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Montag, den 14. September 2015 um 09:13 Uhr

 

Erste Einführung in die Lehre vom Staat

Der moderne Staat und die moderne Verwaltung wuchern, und das allein macht es schon wichtig, daß alle vernünftigen Menschen, die sich Gedanken um die Zukunft der Zivilisation machen, ihre Aufmerksamkeit darauf richten. Dieses ausgreifende Wuchern ist um so beunruhigender, als es einhergeht mit einem unerhörten, bisher in der Geschichte nicht gekannten Eingreifen der öffentlichen Macht sowohl auf die Korporationen als auch auf den Einzelmenschen, auf ihren Verstand und auf ihr Wollen. Sinngemäß schrieb C.G. Jung, daß das Individuum sich im Angesicht des modernen Staates aller moralischen Entscheidungen, aller Eigenverantwortlichkeit für sein Leben enthoben sieht; daß es andererseits als soziale Einheit reglementiert, verwaltet, ernährt, gekleidet, erzogen, in bequemen und komfortablen Wohneinheiten beherbergt wird, daß es mit vorgegebenen Freizeitangeboten unterhalten wird, und daß das Ganze dann zu einer Zufriedenheit, zu einem Wohlbefinden der Massen führt, welches bzw. was als ideal angesehen wird.1

Aus dieser Situation heraus, die sich unter unseren Augen täglich verschlimmert, ist es durchaus verständlich, daß Katholiken versucht sind, im Staat den mächtigsten Träger der Subversion zu sehen. Es ist jedoch so, daß "die Mißbräuche des modernen, totalitären, nivellierenden Staates", schreibt Jean Ousset, "uns nur allzu oft dazu bringen, ohne daß wir uns dessen bewußt sind, hinsichtlich des Begriffes "Staat" selbst ungerecht zu urteilen."2

Es ist also wichtig, daß katholische Laien, die sich im Kampf für ein katholisches Gemeinwesen einsetzen, ein richtiges Staatsverständnis haben. Wir wollen deshalb in aller Kürze einen Überblick über die Grundprinzipien erarbeiten, die in der einen oder anderen Weise in einer Staatsverfassung verwirklicht sein müssen, welche diesen Namen verdient.

 

1. Was ist der Staat?

Wie jedermann weiß, lebt der Mensch natürlicherweise in gesellschaftlichen Gruppen zusammen. "Der Mensch", lehrt der heilige Thomas von Aquin, "ist von Natur aus ein soziales Wesen, denn er braucht viele Dinge zum Leben, die er sich nicht selbst beschaffen kann: der Mensch ist also von Natur aus Teil einer Vielheit, von der er Unterstützung erfährt, um angemessen leben zu können."3 Der Mensch bildet also von Natur aus Gemeinschaften, damit Ziele erreicht werden können, welche die Mittel und Fähigkeiten übersteigen, über die ein einzelner Mensch verfügen kann4, wie der hl. Thomas sagt, "um in der Gemeinschaft ein gutes Leben zu führen, ein Ziel, das ein einzelner Mensch allein nicht erreichen kann".5 An erster Stelle steht die Familie, die Keimzelle der Gesellschaft, dann kommen die Korporationen, die verschiedenen gesellschaftlichen Zusammenschlüsse, und schließlich dann die politische Gesellschaft. Die Gesamtheit dieser Zusammenschlüsse bildet ein komplexes, organisches und von Natur aus hierarchisch geordnetes Ganzes, das wir die Gesellschaftsordnung nennen.

"Die Zusammenschlüsse sind von verschiedenem Rang und verschiedener Ordnung; der höchste ist die politische Gemeinschaft, die dazu eingerichtet ist, das vollständige Wohl des menschlichen Lebens zu sichern."6

Um den Schutz, die Koordination der Tätigkeiten und letztlich die Harmonie dieses gesellschaftlichen Zusammenschlusses zu sichern, ist eine höchste Gewalt notwendig. Diese institutionelle, politische und juridische Struktur, welche die Leitung des organischen, hierarchisch geordneten und aus den verschiedenen Zusammenschlüssen bestehenden Ganzen sichert, nennt man den Staat.

Der Staat kann im engeren Sinne somit definiert werden als "die oberste Regulierungs-, Leitungs-, Führungs-, Lenkungs-, Koordinierungsinstitution des sozialen Zusammenlebens unter den Einrichtungen, die das politische Gemeinwesen zustande bringen, funktionsfähig machen und erhalten"7. Eine weitere, weniger enge Definition wäre die von Prof. Marcel de la Bigne de Villeneuve: "Der Staat ist die dauerhafte politische und juridische Einheit, die von einer Gruppierung von Menschen gebildet wird und auf einem bestimmten, gemeinsamen Gebiet eine unabhängige Gruppe bildet, die einer höchsten Autorität unterstellt ist".

Papst Pius XII. betont: "Der Staat enthält und vereinigt in sich nicht mechanisch auf einem gegebenen Gebiet eine gestaltlose Anhäufung von Individuen. In Wirklichkeit ist er und muß er die organische und organisatorische Einheit eines echten Volkes sein."8

Damit erläutert der Papst die klassische Staatslehre, daß ein Staat zur Erfüllung seines Sinnes und Zwecks eines Staatsvolkes, eines Staatsgebietes und einer Staatsgewalt braucht.

De la Bigne de Villeneuve kommt eher an die Begründung einer staatlichen Verfaßtheit, wenn er schreibt: "Um einen Staat zu bilden, dürfen die Menschen keinesfalls isoliert oder auch nur nebeneinander leben, sondern sie müssen in einer Gemeinschaft vereint sein. Das bedeutet, daß eine staatliche Gemeinschaft nur dann lebensfähig ist, wenn sie ein Zusammenschluß von Zusammenschlüssen ist und nicht ein Zusammenschluß von Individuen"9.

Aus alledem folgt, daß ein Staat, der auf die "unvergänglichen Prinzipien von 1789" gegründet ist, insbesondere auf einen revolutionären, auch liberalen Individualismus, welcher die Korporationen hinwegfegt und den Einzelmenschen eben einzeln, isoliert dem Staat gegenüberstellt, ein Staat, der sich als "verfassungspatriotisch" versteht oder der "westlichen Wertegemeinschaft" (was immer das sei) verpflichtet, auf lange Sicht ganz einfach nicht lebensfähig ist. Die aktuelle Entwicklung in unseren Nationen, insbesondere das Schwinden eines Gemeinsinns und der allgemeine Anstieg der Kriminalität bestätigen die Richtigkeit dieser Folgerung.

 

2. Ziel und Zweck des Staates ist das Allgemeinwohl

Im Rahmen dieser Einführung kann eine vertiefte Untersuchung des Begriffs "Allgemeinwohl" nicht geleistet werden. Pius XII. hat das Gemeinwohl mehrfach definiert, immer in dem Sinne wie in der Rundfunkbotschaft an die Welt vom 24. Dezember 1942, nämlich als die dauerhafte Verwirklichung "dieser äußerlichen Bedingungen, die der Gesamtheit der Bürger für die Entwicklung ihrer Fähigkeiten, ihrer Funktionen, ihres materiellen, intellektuellen und religiösen Lebens vonnöten sind."10

Sinn und Ziel des Staates ist das Streben nach dem Allgemeinwohl: es ist seine Aufgabe, das Gemeinwohl zu fördern durch alle Gesetze, die er beschließt, durch die Verwaltungen und die Institutionen, die von ihm abhängen.

Übereinstimmend mit seinen Vorgängern11 lehrt Pius XII. so:

"Es ist also das auszeichnende Vorrecht und die hohe Sendung des Staates, die private Tätigkeit der Einzelnen im nationalen Leben zu überwachen, zu fördern und zu ordnen, um sie einheitlich auf das allgemeine Wohl auszurichten. Das letztere kann jedoch nicht nach Willkür bestimmt werden, noch darf es seine Norm in erster Linie von der materiellen Wohlfahrt der Gesellschaft empfangen; es erhält sie vielmehr von der harmonischen Entwicklung und natürlichen Vervollkommnung des Menschen, dem die Gemeinschaft vom Schöpfer selbst zugeordnet ist, als Mittel."12

Es ist offensichtlich, daß der gegenwärtige Niedergang der Gesellschaft weitgehend in der Unkenntnis und der praktischen Ablehnung des richtigen Begriffs des Gemeinwohls begründet ist. Die natürliche und deshalb christliche Konzeption des Gemeinwohls ist durch eine rein materialistische Begrifflichkeit ersetzt worden: das Gemeinwohl wird mit Wohlstand gleichgesetzt. Das stellte bereits Pius IX. im Jahre 1864 (!!) fest: "Wer versteht und empfindet nicht ganz deutlich, daß die menschliche Gesellschaft, gelöst von der Bindung an die Religion und des wahren Rechts, keine andere Ausrichtung mehr haben kann, als sich den Erwerb und die Anhäufung von Reichtümern zum Ziel zu setzen? Sie folgen in ihren Handlungen keinem anderen Gesetz mehr, als der ungezähmten Begierde des Herzens, den eigenen Gelüsten und dem persönlichen Vorteil zu dienen."13

 

3. Die staatliche Autorität

3.1. Notwendigkeit der Autorität - Die Souveränität

Jeder Staat, lehrt Pius XII., "muß wie jede andere Regierungsform mit wahrer und wirksamer Autorität ausgestattet sein"14. Das heißt, daß die politische Autorität, "höhere Autorität (sc. ist), die Zwangsgewalt besitzt"15, also eine souveräne Autorität, für die gesellschaftliche Ordnung von konstitutiver Notwendigkeit ist.

Die Forderung nach einer "wahren und wirksamen" Autorität im Staat bedingt, nicht weniger als die Forderung nach der Einheit des Staates, die Zurückweisung der Gewaltenteilungs-Theorie. Diese von Montesquieu aufgestellte Theorie soll ein mögliches Abgleiten des Staates in die Tyrannei dadurch verhindern, daß die gesetzgebende, ausführende und richterliche Gewalt in einem Staat auf unabhängige und unterschiedliche Organe aufgeteilt wird. Sie wurde in der Erklärung der Menschenrechte von 1789 verankert und entspricht, wie A. de Lassus feststellt, eher einer dialektischen als einer organischen Staatsauffassung. Aus eben diesem Grunde wurde sie auch niemals von den Päpsten gutgeheißen oder gebilligt16. Die Erfahrung zeigt, daß sie zur Bekämpfung der Mißbräuche, vor denen sie die Gesellschaft schützen soll, in höchstem Maße ungeeignet ist. Sie ist nur ein Mechanismus, der die öffentliche Meinung ruhighalten soll.

3.2. Einheit und Einheitlichkeit des Staates

Gegen diese Theorie muß immer wieder gesagt werden, daß die Einheit ein fundamentales Element des Staates ist, ein Element, ohne das er ganz einfach nicht existiert. Man muß in diesem Sinne immer wieder auf eine Bemerkung de heiligen Thomas zurückkommen, in der er sagt: "Von einer Institution zu sagen, daß sie sei, ist die gleiche Aussage wie die, daß sie eins sei."17 Die Einheit des Staates bedeutet also logischerweise auch die Einheitlichkeit der Staatsgewalt, wie es M. de la Bigne erläutert:

"Diese Autorität, deren beständige Aufgabe es ist, die verschiedenen Bedürfnisse und legitimen Interessen der Gesamtheit in einer riesigen und flexibel anpassungsfähigen Synthese zu begründen und zusammenzufassen, ist nicht nur eins, sie muß notwendigerweise einheitlich sein. Einheitlich in ihrer Verfassung und Struktur, denn ansonsten wäre sie uneins in sich selbst und würde verschwinden; einheitlich in ihrer Führung, denn ansonsten würde der hin- und hergeschüttelte Staat auseinanderbrechen; einheitlich in seinem Staatsgebiet, denn ansonsten gäbe es nicht einen Staat, sondern mehrere; und schließlich trotz des Wechsels seiner Amtsträger einheitlich in seiner Dauer, denn ansonsten gäbe es keine Kontinuität und auch keine Identität im Leben des Volkes, dann hätten wir verschiedene, aufeinander folgende Staaten anstelle des einen Staates, der eben dauerhaft ist, solidarisch, in seiner ganzen Geschichte und durch die Jahrhunderte immer derselbe."18

Es liegt in der Natur der Staatsmacht, daß sie absolut ist; das bedeutet aber keineswegs, daß sie unbeschränkt ist und über alle Rechte verfügt, wie wir sehen werden.


3.3. Die Begründung der Autorität in Gott

Bei den allermeisten Politikern unserer Tage ist die Begründung allen Rechts und aller Gesetzgebung im Naturrecht völlig unbekannt. Wenn sie bekannt ist, wird sie ignoriert oder bekämpft. Es gilt, daß Gesetze einfach beschlossen werden und damit legitimiert sein sollen. In seiner Rede vor dem BRD-Parlament bezeichnete der Heilige Vater Benedikt XVI. mit Worten des hl. Augustinus einen Staat ohne diesen Bezug als Räuberbande. Natürlich wurde er von den Adressaten dieser Worte nicht verstanden.

Die Kirche weiß, daß alle Autorität von Gott kommt. Deshalb weist sie das Prinzip zurück, nach dem die Autorität des Staates unbegrenzt sei: unbegrenzt insbesondere in dem Sinne, daß es "keine Berufung auf ein höheres und sittlich verpflichtendes Recht gebe."19 Wenn es geschieht, daß die Herrschenden etwas vorschreiben wollen, das gegen das Gesetz Gottes ist, "dann muß man Gott mehr gehorchen als den Menschen"20. An dieser Stelle muß betont werden, daß "die Staatsgewalt den Regeln der Moral und des höheren Rechtes unterworfen (sc. bleibt), daß sie übergriffig und tyrannisch wird, wenn sie den ihr zustehenden Bereich überschreitet, welcher derjenige der Politik im weiten Sinne ist, und daß sie nur in dem Maße legitim ist, in dem sie die Verwirklichung des Gemeinwohls verfolgt. Außerhalb dessen kann sie auf den völlig gerechtfertigten Entzug des Gehorsams oder gar auf die Revolte der Untergebenen stoßen."21

 

3.4. Gottesrechte und Menschenrechte

Im übrigen wird der Staat die wirklichen Grundrechte des Menschen nur dann respektieren, wenn er die Rechte Gottes anerkennt. So konnte Leo XII. sagen: "Sobald der Staat sich weigert, Gott zu geben, was Gottes ist, weigert er sich in notwendiger Konsequenz auch, den Bürgern das zu geben, auf das sie als Menschen ein Recht haben, denn ob man es will oder nicht, die wahren Rechte des Menschen entspringen exakt seinen Pflichten gegenüber Gott. Daraus folgt, daß der Staat, wenn er sich in dieser Beziehung verfehlt, welches der hauptsächliche Sinn seiner Existenz ist, in Wirklichkeit sich selbst verleugnet und dem widerstreitet, was seine eigene Existenzberechtigung ist"22. Man überlege bitte ernsthaft, was die Anwendung dieses Prinzips auf die aktuelle politische Situation bedeuten würde!

 

3.5. Das Gesetz als Instrument der staatlichen Autorität

Wie wir gesehen haben, ist das zeitliche Gemeinwohl das Ziel und der Sinn des Staates.

"Das Ziel der menschlichen Gesellschaft ist das zeitliche Glück, welches dem ewigen Glück untergeordnet ist. Ein wohlgeordneter Wille kann das wahre Glück erreichen. Auch diese Kunst, die zum Ziel hat, den Menschen glücklich zu machen, muß zunächst alle ihre Kraft auf die Vervollkommnung des Willens richten. Konsequenterweise muß die Gesellschaft oder, was auf das Gleiche hinauskommt, die gesellschaftliche Autorität hauptsächlich diese Kunst lernen; auf dieses Ziel hin muß sie alle anderen Mittel ausrichten, die der Politik zur Verfügung stehen."23

"Die Politik, die Kunst, welche den Willen oder die bürgerliche Erziehung der Völker vervollkommnet, kann also folgendermaßen definiert werden: als die Kunst, den zugehörigen Individuen, ihrem Verstand, ihrer Vorstellungskraft, ihrer Sensibilität Dinge vorzustellen, welche ihren Willen beflügeln, das wirklich Gute zu erkennen und durch so etwas wie eine moralische Sensibilität anzunehmen. Diese Kunst kann so ausgeübt werden, daß sie jene Dinge positiv präsentiert, andererseits daß sie, negativ, dem entgegenstehende Dinge ausklammert."24

Das ist, wie man leicht feststellen kann, das genaue Gegenteil der aktuellen, "demokratischen" und "liberalen" Vorstellung der Rolle der öffentlichen Macht, man denke nur beispielsweise an die heute öffentlich überall geförderte Unmoral in allen möglichen und unmöglichen Ausformungen, an Abtreibung, an Abtreibung durch die "Pille danach" und so vieles andere mehr.

 

3.6. Gesetz und Tugend

Diese Leitung und Lenkung der Bürger, die höchste Funktion des Staates - gleich nach dem Gott geschuldeten Kult25 - geschieht in erster Linie durch die Gesetze. Mit dem heiligen Thomas definiert Papst Leo XIII. das Gesetz folgendermaßen: "eine Anordnung der geordneten Vernunft, zum allgemeinen Wohl von der rechtmäßigen Gewalt erlassen".26

Gute Gesetze, die dem göttlichen Gesetz, dem Naturrecht entsprechen und klug den herrschenden Verhältnissen angepaßt verkündet werden, machen die Bürger besser und leiten sie zur Tugend an27. Auch den schlechten Menschen sind sie nützlich, erklärt der hl. Thomas, und zwar in dem Maße, in welchem sie diese im Kampf gegen ihre Fehler unterstützen und ihnen die Rückkehr zum Guten und die Gewöhnung an ein tugendhaftes Leben erleichtern28. Im Gegenzug kann ein schlechtes Gesetz, das in offenem Widerspruch zum Naturrecht und zum christlichen Gesetz steht, nicht verpflichten, das gilt z.B. für Gesetze über die Ehescheidung, Abtreibung usw. in eben dem Maße, als solche Gesetze die Bedingungen für Gesetze nicht erfüllen. Genauer gesagt: solche Gesetze sind keine Gesetze im eigentlichen Sinne. Und das ist nicht ohne Auswirkung auf das bürgerliche Verhalten des Christen.

In einer Welt, welche ihre christlichen und sogar ihre natürlichen Bezüge verloren hat, in welcher die herrschende Ideologie seit zwei Jahrhunderten Gegenwahrheiten hervorbringt, in welcher unser tägliches Umfeld sich immer mehr dem nähert, was der französische Philosoph Gustave Thibon eine Dissozietät nannte, schien es uns notwendig, an einige Grundelemente einer wirklichen und funktionierenden Gesellschaft zu erinnern.

Für eine weitere und vertiefende Beschäftigung mit dem Thema verweisen wir auf die entsprechenden Enzykliken und Ansprachen der Päpste seit Leo XIII., dem "Vater der katholischen Soziallehre". Im Teil "Dokumente"29 unserer Internetseite sind und werden die wichtigsten dieser Dokumente veröffentlicht; insbesondere sei auf die Ansprachen Pius XII. hingewiesen, die von ganz erstaunlicher Weitsicht zeugen. Gerade seine Darlegungen und Warnungen zeigen heute ihre völlige Richtigkeit und Berechtigung.

JV

 

1vgl. C.G. Jung: Die Bedrohung des Individuums in der modernen Gesellschaft, in: Gegenwart und Zukunft, 1957

2Jean Ousset: Patrie - Nation - Etat, Ed. Montalza 1965, S. 27. Er fährt fort: "Durch die Übertreibungen, durch das Wuchern des modernen Staates sind wir normalerweise versucht, so streng zu werden, daß unsere Auffassung von Staat sich verdunkelt hat, daß wir nicht daran denken, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist; ... das heißt: die wirklichen Verdienste, die unvergleichlichen Wohltaten, die unverzichtbaren Dienste eines dieses Namens würdigen Staates anzuerkennen. Wir sind unter dem Joch des revolutionären Etatismus dermaßen gebeugt, daß wir vom Staat nur noch negativ sprechen. Er ist jedoch eine der wertvollsten Wirklichkeiten des menschlichen Lebens. Wenn seine jetzigen Ausartungen ihn zu einem Zerstörer der Vaterländer, zu einem Unterdrücker der Völker machen, dann ist es nicht weniger ungerecht, wenn man vergißt, wie sehr der Staat, wenn er auf seine eigentliche Rolle zurückgeführt wird, von seiner Natur her der Lenker der Vaterländer, der Verteidiger ... sogar der Schöpfer der Völker ist." (Übers. durch uns)

3I Ethic., lect. 1, Nr. 4

4vgl. Johannes XXIII., Enzyklika "Mater et Magistra".

5Hl. Thomas: De regimine principum, l. 1, Kap. 14,3. Im selben Text stellt der hl. Thomas klar: "Nun ist aber ein gutes Leben ein Leben nach der Tugend. Ein Leben nach der Tugend ist also das Ziel der menschlichen Gesellschaft."

6hl. Thomas von Aquin, I. Polit., lect 1., § 3

7Herder-Lexikon Politik, Freiburg 1977

8Papst Pius XII: Rundfunkbotschaft an die Welt, 24. Dezember 1944, dt.: Michael Chinigo (hg), Cajetan Freund (Übers.): Der Papst sagt. Lehren Pius' XII. Frankfurt 1955, S. 299

9M. de la Bigne de Villeneuve, Principes de sociologie politique et de statologie générale, Ed. Sirey, Paris 1957, S. 90, Übersetzung durch uns.

10Pius XII.: Rundfunkbotschaft vom 24. Dezember 1942 (Übers. durch uns). In einer anderen Ansprache faßt der Papst diesen Begriff genauer: "Das Allgemeinwohl bedeutet die Einrichtung normaler und stabiler öffentlicher Bedingungen, welche sowohl für die Individuen als auch für die Familien so geartet sind, daß es nicht schwierig ist, ein würdiges, glückliches Leben nach den Gesetzen Gottes zu führen, dieses Allgemeinwohl ist Sinn und Ziel des Staates und seiner Organe." (Ansprache an das römische Patriziat, 8. Januar 1947, Übers. durch uns). In seinem "Essai über die Theorie des Naturrechts" definiert er in Deutschland praktisch unbekannte Jesuit Luigi Taparelli das Allgemeinwohl als "die Übereinstimmung des gesellschaftlichen Lebens mit den Plänen des Schöpfers" (Nr. 734, Übers. durch uns).

11"Es liegt in der Natur der zivilen Gewalt, daß sie dazu eingesetzt und notwendig ist, für das Allgemeinwohl Sorge zu tragen, für jenes höchste Ziel, das am Beginn der menschlichen Gesellschaft steht" (Papst Leo XIII., Enzyklika Au milieu des sollicitudes, 16. Februar 1892, Übers. durch uns) - "Betätigen soll die Regierung sich aber zum Nutzen aller Bürger, weil nur darum den Herrschern die Gewalt gegeben ist, daß sie das Wohl des Staates wahrnehmen. Unter keiner Bedingung darf darum die Staats­gewalt dem Sonderinteresse des einen oder mehrerer dienen; zum Besten der Gesamtheit ist sie bestimmt." (Papst Leo XIII., Enzyklika Immortale Dei 1885

12Papst Pius XII., Enzyklika Summi Pontificatus, 20. Oktober 1939. Der Papst betont, daß genau das die Seele des Staates ist. "Die Seele eines jeden Staates, welcher Art auch immer er sei, ist der innige, tiefe Sinn für das Gemeinwohl..." (Papst Pius XII., Rundfunkbotschaft an das schweizerische Volk, 15. September 1946).

13Papst Pius IX., Enzyklika Quanta Cura, 8. Dezember 1864

14Papst Pius XII., Rundfunkbotschaft an die Welt vom 24. Dezember 1944

15ebd.

16vgl. A. de Lassus, La doctrine sociale de l'Eglise dans la crise doctrinale actuelle, Beilage zur Nr. 134 der A.F.S., Dezember 1997, S. 80 f. Der Verfasser zeigt darin, daß Papst Johannes Paul II. der erste Papst war, welcher die Theorie der Gewaltenteilung übernahm, und zwar in der Enzyklika Centesimus annus 1991.

17zit. n. M. de la Bigne de Villeneuve, op. cit., S.93

18M. de la Bigne de Villeneuve, Lettres aux Constituants, Paris 1941, S. 67 f.

19Papst Pius XII., Rundfunkbotschaft vom 24. Dezember 1944

20Apg. 5, 29

21M. de la Bigne de Villeneuve, Principes de sociologie politique et de statologie générale, Ed. Sirey, Paris 1957, S. 97, Übers. durch uns.

22Papst Leo XIII., Au milieu des sollicitudes, Übers. durch uns

23l. Taparelli S.J., Essai théorique de Droit naturel, Nr. 920, Übers. durch uns

24ibid., Nr. 922

25Vgl. zu diesem Thema das Vorbereitende Schema für das 2. vatikanische Konzil über "Die Beziehungen zwischen Kirche und Staat und die religiöse Toleranz"

26Papst Leo XIII., Enzyklika Sapientiae christianae; vgl. hl. Thomas von Aquin, S. Th., Ia - IIae, q.90, a. 4

27Der hl. Thomas erklärt, daß es "zum Wesen des Gesetzes gehört, diejenigen, die ihm unterworfen sind, zur Tugend zu führen (...). Wenn die Absicht des Gesetzgebers sich auf das allgemeine Wohl richtet, welches durch die göttliche Gerechtigkeit geregelt ist, dann werden die Menschen durch das Gesetz gut." (S. Th., Ia - IIae, q. 92, a. 1.; Übers. durch uns))

28Der hl. Thomas erklärt, es sei "dem Gesetz eigen, jene zur Tugend anzuleiten, die ihm unterworfen sind (...). Wenn die Absichten des Gesetzgebers sich auf das allgemeine Wohl beziehen, welches durch die göttliche Gerechtigkeit geregelt ist, dann werden die Menschen durch das Gesetz zu guten Menschen" (S. Th., Ia - IIae, q. 95, a.1.; Übers. durch uns)

29http://civitas-institut.de/index.php?option=com_content&view=article&id=215:pius-ix-enzyklika-quanta-cura&catid=14:dokumente&Itemid=37

http://civitas-institut.de/index.php?option=com_content&view=article&id=74:papst-pius-xii--gesellschaft-staat-und-kirche&catid=14:dokumente&Itemid=37

http://civitas-institut.de/index.php?option=com_content&view=article&id=42:papst-pius-xi-quadragesimo-anno-die-gesellschaftliche-ordnung&catid=14:dokumente&Itemid=37

http://civitas-institut.de/index.php?option=com_content&view=article&id=20:enzyklika-rerum-novarum-&catid=14:dokumente&Itemid=37

http://civitas-institut.de/index.php?option=com_content&view=article&id=18:leo-xiii-immortale-dei&catid=14:dokumente&Itemid=37

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