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Joseph Daul MdEP und die grenzenlose EU, oder: der tiefere Sinn PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 17. April 2014 um 10:21 Uhr

Es gibt nur weniges, mit dem unsere Volksvertreter uns noch so richtig in Erstaunen versetzen können (auch weil sie eigentlich, wie im Falle der EU-Abgeordneten, nicht allzu viel zu sagen haben). Der sympathische Martin Schulz zum Beispiel, Präsident des EU-Parlaments und gerne auch Barroso-Nachfolger, pflegt, wie man hört, seine Mitarbeiter morgens gerne mit „Ihr seid alle entlassen“ zu begrüßen. Nun aber gibt es einen EU-Abgeordneten, der es wirklich geschafft hat, uns völlig zu verblüffen.

Joseph Daul ist Elsässer und EU-Parlamentsabgeordneter der europäischen Volkspartei, welche vor allem die CDU und die französische UMP umfasst. Im Laufe seiner Amtszeit ist er auch mit dem Friedensnobelpreisträger Obama und mit dessen, wie wir ja wissen, übelwollendem Gegenspieler Putin zusammengetroffen.

Jospeh Daul MdEP wurde also von der Tageszeitung Les Dernières Nouvelles d'Alsace interviewt und gefragt, wie er denn junge Wähler zum Gang an die Urne bewegen wolle. Was spreche denn für die EU? Und da ließ der Abgeordnete in einer Weise gewissermaßen die Hüllen fallen, die uns höchst erstaunt, gewissermaßen mit offenem Mund zurückläßt. In seiner Jugend, so Daul, sei es für ihn als Grenzgänger zwischen dem Elsaß und der BRD schwierig gewesen, wenn er auf die deutsche Seite des Rheins gewollt habe, um dort im Elsaß verbotene Pornofilme zu schauen.

Pornofilme? Pornofilme! Nun ja. Heute zeugt das ja von vorurteilsfreier Weltoffenheit und dient eher der Befriedigung künstlerischer Neigungen, wie man aus anderen Fällen hinlänglich weiß. Die bereichernde Wirkung der edlen Kunst ist ja auch sozialistischen Abgeordneten durchaus geläufig.

Hören wir Daul weiter zu. Dann habe er an der Grenze oft bis zu zweieinhalb Stunden warten müssen, wegen der Kontrollen. Zwischen Straßburg und Kehl. Nicht etwa, wie wir zunächst auf Grund der Zeitangaben vermuteten, am „Grenzübergang“ Dreilinden. Oder so. Schlimme Zeiten.

Der Film sei dann natürlich schon vorbei gewesen, so Daul. Tja. Wohin denn nun?

Und meistens habe er auch so etwa in der Hälfte der Fälle, die D-Mark vergessen. Und wir stellen uns den ungeheuren Frust vor, der sich im damals noch jungen Joseph Daul aufgestaut hat, wenn er da nach der Filzerei an der Grenze in seinem Erwartungsdruck so eingeengt wurde. Das ist (nicht nur) seelische Grausamkeit. Kein Wunder, dass er sich und seinen weiteren Lebensweg der Befreiung aus diesen unwürdigen Zuständen so erfolgreich gewidmet hat!

Doch halt.

Zweieinhalbstündige Grenzkontrollen? Zwischen Frankreich und Deutschland? Der Verfasser dieser Zeilen erinnert sich noch mit recht unchristlich-hämischer Freude daran, unter anderem eine komplette Chemietoilette in die eine und so manches andere in die andere Richtung unkontrolliert über die Grenze gebracht zu haben; das Wort „schmuggeln“ möchte er vermeiden, weil es denn doch zu einfach war. Wer jetzt böse, denunziatorische Pläne hegt, kann sie auch gleich wieder wegstecken: es war zu der Zeit, als Daul angeblich seine Befreiungstaten wegen der Kontrollen versäumen musste. Also: verjährt.

Nun – nach unseren Erinnerungen war der Grenzverkehr, an dem wir selbst in bewegten Jugendjahren sehr häufig teilnahmen, sehr flüssig. Nicht, dass die strenge blickenden Grenzer auf der einen oder anderen Seite vom Durchwinken einen Tennisarm bekommen hätten. Aber in 99 % der Fälle konnten wir problemlos auf das jeweils andere Staatsgebiet wechseln, auch Straßburg – Kehl ging. Flüssig. Wie auch sonst, bei dem Verkehr?

Und die Währung war auch kein großes Problem.

Da muss etwas anderes dahinterstecken; hinter dem, was Joseph Daul uns da sagt, muss mehr sein. Wenn er Jugendlichen diese Stories von früher erzähle, sagt er, verstünden die Jugendlichen von heute sofort den tieferen Sinn der EU.

Ha! Wir haben ihn! Daul ist 67 Jahre alt, unwesentlich älter als wir. Wir? Nun ja: als der Verfasser dieser Zeilen. Und er ist jetzt auf der sicheren Seite: finanziell kann ihm nichts mehr passieren. Ins EU-Parlament muss er auch nicht mehr, um zu überleben, für die nächste Periode kandidiert er schon nicht mehr. Kurz – er hat es geschafft. Und da fällt uns Peter Scholl-Latour ein, der gesagt haben soll, man solle sich hüten. Und zwar vor alten Männern, weil die nichts mehr zu verlieren haben.

Darauf muss man erst einmal kommen. Die EU hat also was gebracht? Richtig, so Daul: Freizügigkeit der Pornographie in jeder der Bedeutungen des Wortes „Freizügigkeit“. Ja, was denn noch? Äääh... Wessen Freizügigkeit noch? Na? Und wen hat die Einheitswährung möglicherweise etwas weniger glücklich gemacht, möglicherweise eben gar nicht zum Frustabbau beigetragen, sondern eher im Gegenteil? Und wenn auch alle möglichen und vor allem unmöglichen Perversionen heute ja nicht mehr so enge gesehen werden, gibt es da nicht einiges, was den allgemeinen Frust dadurch erhöht, dass es so viel enger gesehen wird? Ja. Pornos dürfen wir sehen. Perverse Paraden? Problemlos! Aaaaber. Glühbirnen? Duschköpfe? Fleischkonsum? Plastiktüten? Rauchen (außer z.B. Kiffen)? Ihnen, lieber Leser, fällt noch mehr ein? Nur zu!

Danke, Joseph Daul. Wir haben selten (eigentlich noch nie!) eine so geniale, so subtile, so herrlich gemeine und zutreffende Kritik an diesem EU-Unwesen gehört. Und doppelt Danke, weil Sie diese Kritik so gebracht haben, dass sich nun die Qualitätsjournalisten der französischsprachigen Zeitungen enorm über Sie echauffieren, ohne überhaupt kapiert zu haben, wie naß der Waschlappen ist, den Sie ihnen um die Ohren gehauen haben, souverän zum Abschied. Wir haben herzlich gelacht.

JV

 

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