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Familienpolitik: für die Wirtschaft oder für die Familie? PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 08. März 2014 um 08:00 Uhr

Vertreter der protestantischen Glaubensgemeinschaft und Vertreter der Kirche in der BRD haben unlängst eine „Sozialinitiative 'Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft'“ veröffentlicht, die zu recht und zu unrecht praktisch unbemerkt verhallt ist. Zu recht, weil sie sich in keiner Weise von den in dieser Sparte üblichen und allgegenwärtigen Allgemeinplätzen abhebt. Zu unrecht, weil man an ihr den Stand und das Niveau des diesbezüglichen Gedankenguts bei den offiziellen Vertretern der Gemeinschaft und der Kirche nur allzu deutlich ablesen kann.

In einer Stellungnahme des Familienbundes Bayern heißt es sehr zutreffend:

Als gesellschaftlich bedeutsame Leistung der Familien benennen die Kirchenleitungen die Unterstützung der sozialen Sicherungssysteme (d. h. Renten-, Kranken-, Pflegeversicherung), die “Familien mit Erziehungs- und Pflegeleistungen erbringen” (S. 38).

Ansonsten werden Eltern und Familien in negativen Zusammenhängen erwähnt:

  • Armut (wird) weiterhin in viel zu vielen Familien von einer Generation an die nächste „vererbt“ (S. 44);
  • Für die kindliche Entwicklung wirken sich darüber hinaus mangelnde Gesundheitsvorsorge und schwierige Familienbeziehungen nachteilig aus (S. 51);
  • sozial schwache Familien (S. 51);
  • Kinder aus benachteiligten Familien (haben) bereits beim Eintritt in die Grundschule kaum noch aufzuholende Sprach- und Entwicklungsdefizite (S. 51);
  • Eltern, die bereits selbst keinen berufsqualifizierenden Abschluss erworben haben (S. 51);
  • Bildungsarmut im Elternhaus (S. 51)

1997 hatten die Kirchenleitungen schon einmal ein gemeinsames Sozialwort herausgegeben. Das klang erheblich anders:
http://www.dbk-shop.de/media/files_public/mlrvpchir/DBK_69.pdf

Armut wurde damals nicht als Erbkrankheit von Familien gedeutet, sondern als Folge eines absolut mangelhaften Familienlastenausgleichs (S. 32, S. 75). Zudem meinten die Kirchenleitungen damals, dass “es wünschenswert ist, dass ein Elternteil um der Kinder willen in der Lage ist, auf eine Erwerbstätigkeit zumindest zeitweise zu verzichten, um Familien- und Erziehungsarbeit leisten zu können.” (S. 82).

In dem neuen Papier heißt es: “Angesichts des demografischen Wandels und des schon jetzt in einigen Regionen und Branchen herrschenden Fachkräftemangels kann es sich die deutsche Gesellschaft zudem weniger denn je leisten, Talente brachliegen zu lassen” (S. 43). Gemeinsame Verantwortung heiße, “eine breite Beteiligung an Erwerbsarbeit als wichtigem Ausdruck gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen.” (S. 45)

Dieser Gedanke findet sich zwar nicht im Evangelium, aber durchaus bei den deutschen Wirtschaftsverbänden.

Dr. Johannes Schroeter
Landesvorsitzender,
Familienbund der Katholiken in Bayern
www.familienbund-bayern.de

JV

 

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