Civitas Institut

Prälat Robert Mäder: Die Unauflöslichkeit des Ehebundes PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 30. April 2014 um 05:38 Uhr

Im päpstlichen Rundschreiben über die christliche Ehe wird mit besonderer Ausführlichkeit das Kapitel von der Unauflöslichkeit und der Ehescheidung behandelt. Es ist die Wiederholung des großen Themas, welches den Inhalt der Weltgeschichte ausmacht. Der Kampf zwischen der Zentrifugalkraft und der Zentripetalkraft in der Menschheit. Der Streit zwischen dem Gesetz des Gegensatzes und dem Gesetz der Einheit.

Was ist die Ehe, die christliche Ehe? Der Sieg der menschlichen Anziehungskraft über die menschliche Fliehkraft. Der Sieg der Einheit über den Gegensatz. Was ist die Ehescheidung? Der Sieg der menschlichen Fliehkraft über die menschliche Anziehungskraft. Der Sieg des Gegensatzes über die Einheit. Man kann sagen: Hier, auf dem Boden der Ehe, entscheiden sich die Schicksale der Menschheit. Die Frage, ob Krieg oder Frieden in der Welt herrscht, wird vor allem in der Ehe gelöst, nicht in den Konferenzen und Parlamenten!

Deus conjunxit! Gott hat das Band der Ehe geknüpft

Mann und Frau sind ein Ganzes! Also ein Unlösbares. Das ist ein Naturgesetz. Das ist etwas, was sein muß und was darum nicht anders sein kann. Die Enzyklika erinnert an ein Schreiben Pius VI.:

„Die Ehe war schon im Naturzustand, also lange bevor sie zur Würde eines eigentlichen Sakramentes erhoben wurde, von Gott so gestaltet, daß sie ein unauflösliches Band auf Lebensdauer in sich begreift. Ein Band, das infolgedessen durch kein weltliches Gesetz gelöst werden kann...

Das ist so wahr, daß immer, wenn von Eheabschluß die Rede ist, so abgeschlossen wird, daß tatsächlich eine wahre Ehe besteht.

Dann begreift sie aber auch jene nach göttlichem Recht mit jeder wahren Ehe verknüpfte Bindung auf Lebenszeit in sich. Oder man muß annehmen, daß ohne jene Bindung auf Lebenszeit abgeschlossen wird. Dann liegt auch keine Ehe vor, sondern eine unerlaubte dem göttlichen Gesetz innerlich widerstreitende Verbindung.“

Mann und Frau sind ein Ganzes. Also etwas Unlösbares. Die Formel, die eine göttliche Mathematik in die Ehe gelegt hat, heißt: zwei gleich eins! Deus conjunxit: Gott hat das Band der Ehe geknüpft.

In noch viel höherem Grade trifft das zu in der übernatürlichen Ordnung. Mann und Frau werden sozusagen durch das Sakrament der Ehe ein neues mystisches Wesen, ein einziges Ganzes, ein geheimnisvoller Organismus. Die Frau wird dem Manne etwas von seinem eigenen Ich. „Sein Leib“, sagt Paulus. Das ist wahr, so vollkommen richtig, daß der Apostel, wo er von der Liebe zur Frau spricht, geradezu sagt: „Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Man haßt doch nicht seinen eigenen Leib!“ (Eph 5, 28-29).

Also Mann und Frau sind in der christlichen Ehe eine Art Zweifaltigkeit, zwei Personen, aber ein geheimnisvolles mystisches Wesen. Ein Sinnbild jenes einen mystischen Wesens, das aus Christus und Kirche besteht. Was eins ist, ist aber unteilbar. Was ein Ganzes ist, kann nicht getrennt werden. Das ist Glaubenssatz in bezug auf das mystische Wesen Christus - Kirche.

„Diese Einheit kann“, wie der Heilige Vater sagt, „solange Christus lebt und durch ihn seine Kirche, niemals durch irgendeine Trennung gelöst werden.“ Es ist also auch wahr in bezug auf das mystische Wesen Mann - Frau in der christlichen Ehe. Diese Einheit kann, solange Mann und Frau leben, niemals durch irgendeine Scheidung gelöst werden. Deus conjunxit! Gott hat das Band der Ehe geknüpft.

Zwei muß in der Ehe gleich eins sein und eins bleiben. Weil Gott es will! Weil derjenige es sagt, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden! Aber auch, weil es wie die Keuschheit Lebensnotwendigkeit für die menschliche Gesellschaft ist. Wo die Hintertüre „Möglichkeit der Scheidung“ in einer Familie offen steht, da gibt es kein Gut, das nicht durch diese Hintertüre verloren geht, kein Übel, das nicht durch sie Einzug halten kann.

Die Treue ist durch diese Türe dem Zweifel und dem Verdacht ausgesetzt, das Wohlwollen erschüttert, die Keuschheit gefährdet, der Friede gelockert, die Liebe erkaltet. Wo hingegen in einem Heim diese Hintertüre fehlt, wo selbst der Gedanke „Möglichkeit der Scheidung“ etwas Undenkbares und Unmögliches sind, da ist Liebe, Friede, Treue, Reinheit und Wohlfahrt gesichert.

Die Unauflöslichkeit der Ehe steht neben der Familie wie eine Festung zum Schutz und Trutz gegen alle Ehefeinde und Ehelaster, die den Mann, die Frau und das Kind bedrohen. Deus conjunxit! Gott hat das Band der Ehe geknüpft. Gott will, daß die zwei, die er verbunden, beisammen bleiben.

Es gehört zu den unsterblichen Verdiensten der Kirche um die menschliche Gesellschaft, die Unauflöslichkeit der Ehe in allen Jahrhunderten, auch gegen die Mächtigen der Erde, verteidigt zu haben. Die Kirche hat lieber eine ganze Welt von Haß und Hohn über sich stürmen lassen, als daß sie in diesem Punkte jemals feige nachgegeben hätte. Es hätte vor 400 Jahren nur eines Wortes, eines einzigen Wortes bedurft, um, nachdem halb Deutschland verloren, nicht auch England zu verlieren. Die Kirche hat dieses Wort, die Erlaubtheit der Ehescheidung gegenüber Heinrich VIII. nicht gesprochen. Sie hat dadurch England verloren, aber sie hat die Ehe gerettet.

Die Kirche hat im Konzil von Trient feierlich erklärt: „Wenn jemand behauptet, das Eheband könne gelöst werden..., weil das Zusammenleben zur Last geworden..., so sei er im Banne.“ Sie erklärt heute wie­der durch den Mund des Papstes: „Wenn die Kirche nicht geirrt hat und nicht irrt, indem sie dieses lehrte und lehrt, und wenn es darum sicher ist, daß das Eheband nicht einmal wegen Ehebruchs gelöst werden kann, dann ist es offenkundig, daß die übrigen schwächeren Gründe, die man zu Gunsten der Ehescheidung vorzubringen pflegt, noch viel weniger Beweiskraft haben...“

Es ist nichts zu machen. Deus conjunxit! Gott hat das Band der Ehe geknüpft. Gott der Allmächtige! Darum des Christuswortes andere Hälfte:

Homo non separet! Der Mensch soll nicht scheiden!

Die Ehescheidung hat ihre eigene Separationspolitik. Ihre Wurzel ist der Egoismus, die Ichsucht. Ihre drei Formen sind die vom heiligen Johannes schon erwähnten Weltmächte: Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens. Die Politik des Geldes, die Politik des Fleisches, die Politik des Hochmuts.

Jawohl! Das Geld treibt nicht nur die große Politik. Es hat auch seine Ehepolitik. Für wieviele ist die Heirat vorallem ein Geschäft. Der Ehepartner wird betrachtet unter dem Gesichtspunkt der Produktivität und Rentabilität. Schaut nicht so viel heraus, als man berechnet hatte, dann sinkt auch das Barometer der Liebe. Der Himmel bewölkt sich. Die Stimmung wird gedrückt, gereizt, es donnert und wetterleuchtet. Und dann kommt der Sturm und reißt alles auseinander.

Das Pauluswort von der Habsucht als Wurzel aller Übel bewahrheitet sich auch hier. Und das Christuswort: „Man kann nicht zwei Herren dienen. Entweder wird man den einen hassen und den ändern lieben, oder man wird zu dem einen halten und den andern verachten (Matth 6,24). Man kann nicht die Frau und das Geld lieben. Man kann auch nicht dem Mann und dem Geld dienen.“ Man muß wählen! Und man wählt schließlich immer. Das beweist die Geschichte der Ehezerwürfnisse und Ehescheidungen. Die Separationspolitik des Geldes spielt darin eine dämonische Rolle. Man muß diesem Teufel Habsucht auf den Kopf treten.

Was die Separationspolitik des Fleisches betrifft: Der Leib ist nun einmal da. Er hat im Plane der göttlichen Weltordnung seine Aufgabe und eine Rechte. Aber er hat auch seine Pflichten. Er ist nur der Diener im Hause. Und er soll das alle Tage fühlen. Auch in der Ehe! Er soll erzogen werden zu treuer Pflichterfüllung und Selbstverleugnung.

Man spricht von Leibeskultur und körperlicher Ertüchtigung. Die wichtigste Leibeskultur und die notwendigste körperliche Ertüchtigung, ohne die alle Gymnastik wertlos ist, das ist die sexuelle Leibeskultur, das ist die körperliche Ertüchtigung zur Keuschheit, das ist die Pädagogik des Gehorsams des Fleisches.

Wo diese Pädagogik der sexuellen Leibeserziehung in der Jugend, in der Bekanntschaft und in den ersten Jahren der Ehe vernachlässigt worden ist, da wird der Leib zum Tyrannen und die Ehe zum Götzendienst des Fleisches. Und wenn dieser Tyrann einmal erwacht ist, wird er rücksichtslos und unersättlich und verlangt, daß ihm alles zum Opfer gebracht werde: Gewissen, Ehre, Reinheit, Gesundheit, Leben, Familienglück. Alles!

Und weil der Tyrann nie genug hat, nie, und weil er alles will, treibt er Separationspolitik. Zuerst mit den Augen. Dann in der Tat. Der Ehebruch ist da. Der Ehebruch, das ist der Anfang der Separationsgelüste. Das Ende, das ist die Scheidung.

Die Separationspolitik des Hochmuts: Der Hochmut, die Selbsucht des Geistes und des Willens, hat kein Verständnis für die göttliche Mathematik der Ehe «zwei gleich eins». Der Hochmut, sei es nun der Hochmut des Mannes oder der Hochmut der Frau, sucht nicht das gemeinsame Dritte, das Wohl des Ganzen, sondern Geltendmachung und Durchsetzung des Ich-Gedankens, des Ich-Willens, der Ich-Liebe. Er sinnt und strebt und lebt immer nur und ausschließlich in der ersten Person Einzahl. Darin liegt für ihn die ganze Grammatik des Ehelebens.

Das ist das größte Ehehindernis, die radikale Unfähigkeit für ein edles, geordnetes, glückliches Familienleben ist die erste Hauptsünde: Der Hochmut, der Eigensinn, die Rechthaberei, die Herrschsucht. Der Eigenwille in allen seinen Abarten ist Separatist. Sein letztes Ziel ist Auflösung, Trennung, Scheidung. Zwei gleich zwei!

Die alten Römer hatten einen „Gott“ Janus, Beschützer der Türen und der Tore, aber besonders des Torbogens beim Forum, durch den die Legion zog, wenn sie in den Krieg ging oder zurückkehrte. Daher die Sitte, diesen Hauptdurchgang in Zeiten allgemeinen Friedens zu schließen. Das ist die Aufgabe der katholischen Kirche und ihrer Fides intrepida von Pius XI. Das Tor der Ehescheidung, durch welches die Mächte der Zerstörung: Habsucht, Sinnlichkeit, Hochmut ziehen, muß geschlossen werden.

Ehescheidung muß in unserer Gesinnungswelt, in unserer Gesetzgebung, in unseren gesellschaftlichen Sitten wieder etwas Undenkbares und Unmögliches werden. Das kirchliche Ehegericht gestattet in Fällen, wo das Zusammenleben unüberwindbaren schweren Gefahren ausgesetzt ist, die sogenannte zeitweilige Trennung.

Aber im übrigen sagen wir mit dem Heiligen Vater und schreiben es über jede Haustür:

„Unbeugsam und unerschütterlich steht den Torheiten das eine göttliche Gesetz gegenüber, das Christus in seinem vollen Umfang bestätigt hat. Ein Gesetz, das durch keine Menschensatzungen und keine Volksbeschlüsse und kein Diktat der Gesetzgeber entkräftet werden kann: Was Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen.“

(Prälat Mäder bezieht sich in seinem Text auf die Enzyklika "Casti Connubii" von Papst Pius XI. aus dem Jahre 1930)

 

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