Civitas Institut

Die Universalität des Christentums – gleichbedeutend mit Globalismus? PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 26. Januar 2017 um 11:20 Uhr

Nach unserem Glauben stammen wir alle von dem gleichen Stammelternpaar ab, und das Christentum ist eine universale Religion. Im Galaterbrief lesen wir: „Da gilt nicht mehr Jude und Hellene“ (Gal. 3, 28). Und an die Kolosser heißt es: „Da gilt nicht mehr Hellene und Jude, nicht Beschneidung und Unbeschnittensein, nicht Barbar, Skythe, Knecht, Freier, sondern alles und in allem Christus“ (Kol. 3, 11). Ist das nun ein extrem frühzeitiger Aufruf zur Globalisierung, der sich gegen nationale Eigenheiten, Besonderheiten, also gegen Realitäten richtet?

In seinem Textzusammenhang erklärt sich der eben zitierte Satz aus dem Brief an die Galater besser: „Denn ihr seid alle Söhne Gottes durch den Glauben in Jesus Christus, alle nämlich, die ihr auf Christus getauft wurdet, habt das Gewand Christi angezogen. Da gilt nicht mehr Jude und Hellene, nicht Sklave und Freier, nicht Mann und Frau, denn alle seid ihr eins in Christus Jesus“.

Der Apostel bezieht sich hier ganz klar auf eine übernatürliche Ebene. Er ist in keiner Weise ein früher Verkünder der Gender-Theorie, wenn er sagt, es gebe nicht mehr Mann noch Frau. Er sagt damit ganz einfach, dass alle Getauften zur selben Würde und zur selben übernatürlichen Reinheit berufen sind.

Nachdem die Apostel an Pfingsten den Heiligen Geist empfangen hatten, begannen sie, zu predigen, und jeder hörte sie in seiner Sprache reden: Parther, Meder, Elamiten usw., eben in der Sprache jenes Landes, in dem sie geboren worden waren. Der Heilige Geist unterstützt also unsere armseligen, nachbabylonischen menschlichen Sprachen und somit indirekt die Völker, für welche die Sprache eines der wichtigsten Bestandteile ihrer Identität ist. Die Verkündigung der Frohen Botschaft bedeutet also keineswegs das Verschwinden der einzelnen Völker.

Und Jesus selbst zeigte ja auch eine bewegende Verbundenheit mit seinem Volk, als er über das Schicksal Jerusalems weinte: „Als er näherkam und die Stadt erblickte, weinte er über sie. (…). Denn es werden Tage über dich kommen, da deine Feinde einen Wall um dich aufwerfen und dich einschließen und bedrängen werden von allen Seiten. Sie werden dich niedermachen und deine Kinder in dir und nicht Stein auf Stein lassen, weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast.“ (Lk. 19, 41-44).

In der klassischen Gesellschaftslehre ist das Gemeinwesen und dann das Volk eine Erweiterung der Familie, gewissermaßen eine Familie der Familien. Sie beruht auf einer biologischen Grundlage einer auf einem bestimmten Gebiet lebenden Bevölkerung. Nomadische Völker stehen erst am Anfang und sind noch nicht in der Lage, Staaten zu bilden. Das eklatanteste Beispiel ist der Staat Israel, der sich erst konstituieren konnte, als er über eine territoriale Grundlage verfügte. Das Christentum hat diesen Zusammenhang zwischen Staat und Staatsgebiet immer bestätigt. Staatsgebiet und Staatsvolk sind die Elemente, die eine Nation ausmachen. Sie sind aber nicht dessen Seele. Die Seele eines Volkes ist das, was dieses Volk von anderen unterscheidet: ein unter anderem kulturelles, intellektuelles, moralisches, ästhetisches Erbe, das im Laufe der Zeit entstanden ist und das Gemeingut dieses Volkes ausmacht. Diese Seele ist aber auch der Plan Gottes für jedes Volk, dem er einen eigenen Schutzengel gegeben hat: den hl. Erzengel Michael für Deutschland und Frankreich, oder auch den Schutzengel Portugals, der den Seherkindern von Fatima erschien. Wie jeder einzelne Mensch, so hat auch jedes Volk im Plan Gottes seine besondere Bestimmung.

Das heute so verpönte Wort „Vaterland“ hat einen direkten Bezug auf die (Vor)Väter, auf die Vorfahren. Es zeigt auch, dass es hier um ein materielles und immaterielles Erbe geht, welches ein jeder von uns bekommen hat – ein Erbe, das im Inneren durch Veruntreuung und von außen durch Zerstörung bedroht ist, z.B. als Folge einer Invasion, einer militärischen Niederlage, einen Völkermord usw. Diese jeweilige Bedrohung wird von manchen Menschen anders gesehen als von anderen. Für die einen ist „Volk“ oder „Nation“ nichts anderes als eine vertraglich geregelte Beziehung zwischen Lebenden (eben einer „Bevölkerung“), die sich um die Vergangenheit nicht schert. Für die anderen ist sie so etwas wie eine ständige Volksabstimmung, die Erinnerung an eine gemeinsame, manchmal großartige und manchmal grauenhafte Geschichte und der Wille, weiterhin geschichtlich zu handeln. Somit ist „Volk“ oder „Nation“ vor allem ein Erbe, für das ein jeder sowohl vor den vergangenen Toten wie vor den zukünftig Lebenden verantwortlich ist.

Die „Bevölkerung“ gründet sich auf das Mantra des „Zusammenlebens“; sie ist voller großer Konflikte in einer (in unserer?) Gesellschaft, die sich ihrer Identität, ihrer Kultur unsicher ist und infolgedessen immer mehr davon aufgibt, ohne nennenswerte Gegenwehr im Angesicht einer Lebensweise, welche solche Unsicherheit überhaupt nicht kennt – ganz im Gegenteil.

Es ist eine Tatsache (und das ist auch gut so), dass sowohl die, welche ihrer Kultur treu sind als auch die, welche ihr eben nicht treu sind, immer Erben dieser Kultur sind. Die Anerkennung, die Annahme dieser Verpflichtung, die wir gegenüber unseren Vorfahren haben, trägt den schönen Namen „Pietät“, und diese Pietät öffnet uns die Tür in die Zukunft, weil sie uns sagt, woher wir kommen. Dadurch sagt sie uns auch, wer wir sind und welches legitimerweise unser Weg ist. Alles andere ist nichts als Spreu, die vom  Wind fortgeblasen wird, von einem Wind, der seiner Natur nach nämlich wechselhaft und (wie die Geschichte zeigt) flüchtig und nur allzu oft auch trügerisch ist.

Um mit den Anfangsüberlegungen zu schließen: nirgendwo ist die Rede davon, dass das Christentum die Völker und ihre Eigenarten auflösen will oder soll. Ganz im Gegenteil: es wird aus Deutschen bessere Deutsche, aus Polen bessere Polen, aus Franzosen bessere Franzosen und, ja: aus Chinesen bessere Chinesen, aus Japanern bessere Japaner, aus Koreanern bessere Koreaner machen.

JV

 

 

 

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