Civitas Institut

Das stolze katholische Europa gibt es noch PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 20. April 2016 um 08:18 Uhr

Vor 1050 Jahren wurde der erste Herrscher Polens, Mieszko I., getauft. Das gilt historisch als die Geburtsstunde Polens. Präsident Andrzej Duda hielt am 15. April in Posen während einer außerordentlichen Sitzung des Sejm, des polnischen Parlaments, in Anwesenheit in- und ausländischer, kirchlicher und weltlicher Würdenträger eine Rede, die wir hier wiedergeben wollen, weil sie so ganz anders ist als das, was man von Staatsmännern anderer Länder zu hören gewöhnt ist: ganz ohne Frage eine große, eine kernkatholische Rede, deren intensive Lektüre wir sehr empfehlen.

„Die Taufe Mieszkos I. ist das wichtigste Ereignis der gesamten Geschichte des polnischen Staates und der polnischen Nation. Ich sage nicht: „es war“, ich sage: „es ist“, denn die Entscheidung, die unser erster historischer Herrscher getroffen hat, hat die ganze Zukunft unseres Landes vorherbestimmt. Unser christliches Erbe formt weiterhin die Geschicke Polens und eines jeden von uns, von uns, dem polnischen Volk, bis auf den heutigen Tag. Das hatte der Heilige Vater Johannes Paul II. im Sinn, als er bemerkte: „Ohne Christus kann man die Geschichte Polens nicht verstehen.“

Die Tradition will, dass die Taufe des Häuptlings der Polanen am Samstag, dem 14. April 966 stattfand. Und genau in diesem Augenblick wurde Polen geboren. Es ging aus dem Taufwasser für ein neues, ein christliches Leben hervor. Polen ist für die Welt geboren, trat aus der Vorgeschichte heraus, um in die Arena der europäischen Geschichte einzutreten. Und Polen wurde für sich selbst geboren: als nationale und politische Gemeinschaft, denn die Annahme des lateinischen Ritus der Taufe hat unsere polnische Identität bestimmt. Von dieser Zeit an haben wir begonnen, von uns selbst als von „uns, den Polen“ zu sprechen.

Zu dieser Zeit haben wir „ja“ zur Freiheit und zur Selbstbestimmung gesagt. Wir haben gezeigt, dass wir in der Lage waren, unsere Nation und unseren eigenen Staat zu erbauen und für sein Wohlergehen zu sorgen. Ihn zu errichten, zu verteidigen und für ihn zu sterben. Es war nicht vorherbestimmt, dass dieses Werk gelingen sollte, daß sich eine Gemeinschaft bilden sollte. Und doch wurde die Arbeit von Erfolg gekrönt. Eine Gemeinschaft hat sich mit Erfolg auf dem Fundament des Glaubens aufgebaut, der seither, von unserer Identität untrennbar, in unserer Geschichte so oft der wichtigste und letzte Schild der Freiheit und des Zusammenhalts war. Indem sie sich taufen ließen, haben unsere Vorfahren jenen Kern definiert, um den herum die großartige polnische Nation sich bilden sollte. Und in den dunkelsten Augenblicken, in denen unsere Feinde versuchten, die Kirche zu zerstören, damit die Grundlagen unserer polnischen Identität zusammenstürzten, bekämpfte das polnische Volk dieses Ziel und versammelte sich in den Tempeln, folgte seinem Gemeinsinn und legte so für die ewige Weisheit der einst von unseren Vorfahren getroffenen Entscheidung Zeugnis ab.

Deshalb ist das Jahr 966 der wichtigste Bezugspunkt unserer Geschichte. Durch unsere feierliche Zeremonie an diesem Tag begehen wir den 1050. Jahrestag der Geburt unserer Nation und unseres Vaterlandes. Das ist eine ganz besondere Ehre und eine große Freude, dass wir hier alle in Posen zusammengekommen sind, dem Sitz des ersten Bistums auf polnischem Boden; mit den höchsten Würdenträgern der Republik, dem Episkopat und dem Klerus der katholischen Kirche und den anderen christlichen Gemeinschaften; mit den Vertretern zahlreicher befreundeter Länder Europas und der ganzen Welt, um die Feier dieses ehrwürdigen Jubiläums zu begehen. Ich danke allen unseren verehrten Gästen und heiße sie willkommen.

Es ist dieses ein großer Augenblick der Feier des „polnischen Geistes“, welcher die Quelle unseres Stolzes und unserer Freude ist. Sie wird in den kommenden Monaten im ganzen Land fortgesetzt werden. Sie wird mit dem Polenbesuch Franziskus' und den Weltjugendtagen enden. Ich bin überzeugt, dass dieses dank der großen Anstrengungen der Organisatoren, dank eines aktiven Engagements von tausenden von Helfern die Gelegenheit einer spirituellen Erfahrung ohnegleichen sein wird.

Am Beginn dieser Jubiläumsfeierlichkeiten richten wir unseren Blick auf die vorherige Feier, jene Jahrtausendfeier der Taufe Polens im Jahr 1966. Für das ganze Volk war das eine außerordentliche Erfahrung und ein in seiner Art einzigartiges Ereignis für ganz Mittel- und Osteuropa.

Wir, das polnische Volk, haben 27 Jahre hindurch gekämpft, zunächst unter einem von den Kräften der deutschen Besatzung, dann von den Kommunisten nach dem Krieg aufoktroyierten Regime. Das erste und das zweite Regime haben auf dieselbe Weise daran gearbeitet, das Band zwischen unserer Nation und der Kirche zu schwächen und zu zerreißen. Sie hatten begriffen, dass sie auf diese Weise die Grundlagen unserer Gemeinschaft erschüttern würden, daß eine Nation, die ihrer spirituellen Verankerung beraubt würde, ganz schnell in eine unterdrückte Masse umgeformt werden könnte. Der blutige Terror der Nationalsozialisten diente diesem Ziel, die Kommunisten, die nach dem Krieg an der Macht waren, strebten danach, dass das polnische Volk sich vom Christentum abwende. Sie verkündeten eine atheistische Ideologie, verfolgten Priester und Gläubige. Sie gingen sogar soweit, den Primas von Polen zu inhaftieren. In diesen Tagen hatte Stefan Kardinal Wyszynski die Eingebung, die polnische und christliche Identität der Nation gegen die Indoktrination und die Unterdrückung zu schützen, indem er große nationale Exerzitien organisierte. Sie wurden 1956 in Jasna Góra durch den Schwur der polnischen Nation eröffnet, ein direkter Bezug auf die von König Johann II. Kasimir in Lwow 300 Jahre zuvor abgelegten Schwüre. Dann folgte eine neunjährige Novene, um das Volk auf die Feierlichkeiten des Jahrtausendjubiläums vorzubereiten.

Vor fünfzig Jahren begannen die Feierlichkeiten zum Jahrtausendjubiläum der Taufe Polens. Am 3. Mai nahmen 250 000 Gläubige auf der Wiese des Heiligtums von Jasna Góra an der Gedenkfeier teil. Die Feierlichkeiten dauerten ein ganzes Jahr und versammelten eine unzählbare Menge von Polen. Außerdem wurde das Jubiläum von jenen mehr als 50 000 ausgewanderten Polen in London und in Chicago, Rom und Paris, selbst in so weit entfernten Gegenden wie Australien und Neuseeland gefeiert.

Man kann ganz sicher sein, dass dank der Initiative des Primas des Milleniums die gesamte polnische Nation ihre Bindung an ihr christliches Erbe verstärkt hat. Und das geschah trotz der Behinderungen durch das kommunistische Regime, welches beispielsweise eine Kopie der Ikone Unserer Lieben Frau von Jasna Góra „verhaftet“ hatte,um die Gläubigen zu provozieren, damit sie in Konflikte mit der Polizei geraten sollte, welche versuchte, den Zugang zu den Feierlichkeiten zu blockieren und ihren Verlauf zu stören und schließlich auch eine Gegenveranstaltung aus Anlass des ersten Jahrtausends des Staates zu organisieren, an der das Personal der Fabriken und Institutionen teilnehmen musste.

Die Jahrtausendfeierlichkeiten von 1966 und die besondere Rolle, welche der Primas des Milleniums, Kardinal Wyszynski, dabei spielte, haben die ewige Bedeutung der Taufe von Mieszko I. und die einheitsstiftende Kraft des Christentums für unser Volk überaus deutlich gemacht. Die Nation hat den falschen Slogan: „Die Volksrepublik Polen ist die Krönung des Milleniums unseres Staates“ verworfen. Und das polnische Volk wurde auch nicht durch die Propagandainitiative getäuscht, zum Gedenken an das Millenium tausend Schulen zu bauen, trotz der Tatsache, dass dadurch gute und für die Entwicklung und Verbesserung des Schulwesens wichtige Ergebnisse erzielt wurden. Die Polen wählten die Treue zur Kirche, die wahre Vaterlandsliebe und die Hoffnung auf die Wiedererlangung der Freiheit. Die Autorität der Bischöfe und der Priester wurde gestärkt. Das Lebenswerk von Primas Wyszynski öffnete den Weg zum Pontifikat des Heiligen Vaters Johannes Paul II. und zur friedlichen Revolution von Solidarnosc.

Meine Damen und Herren,

Die Jahrtausendfeier hat uns den Sinn der Souveränität in seiner grundlegendsten Dimension aufgezeigt: als freies Volk, als freie Bürger. Die zahlreichen Initiativen, die von den Pfarrgemeinden für die Verteidigung ihrer Priester und ihrer Kirchen während der gesamten Zeit der Volksrepublik ergriffen wurden, das totale Engagement der Gläubigen, welche die illegale Errichtung neuer Kirchen zum Ärger der Behörden verfolgten, die spontanen Anstrengungen, sich zu organisieren und die massenhafte Teilnahme an den Feierlichkeiten von 1956 und 1966, all das hat bewiesen, dass es in unserem Volk einen starken Freiheitswillen gibt, eine Kraft, deren Ursprünge in unserer gemeinsamen nationalen und christlichen Identität zu finden sind. Eine Kraft, die sich mehrfach in unserer Geschichte der letzten Jahrhunderte manifestiert hat, die uns geholfen hat, die schwierigsten Erfahrungen durchzustehen: den Verlust der bürgerlichen Freiheiten und eines unabhängigen Staates, die Versuche, unser Volk zu entnationalisieren und zu entchristlichen. Eine Kraft, die uns in der Konfrontation mit unseren Feinden, den Mächten der Auflösung, den Besatzungsmächten getragen hat und uns dazu geführt hat, zu gewinnen und wieder aufzusteigen als noch stärkere und noch einigere Nation.

Auf diesen unbesiegbaren nationalen Geist waren wir immer stolz und werden wir immer stolz sein. Wir können und wir wollen aus diesem unserem großen Schatz Nutzen ziehen. Für uns ist das auch eine Lehre für die Zukunft: dass nämlich wir, das polnische Volk, große Dinge vollbringen können, sehr große Dinge, wenn wir nur zusammenarbeiten in Übereinstimmung mit den Werten, die uns einen. Die Werte, die ihren Ursprung in dem unlösbaren Band zwischen dem polnischen Geist und seinen christlichen Wurzeln haben.

Vor eintausend und fünfzig Jahren hat sich Polen der christlichen Gemeinschaft jener Zeit angeschlossen. Polen tat das aus eigenem Willen, es war sich der Vorteile bewusst, die dieser Akt ihm eintrug, darin eingeschlossen die politischen Vorteile. Dank der visionären Entscheidung Mieszkos hat die Christianisierung der Entwicklung Polens einen mächtigen Impuls gegeben. Der Staat gewann eine solidere Basis, auf welcher seine Sicherheit und seine Souveränität aufgebaut werden konnten. Im Laufe der Zeit ist er immer moderner geworden, effizienter regiert worden, auf eine im Inneren immer geschlossenere Weise.

Die Verkünder der Frohen Botschaft haben dem polnischen Volk einen riesigen Schatz an geistlichen Reichtümern geöffnet, als sie die christliche Sicht auf den Menschen in unsere Kultur eingebracht haben. Seit dem Ende des 10. Jahrhunderts sind die Zehn Gebote und das Evangelium immer tiefer in Millionen Herzen an den Ufern der Warthe und der Weichsel, der Oder und des Bug, der Memel und des Dnjepr verwurzelt. Sie waren die Motivation, eine bessere, menschlichere Welt zu errichten. Deshalb war unser Beitritt zur christlichen Zivilisation in ihrem lateinischen Ritus für uns ein wahrer Schritt nach vorn.

Die drei Säulen, auf denen diese Zivilisation ruht, wurden so auch zu den Säulen der polnischen Identität und der polnischen Kultur.

Die erste dieser Säulen war und bleibt die griechische Philosophie oder die Liebe zur Weisheit. Und das ist der Vorrang der objektiven Wahrheit. Exakte Instrumente, um diese Wahrheit zu untersuchen und zu analysieren. Ein festes Fundament für die Entwicklung aller Wissenschaften bis auf den heutigen Tag.

Die zweite Säule war und bleibt das römische Rechtsdenken und die Auffassung von Regierung. Der Gedanke des Vorrangs des Rechts. Die Vorstellung von einer Republik, das heißt von einem Staat, der ein gemeinsames Gut der Bürger ist, die ihn lenken. Es ist auch der Bürgersinn, eine Ethik der Privilegien, die mit Verantwortlichkeiten verbunden sind. Das sind Grundsätze, die sich im Laufe der Jahrhunderte bewährt haben, Grundsätze, die gleichermaßen die Basis für das bürgerliche Recht, das Strafrecht, das Prozeßrecht und das moderne nationale Recht bilden.

Die dritte Säule war und bleibt der Kern des christlichen Denkens: das Alte und das Neue Testament, die Zehn Gebote und das Evangelium. Diese neue, revolutionäre Sicht der Menschheit als eine Familie, als eine Gemeinschaft aus Schwestern und Brüdern, die vor dem Vater und seinem Moralgesetz gleich sind. Das ist auch ein Aufruf zum Frieden, zur Reue über alles begangene Übel und zur Vergebung alles Unrechten, das man erlitten hat. Das Gebot, der menschlichen Person den Vorrang zu geben vor allen Dingen, vor niedrigen materiellen Interessen und vor der Besitzgier. Der Schutz der Schwächsten, ein Appell an die Solidarität, den Bedürftigen zu helfen, und das großartige Prinzip der Subsidiarität. Es ist die Anerkennung der Würde der Frauen und des Beitrags, den sie in den verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens leisten. Der Gedanke der Regierung und des höheren Ranges als Dienst, und der Glaube, dass die Regierenden ebenfalls einem moralischen Urteil unterworfen sind. Das Christentum ist auch ein einzigartiges Konzept der Unterscheidung zwischen dem Sakralen und dem Profanen, zwischen dem, was göttlich ist und dem, was Caesar gehört, der Gedanke der Autonomie,aber zugleich der Zusammenarbeit zwischen den geistlichen und weltlichen Autoritäten. Es sind auch die Einrichtungen wie die Universität, die Schule, das Krankenhaus und das Waisenhaus. Es ist eine neue Sicht der militärischen, medizinischen und wirtschaftlichen Ethik. Schließlich, als letzter, aber sicher nicht geringster Punkt, sind es die großen Leistungen in Kunst und Wissenschaft jener Künstler, die durch das Christentum inspiriert wurden: Maler, Architekten, Musiker und Dichter.

Somit sollte es für niemanden eine Überraschung sein, dass sich im Rahmen dieser besonderen Zivilisation Gedanken und Phänomene entwickelten wie das Konzept der unveräußerlichen Menschenrechte als unantastbare Rechte eines jeden Menschen, der Konstitutionalismus, der demokratische Rechtsstaat, die Arbeiterbewegung, der moderne Geist der öffentlichen Auseinandersetzung. Alles das ist tief im christlichen Erbe verwurzelt.

Heute sind nicht mehr nur Athen, Rom und Jerusalem die Grenzen dieser Zivilisation. Dank der Anstrengungen von 30 Generationen von Polen wurden der Karte der Christianitas neue, wichtige Zentren hinzugefügt.

Zum Beispiel Gnesen, wo die Reliquien des heiligen Adalbert ruhen, der den Glauben mit Worten und nicht mit dem Schwert verbreitete.

Thorn und Frauenburg, die mit Nikolaus Kopernikus verbunden sind, dem Kanzler des ermländischen Kapitels, Autor eines der größten Fortschritte in der Geschichte des menschlichen Denkens.

Krakau, die Stadt des heiligen Bischofs Stanislaus von Szczepanów, ein mutiger Förderer des Gedankens der moralischen Pflichten der Staatsmacht, die Stadt und Universität Krakau und des hochwürdigen Paulus Vladimiri, eines der bemerkenswertesten Theoretikers der religiösen Toleranz.

Es ist das Krakau von Karol Wojtyła, des heiligen Papstes Johannes Paul II., der den Eintritt der Kirche ins dritte Jahrtausend im Vollsinn des Wortes geprägt hat.

Posen, die Bischofsstadt von Mgr. Wawrzyniec Goślicki, im 16. Jahrhundert Verfasser einer originellen Auffassung von Regierung, die zu einer der inspirierenden Quellen für die Verfasser der amerikanischen Verfassung und zahlreicher anderer Gegner einer rechtsfreien Monarchie wurde.

Brest-Litowsk, jener Ort, an dem eine kirchliche Union geschlossen wurde, eine der wichtigsten Bemühungen, den christlichen Westen und den christlichen Osten zu versöhnen.

Tschenstochau, jene Stadt, die man gesehen haben muss, um den besonderen Status und den Respekt zu kennen, den die Frauen in Polen genießen. Die Stadt, in der Bogurodzica, die Mutter Gottes, eine Hymne, die als die erste polnische Nationalhymne gilt und die weiterhin vor der Ikone Unserer Lieben Frau von Jasna Góra gesungen wird, vor dem am meisten verehrten Kultobjekt in Polen.

Warschau, die Hauptstadt eines Staates ohne Scheiterhaufen und Religionskriege. Die Stadt, in welcher der Sejm der polnischen Krone die Konföderation von Warschau angenommen hat, den ersten Gesetzgebungsakt der Welt, der allgemeine religiöse Toleranz garantierte. Warschau, der Sitz König Johanns III. Sobieski, des Siegers der Schlacht von Wien, und die Stadt, an deren Peripherie eine Invasion der kommunistischen Barbarei nach Europa 1920 aufgehalten wurde. Hunderte solcher Ortschaften gibt es, insbesondere in der alten ostpolnischen Grenzregion, in der die ethnischen Minderheiten in Frieden miteinander lebten.

Und schließlich der letzte, aber nicht unwichtigste Punkt, das sind die Ortschaften, die mit dem Leben und Schaffen unserer zahlreichen Landsleute verbunden sind, weltweit bekannte Künstler, Schriftsteller, Wissenschaftler und Erfinder, diese Menschen, die so bemerkenswert ihre Dankesschuld an die Kultur abgetragen haben, welche sie geformt hat.

Die christliche Zivilisation, die im Laufe der vergangenen 1050 Jahre auch vom polnischen Volk mit großer Hingabe mitgeschaffen und verteidigt wurde, ist das Ergebnis der Titanenarbeit und des Kampfes von Millionen Menschen, das Ergebnis zahlreicher Forschungen und Experimente, historischer Versuche und Irrtümer. Es ist eine reife Schöpfung, eine universale Schöpfung, die eine mächtige Wirkung auf die Menschheit in ihrer Gesamtheit hat. Das ist kein Fossil. Sie entwickelt sich organisch weiter. Sie braucht ihre jungen Blätter und Triebe ebenso, wie sie ihre tiefen Wurzeln braucht. Und sie braucht auch einen Stamm, der die natürliche Synthese zwischen Alt und neu ist.

Man kann einen Baum fällen. Man kann seine Wurzeln vergiften und zusehen, wie er stirbt. Dazu braucht es weder viel Zeit noch große Anstrengung. Einen neuen Baum zu pflanzen und zu warten, bis er sich entwickelt und Früchte trägt, das ist ein langer Prozess. Das ist der Grund, warum er Preis für die Zerstörung der Grundlagen unserer Zivilisation und für den Versuch, sie durch andere, unzusammenhängende und nur grob umrissene Konzepte zu ersetzen, immer enormes Leiden und Zerstörung war und immer sein wird. Das wurde durch das 20. Jahrhundert und seine beiden ideologischen Projekte ganz klar erwiesen, durch den Kommunismus und den Nationalsozialismus mit ihren entsetzlichen Folgen.

Das 21. Jahrhundert hat uns ganz schnell vor neue und schwierige Herausforderungen gestellt. Im planetarischen Dorf hat die natürliche Rivalität zwischen den verschiedenen Modellen der Zivilisation eine bisher ungekannte Intensität erreicht. In Polen wie in Europa gibt es Debatten über die Art und Weise, diesen Herausforderungen entgegenzutreten. Ich persönlich glaube, dass das, was man in dieser Situation tun muss, zunächst einmal das Vertrauen in die Kraft unserer Identität ist, dass man aus dem reichen Schatz der Gedanken, der Erfahrungen und der Lösungen schöpfen muss, die aus den beiden Strängen zweier großer Traditionen entwickelt wurden: aus der griechisch-römischen und der jüdisch-christlichen.

Danach müssen wir unser Handeln ausrichten.

Es ist ja die erste Pflicht des Präsidenten, des Senats, des Sejm und der Regierung der Republik Polen, sich mit der Gegenwart zu beschäftigen. Die Sorge, ein Polen und ein Europa zu sichern, in dem die Würde, die Rechte und die Erwartungen aller Bürger respektiert und geschützt werden. Die Sorge, ein Polen und ein Europa zu sichern, wo die Solidarität und der Gemeinsinn den Vorrang haben vor der Rivalität und dem Spiel der Interessen. Es ist unterdessen auch unser aller ebenso wichtige Hauptsorge und Aufgabe, eine gute Zukunft zu sichern. Die Sorge dafür, darauf zu achten, dass unser Erbe an Toleranz und Offenheit, unsere Freiheit und unsere materielle wie spirituelle Kraft bewahrt belieben und sich weiter entwickeln können.

Meine Damen und Herren,

Wir sind heute hier versammelt. Im Posen des Piastengeschlechts, in der Wiege unseres Staates und unserer Nation, der Wiege unseres Volkes, um den 1050sten Jahrestag der Taufe Mieszkos zu begehen. Wir sind hier, weil wir um die Verantwortung wissen, die wir tragen. Unsere Verantwortung zugleich gegenüber der Geschichte wie gegenüber den künftigen Generationen von Polen.

Am Vorabend des Beitritts Polens zur Europäischen Union unterstrich Papst Johannes Paul II., dass dieses eine ausgezeichnete Gelegenheit für unsere Nation sei, den Westen spirituell zu bereichern, denselben Westen, der uns einst den christlichen Glauben gebracht hat. Europa braucht Polen, und Polen braucht Europa, erklärte der Heilige Vater. Und deshalb möchte ich, um unseren vorausschauenden Vorgängern von vor 1050 Jahren die Ehre zu erweisen, heute kategorisch sagen, dass, in Übereinstimmung mit den Weisungen unseres großen Landsmannes, Polen seinem christlichen Erbe treu ist und treu bleiben wird. Denn in diesem Erbe haben wir eine solide und bewährte Grundlage für die Zukunft.“

(Übers.: JV, der sich fragt, ob er jemals solche Worte von seinen Politikern gehört hat, und der sich nicht mehr fragt, warum die aktuelle polnische Regierung von gewissen Mächten verleumdet und mit Hass verfolgt wird. Ein patriotisches polnisches Lied beginnt, frei übersetzt, mit den Worten: „Gott, der du Polen treulich hast geführet“; seine Melodie ist ein altes französisches Marienlied... . Sonst noch Fragen?)

 

Zeitschrift

Newsletter

Aktuell online

Wir haben 81 Gäste online

Termine


Aktuell stehen keine Termine an.

PayPal-Spende

Jedes Engagement, jede Aktion hat auch eine finanzielle Seite, die unsere Einsatzmöglichkeiten begrenzt. Um uns zu helfen, unsere Ausstrahlung zu vergrößern oder unseren Einsatz zu vervielfältigen benötigen wir Ihre finanzielle Unterstützung.
Herzlichen Dank für Ihre Spenden!