Civitas Institut

Porno oder Krieg? Joseph Daul setzt noch einen drauf PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 19. April 2014 um 08:24 Uhr

Joseph Daul MdEP, den Vorsitzenden der Fraktion der „Europäischen Volkspartei“ (u.a. CDU, UMP) im befugnisfreien EU-Parlament, hatten wir bereits als Meister der versteckten Satire ausgemacht: in einem Interview mit der Tageszeitung Dernières Nouvelles d'Alsace hatte er die Vorteile der EU mit der Beschreibung seiner spätpubertären Schwierigkeiten begreiflich gemacht, in Kehl Pornofilme ansehen zu können. In seiner Abschiedsrede vor dem EU-Parlament erwies er sich in noch höherem Maße als begnadeter Kritiker der EU.

Wie schon in dem von uns bereits gewürdigten Interview, so überzeichnet er auch in seiner Abschiedsrede die Verhältnisse so unglaubwürdig, dass er auch den unbedarftesten EU-Gläubigen zum Nachdenken bringt.

„Ich bin überzeugt, dass es ein Rückfall in Chaos und und Krieg wäre, wenn Europa auf die populistischen und euroskeptischen Sirenen hereinfällt“, sagte Daul und verdiente sich damit zunächst einmal den undotierten Preis „Vermutlich bester Apokalyptiker der Gegenwart“. Auch der Preis für den gewagtesten historischen Vergleich, die vergoldete Sprechblase am Bande, geht einstimmig an ihn: „Viele sagen, man müsse die europäische Integration anhalten, das bedeutet (jedoch) einen Rückschritt. Ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten ist ebenfalls ein Rückschritt. 1914 hat uns genau diese Vorgehensweise der Großmächte in die Katastrophe geführt.“ Und: „Europa ist mehr als nur die Summe seiner Staaten.“

Das sitzt. Diese EU, die im Rahmen ihrer NATO-Gebundenheit Kriege führt und auch mit Kriegseinsätzen droht, eine EU, die durch ihre verfehlte Währungspolitik Hass zwischen europäischen Staaten verursacht, eine solche EU wird von Daul souverän demaskiert, indem er die hohle Friedensrhetorik bloßstellt. Gekonnt! Chapeau! Das hätten wir so nicht geschafft.

Und wer jetzt am 25. Mai „falsch“ wählt, riskiert Chaos und Krieg? Das kann er nicht ernst meinen. Das muss, muss, muss eine Hochform der Satire sein! Wenn nicht, läge Dauls Bildungsniveau nämlich unter dem einiger südamerikanischer Bischöfe, und das glauben wir nicht.

Gleiches gilt natürlich für die von uns völlig zu recht preisgekrönte historische Aussage, der Erste Weltkrieg sei eine Folge der verschiedenen Geschwindigkeiten bei der europäischen Einigung gewesen. Da niemand damals an eine „europäische Einigung“ gedacht hat, schwankt der Boden für diese Aussage nicht nur – er ist gar nicht vorhanden. Freier Fall im luftleeren Raum! Und eine EU, die völlig verfehlte wirtschaftliche Einigung ohne jegliche Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der einzelnen Volkswirtschaften (tja – die gibt es nun einmal, die Völker, die Staaten und die unterschiedlichen Volkswirtschaften) erzwingen will, sät Zwietracht, ja, offenbar auch Hass zwischen den Völkern.

Das ist so offensichtlich, dass wir auch in Joseph Dauls Abschiedsrede eine hervorragend gelungene Satire sehen, die mit den ihr eigenen Mitteln unseren Blick auf die so sehr viel trübere Realität lenken will. Das ist ehrbar.

Daniel Cohn-Bendit übrigens wird bald 70 Frühlinge alt und ist inzwischen möglicherweise auch etwas "ruhiger" geworden. Am gleichen Tag wie Daul hielt er nach 20 Jahren EU-Parlaments-Mandat ebenfalls seine Abschiedsrede. Als weniger begabtem Satiriker ging es ihm in dieser Rede somit nicht, wie man vermuten könnte, um sexuelle Themen (nicht umsonst ist Cohn-Bendit bekanntlich Mitglied bei den Grünen/Bündnis 90), sondern um „Nationalismus ist Egoismus“. Hmmmm. Also Nationalismus ist Egoismus, aha. Und sonst ist nichts hemmungsloser Egoismus?

Zumindest wissen wir jetzt eines: wir haben die Wahl zwischen Porno und Chaos bzw. gar Krieg.

Na dann. Gut, dass es Satire ist. Oder?

JV

 

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