionale Erschütterung zu lesen, gar: in ihren Konsequenzen zu überdenken. Es gibt in ihrem Buch, in ihren Büchern kaum eine Anleitung zum Umgang mit Kleinst- und Kleinkindern, die nicht in höchstem Maße grausam ist. Wir können es nicht unterlassen, einen Kommentar hinter die wesentlichen Anleitungen zu schreiben, die wir nun zusammenfassen wollen:

  • Man solle, heißt es, Kinder ruhig schreien lassen, das kräftige die Lungen. (Als ob das Kind schreit, weil es ihm so gut geht und es dringend die ertüchtigende Tätigkeit des herzzerreißenden Schreiens üben wolle).

  • Man solle die Kinder auch schreien lassen, damit sie sich daran gewöhnen, ihren Willen nicht sofort erfüllt zu bekommen. Ansonsten ziehe man sich kleine Diktatoren heran. (Als ob diese Kleinen, soeben per Geburt aus einem recht angenehmen Paradies „vertrieben“, einen Willen hätten. Sie haben Bedürfnisse, und die können sehr dringend sein für jemanden, der sie vorher noch nicht einmal kannte und der sein Gefühlsleben noch gar nicht im Griff haben kann).

  • Man solle die Kinder nach der Geburt erst einmal längere Zeit (ein, zwei Tage) nicht stillen, später dann nur zu festgelegten Zeiten – alle vier Stunden –, damit sie sich rechtzeitig an festgelegte Mahlzeiten gewöhnen. (Als ob im Säuglingsalter bereits solche Lernschritte möglich wären! Das Kind, bisher seiner Bedürfnisse nicht einmal bewusst, wird nichts anderes erleben als einen ungeheuren Mangel nicht nur an Nahrung, sondern auch und vor allem Mangel an Liebe, Zuwendung, Wärme, Nähe).

  • Man solle die Säuglinge im ruhigsten Raum der Wohnung abstellen und einzig zum Stillen aus diesem Raum holen. Haarer: Das Kind wird gefüttert, gebadet und trockengelegt, im übrigen aber vollkommen in Ruhe gelassen. (Bei Erwachsenen würde man in diesem Falle von Isolationsfolter sprechen. Zu recht. Bis zur Geburt war das Kind von höchst vertrauten Geräuschen ständig umgeben und mit dem Leben der Mutter engstens verbunden. Es ist leicht, sich vorzustellen, was es durch eine so große Isolation, deren kurze und recht herzlose Unterbrechung und die dann wieder erfolgende Isolation empfindet).

  • Wer liest, wie in der „Reinlichkeitserziehung“ laut Haarer Kinder im Alter von weniger als einem Jahr (!!) zur Kontrolle von Schließmuskeln erzogen werden sollten, die sie naturgegeben erst nach dem Laufenlernen langsam zu kontrollieren lernen können (das hängt mit den erst dann durch die Beinbewegung ausgebildeten sog. „Pyramidenbahnen“ im Rückenmark zusammen), der kann sich ein Bild von den Zwängen machen, die so auf wehrlose Kinder ausgeübt wurden. Und wer dann an die Spätfolgen solcher „Erziehung“ denkt...

Haarer: Eine deutsche Mutter kennt keinen  Fehler außer dem einen, ihre Kinder zu verzärteln.

Wir überlassen es den Fachleuten, den Psychologen, an dieser Stelle von Dressur und Neurotisierung zu sprechen. Uns scheint es ganz eindeutig, dass eine solche Konditionierung bindungsunfähige, emotionsarme bis emotionslose, rein egozentrische Erwachsene hervorbringen muss.

Haarers Bücher wurden nach der Diktatur des nationalen Sozialismus in der sozialistischen SBZ, später DDR auf die Liste der „auszusondernden Bücher“ gesetzt. Das war aber nur der Tatsache zu verdanken, dass Haarer in eben diesen Büchern die Erziehungsprinzipien des nationalen Sozialismus verkündete, wie sie dessen Führer auch in „Mein Kampf“ verkündet haben soll (wir haben das nicht gelesen). Und weil sie auch Anleitungen schrieb, wie dieser Führer auch schon kleinsten Kindern nahezubringen sei. Es war dieses eben der falsche Führer; inzwischen setzte man dort auf andere dieser Machart.

Der Mensch ohne Bindung an Kirche, Volk, Heimat, Familie, Partner, Kinder. Der Mensch ohne echte und tiefe Emotionen. Der Mensch, dessen einziges Glücksgefühl die (gewährte!) Befriedigung seiner Bedürfnisse ist. Der Mensch, der deshalb durch denjenigen manipulierbar ist, der sich ihn abhängig macht.

Wer es schafft, diesen bindungslosen Menschen an sich zu binden, der hat ihn in der Hand. Wer es schafft, die echten und tiefen Emotionen zu unterdrücken und durch oberflächliche, falsche, manipulierte Gefühle zu ersetzen, der kann ihn manipulieren. Wer Haarers und anderer (es gab viele Haarers!) Prinzipien befolgt, der hat ihn in der Hand, jenen in seiner Würde reduzierten Menschen, der gar nicht mehr weiß, wie unglücklich er ist, wenn ihm nur noch Arbeit, Konsum und Angepasstheit bleibt. Nur Zyniker würden jetzt sagen: dann sei er ja, wenn er nicht unglücklich sei, wenigstens zufrieden, wenn nicht gar glücklich.

Es ist zu fürchten, dass diejenigen, die Haarers und ihrer modernen Nachfolger Prinzipien nach wie vor vertreten, genau das so meinen.

Der Kampf für eine liebevolle Erziehung in Geborgenheit und Zuwendung, eine Erziehung in der behütenden Sicherheit der Familie aus Vater, Mutter und Kindern darf deshalb niemals, niemals aufgegeben werden. Es ist der Kampf um eine Zukunft in gottgegebener und in Gott gegründeter Menschenwürde.

JV

 

Zeitschrift

Newsletter

Aktuell online

Wir haben 24 Gäste online

Termine


Aktuell stehen keine Termine an.

PayPal-Spende

Jedes Engagement, jede Aktion hat auch eine finanzielle Seite, die unsere Einsatzmöglichkeiten begrenzt. Um uns zu helfen, unsere Ausstrahlung zu vergrößern oder unseren Einsatz zu vervielfältigen benötigen wir Ihre finanzielle Unterstützung.
Herzlichen Dank für Ihre Spenden!