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Sarrazin: Sozialdarwinismus und Antikatholizismus PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 27. Februar 2014 um 14:25 Uhr

Thilo Sarrazin hat ein neues Buch geschrieben. Das Buch wurde gestern im Haus der Bundespressekonferenz vorgestellt und trägt den Titel „Der neue Tugendterror. Über die Grenzen der Meinungsfreiheit in Deutschland“. Sarrazin ist Politiker, Mitglied der SPD und das merkt man im Buch deutlich. Von Geschichte und Religion hat Herr Sarrazin keine Ahnung. Sein schlichtes Weltbild besteht aus einer sozialdarwinistischen Weltanschauung und einen ausgeprägten Antikatholizismus, bzw. einer heftigen Ablehnung jeder Religion. Für den „Tugendterror“ ist nach seiner Auffassung nämlich letztlich die katholische Kirche verantwortlich.

Das Buch enthält natürlich eine große Anzahl richtiger Beobachtungen über den linken und „grünen“ Tugendterror in Deutschland, von dem Herr Sarrazin nach der Veröffentlichung seines ersten Buches selbst betroffen war. Ihm hat dies allerdings nicht geschadet, sondern den Verkauf des Buches sehr gefördert. Katholiken, die diesem „Tugendterror“ der rot-grünen Einheitspartei in Deutschland ausgesetzt sind, können hingegen anderes berichten.

 

Sarrazin führt den Gleichheitswahn als die Ursache des modernen Tugendterrors an. Da ist zweifellos etwas Richtiges dran. Er meint, dass nach dem Untergang der politischen Ideologien die Gleichheit als einzige Ideologie übriggeblieben ist, die er als eine neue Religion bezeichnet und die, so Sarrazin wörtlich, „wie alle Religionen gefährlich“ sei. Weiter erläutert er dies durch die Aussage, dass die Gleichheitsideologie die katholische Soziallehre prägt, ebenso wie den Feminismus, die Homobewegung und die rot-grünen Medienvertreter. So gelingt es Sarrazin tatsächlich, die Feinde der katholischen Kirche mit dieser in einer Reihe zu stellen.

 

Nirgendwo sonst wird vermutlich die Ideologie der Gleichheit deutlicher und theoretisch fundierter zurückgewiesen, wie in der überlieferten katholischen Soziallehre. Es mag sein, dass die modernistische Soziallehre der Kirche eine andere Haltung zur Gleichheit hat, doch ist diese eben nicht katholisch, auch wenn sie sich tausendmal so bezeichnet.

 

Weiter behauptet Sarrazin, dass der Ursprung der Gleichheitsideologie und damit des Tugendterrors im Christentum, speziell natürlich in der katholischen Kirche zu finden ist. Und dafür werden nun gerade die üblichen „Argumente“ aus dem Arsenal der klassischen Ideologien des 19. Und 20. Jahrhunderts ausgegraben. Schuld am heutigen Tugendwahn ist die Inquisition. Schon die Christianisierung hat nach Sarrazin einen Tiefschlag in der geistigen Freiheit bewirkt, der erst durch die Renaissance und die Aufklärung beendet wurde.

 

Die Inquisition versteht er dabei als „zentral gesteuerten Tugendterror einer Organisation, (…) die den Anspruch hatte, die Gedanken der Menschen umfassend zu lenken und zu kontrollieren“. Frei von jeder Kenntnis der Geschichte und die Ideologien des 19. Jahrhunderts nachplappernd, kommt er so zu den „säkularen Formen des Tugendterrors, vom Wohlfahrtsausschuss der Französischen Revolution über Stalins Kerker bis hin zur Gewaltherrschaft der Roten Khmer“, die es „mit den Terrortaten des christlichen Glaubens allemal aufnehmen“. Hier zeigt sich, welch Geistes (oder besser Ungeistes) Kind diese linke Herr ist. Man kann ihm nur empfehlen, anstatt jeden Tag Statistiken und Zahlenreihen zu studieren, doch ausnahmsweise mal ein Buch zur Geschichte der Kirche in die Hand zu nehmen; oder zumindest einige der Veröffentlichungen zur Inquisition, die in den letzten Jahrzehnten ein völlig anderes Bild gezeichnet haben als das durch die Französische Revolution, den Liberalismus und den Sozialismus entwickelte Lügengebäude aus dem 19. Jahrhundert.

 

Man kann das Buch also getrost in den Regalen der Buchhandlungen liegen lassen. Die berichteten Tatsachen über den rot-grünen Tugendterror kann man täglich im Internet nachlesen und der Rest des Buches ist schlicht: falsch.

 

 

 

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