Civitas Institut

Anti-Scholastik und Liberalismus PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 07. November 2014 um 20:18 Uhr

Was ist der tiefere Grund für die Entwicklung der Gesellschaft und der Kirche im Besonderen in den letzten Jahrzehnten? Auf unserer Website und anderen ähnlichen Internetportalen finden Sie zahlreiche Hinweise, Beiträge und Kritiken an den Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Kultur, die darauf hinweisen, dass schon seit langem alles, aber auch wirklich alles aus dem Ruder läuft. Und das vielleicht Schlimmste an dieser Entwicklung ist, dass die Mehrzahl der Vertreter der Kirche Jesu Christi dabei mitmachen. Dafür gibt es natürlich verschiedene Gründe, aber zwei Gründe sind maßgeblich. Ein philosophischer Kommentar.

 

 

 

 

Da es diese Entwicklung in Politik, Kultur, Gesellschaft und Staat nicht oder weit weniger radikal gegeben hätte, wenn die Kirche ihrer Tradition treu geblieben wäre, beginne ich mit der Kirche. Der Grund für solche Positionen, wie sie bei der letzten Synode im Vatikan über Ehe und Familie nicht nur von Kardinal Kasper vertreten wurden, liegt darin, dass die scholastische Philosophie mehr oder weniger restlos zu den Akten gelegt wurde. Der Zusammenbruch der katholischen Glaubenslehre, der schon vor dem Konzil begonnen hatte, der Zusammenbruch der katholischen Dogmatik, der Apologetik, der Theologie insgesamt und der Katechese, hat seinen Grund in der Zurückweisung der scholastischen Philosophie und Theologie. Diese Verurteilung der Scholastik beginnt bereits am Ende des 19. Jahrhunderts. Die Verurteilung des Modernismus durch Papst Pius X. und anderer Päpste warnte schon früh vor den Angriffen auf die Scholastik.

 

Thomisten und anderen scholastische Philosophen und Theologen und die Männer der Kirche, die in scholastischer Philosophie und Theologie gebildet waren, konnte klar, präzise, ohne Umschweife und Zweideutigkeiten formulieren. Sie wusste wie man für oder gegen eine Position argumentiert. Wer den – entschuldigen Sie den Ausdruck – Schwachsinn von Kardinal Kasper und seinen Gefolgsleuten heute liest und dies mit der Scholastik vergleicht, kann nicht glauben, dass es sich um ein und dieselbe Kirche handelt. Künstlich werden Gegensätze zwischen Barmherzigkeit und Dogma, zwischen Pastoral und Glaubenslehre konstruiert und die Freiheit des Einzelnen, seine Autonomie gilt als das höchste Gut des Menschen, als das, was den Menschen erst zum Menschen macht. Dazu später noch mehr.

 

Vor der Verabschiedung der Scholastik gab es so gut wie keine Äußerung eines Bischofs oder eines Theologen (es sei denn, er war ein Gegner der Scholastik), die Zweifel an der Exaktheit, Klarheit und Eindeutigkeit seiner Äußerungen ließ. Die heutige Neigung der Vertreter der Kirche zu Unklarheit, Doppeldeutigkeit, völlig verschwommenen Formulierungen (Musterbeispiel dafür ist Kardinal Kasper und andere Modernisten und liberale Bischöfe und Theologen) zeigt sich beispielsweise daran, dass es früher völlig klar war und immer wieder betont wurde, dass es kein Heil außerhalb der katholischen Kirche gibt. Dies war die Motivation tausender Priester und Missionare aus echter Liebe zu den Menschen, alles zu unternehmen, damit alle Menschen in die Kirche eintreten. Heute schwafelt man stattdessen von „Dialog“, einem Begriff, den die Kirche früher nie kannte, und überlässt damit die Menschen den Irrlehren, den falschen Religionen und schließlich möglicherweise der Hölle. Und das heißt dann auch noch „pastoral“!

 

Ähnliches findet man in Fragen der sogenannten „Ökumene“, des „interreligiösen Dialogs“ und anderer Dinge, die zur vollständigen Einstellung der Mission geführt haben und Mission durch Sozialarbeit ersetzen. Besonders Dokumente zur Ökumene und zum interreligiösen Dialog strotzen nur so von Halbwahrheiten, Doppeldeutigkeiten und Entstellungen der Wahrheit, die bei einem scholastischen Fundament in der Ausbildung derjenigen, die solche Dokumente verfassen, unmöglich gewesen wären.

 

Heute sind selbst sogenannte „konservative“ Bischöfe, Theologen und Gläubige auf diesen Jargon des Ökumenismus hereingefallen, indem sie den „Dialog“ vor die Bekehrung stellen, indem sie den Prosyletismus verurteilen usw.

 

Ein zweiter Punkt, der sowohl die Kirche als auch Politik, Gesellschaft, Kultur und Staat betrifft, ist der Liberalismus. Und letztlich war dieser auch bei vielen Kirchenmännern schon weit vor dem II. Vatikanischen Konzil verantwortlich, für die Beseitigung der Scholastik. Das Konzil hat Thomas von Aquin praktisch in keinem einzigen Dokument (mit einer Ausnahme) mehr erwähnt. Der Liberalismus beherrscht heute die gesamte westliche Welt, er bestimmt das Denken in allen Bereichen von Politik, Gesellschaft, Kultur und Staat und leider – Gott sei es geklagt – auch in der Kirche. Ganz gleich wie sich eine politische Partei bezeichnet: sie ist liberal, ob AfD, „C“DU, oder Die Linke: in Deutschland und in ganz Europa, in den USA sowieso, gibt es keine nicht-liberale Partei. Der Liberalismus übt einen Druck auf alle gesellschaftlichen Gruppen einschließlich der Kirche aus, die mit der massiven Repression in Diktaturen einerseits vergleichbar ist, andererseits aber verschieden davon ist, da der meiste Druck gar nicht so empfunden wird und die Menschen sich freiwillig unterwerfen, ohne dies als Unterwerfung zu verstehen.

 

Was ist der Liberalismus? Aus dem Bisherigen kann man schon sehen, dass damit keine Partei oder Bewegung gemeint sein kann. Der Liberalismus ist eine geistige Grundhaltung, die ihren Ursprung in der Philosophie hat. Der Liberalismus ist die falsche Philosophie schlechthin. Er geht zurück auf Philosophen wie Hobbes, Locke, in Deutschland Kant oder in neuerer Zeit Rawls. Trotz großer Unterschiede zwischen diesen konkreten philosophischen Positionen ist ihnen allen eins gemeinsam: die geradezu absolute Souveränität des Willens des Individuums und die Autonomie des individuellen Menschen. Die „Freiheit“ die der Liberalismus erstrebt bzw. verteidigt, ist die Freiheit von allen Bindungen, seien diese politisch, gesellschaftlich, kulturell, moralisch, religiös oder was auch immer. Das Individuum allein und sein Wille ist der letzte Grund von all dem. Es darf nichts geben, was dem Individuum vorhergeht, kein moralisches, sittliches Gesetz, keine vorgegebene gesellschaftliche Ordnung, keine Wesenheit der Familie, der Ehe oder was auch immer. Alles muss auf den freien Willen des Individuums zurückgeführt werden.

 

Weil der Druck dieser Ideologie so tief in der Gesellschaft verankert ist, deshalb wird man auch heute kaum noch einen Konservativen finden, der nicht bei seinen Argumenten letztlich Bezug nimmt auf diese Ideologie des Liberalismus. In der Diskussion über staatliche Kinderbetreuung, über gleichgeschlechtliche „Ehe“ und den ganze Genderwahnsinn, betont man zunächst einmal, dass man niemanden „diskriminieren“ will, dass man natürlich die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen respektiert usw. Sollte es einmal jemand wagen – wie dies das Civitas Institut getan hat und auch weiterhin tun wird – dies klar und deutlich auszusprechen und die Argumente zu nennen, die gegen diese Zertrümmerung der Fundamente der Gesellschaft spricht – dann wird sofort nach der Beobachtung durch den Verfassungsschutz gerufen, nach einem Verbot, nach wirklicher Diskriminierung von Menschen, die eine solche Auffassung vertreten. Doch wenn man den Liberalen in solcher Weise entgegenkommt, wie dies heute auch fast alle konservativen Kirchenvertreter tun, dann erweckt dies den Eindruck, dass der Liberalismus im Prinzip im Recht ist. Aber er ist NICHT im Recht! Er ist die Zerstörung von Recht, von jeder Ordnung in Staat und Gesellschaft und er liefert die Menschen ihrem Verderben aus; er macht die Menschen unglücklich, nicht nur in diesem Leben, sondern vor allem in der Erreichung ihres ewigen Ziels, der Glückseligkeit.

 

Natürlich ist der Liberalismus letztlich eine Geburt des Nominalismus Occams und im Keim bereits der spätscholastischen Philosophie, z.B. Duns Scotus‘, wo der Wille über den Verstand gestellt wurde. Der Wille soll sich den Verstand unterordnen und diesen als Mittel verwenden, um seine Ziele zu erreichen. Hier liegt auch der tiefere Grund, dass sich Liberalismus, Kommunismus und nationaler Sozialismus nicht in ihren Fundamenten unterscheiden: Alle stellen den Willen ins Zentrum. Die aristotelisch-thomistische Philosophie hat demgegenüber immer daran festgehalten, dass der Wille dem Verstand untergeordnet ist, dass der Verstand die Wesenheiten und die Ordnung der Natur, der Gesellschaft, der Moral und des Staates objektiv zu erfassen vermag und nach dieser Ordnung und Gesetzmäßigkeit handeln soll.

 

Wir müssen wieder zu dieser wahren Philosophie zurückkehren. Die Kirche und ihre Vertreter müssen wieder die scholastische Philosophie und Theologie studieren, zumindest die jungen Priester. Aber auch für alle Menschen stellt die Philosophie eine große Hilfe dar, um die Tendenzen in dieser Welt zu erkennen aber auch sich selbst zu erkennen. Denn der Liberalismus, das sind nicht nur „die Anderen“, das sind wir selbst. In unserem alltäglichen Leben werden wir, wenn wir aufmerksam sind, merken, dass wir ständig uns selbst als autonome Individuen verstehen (vielleicht sogar in unserer Beziehung zu Gott?), dass wir den Willen über den Verstand stellen und uns von Emotionen statt von Argumenten leiten lassen. Solange das der Fall ist, muss der Liberalismus noch nichts befürchten.

 

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