Civitas Institut

Europas wahre Größe – ein Bekenntnis PDF Drucken E-Mail
Sonntag, den 26. März 2017 um 15:31 Uhr

Großbritannien verläßt „Europa“. In den Niederlanden und anderswo soll es ähnliche Absetzbewegungen geben. Eine seltsame Vorstellung: wozu gehören diese Länder denn dann, wenn sie Europa verlassen? Bilden sie einen neuen Kontinent? Eine neue Zivilisation? - Sogenannte „rechte“ Gruppen reklamieren „Europa“, seine Geschichte, seine Zivilisation für sich. Ist das dann das wahre Europa? Ein Europa mit Zukunft?

Ja. Ich liebe dieses Europa. Aber es ist nicht das Europa der „EU“, nicht das Europa der „Rechten“, sondern jenes Europa, das zutiefst in der Wahrheit des christlichen Glaubens verwurzelt ist, dessen Wurzeln seine Identität geformt haben. Das strahlende Licht dieses Europas ist das Licht der Welt, ist Jesus Christus.

Das Europa, das ich liebe, ist ein Europa der Völker, jener Völker, welche „Gedanken Gottes“ sind und deren Kultur um so schöner ist, als sie durch den Einfluss des Christentums veredelt, geadelt worden ist. Ja: es ist offensichtlich, was diese Kultur leisten kann und dass sie sich verteidigen muss. Europas Identität, seine Kultur, seine Traditionen und Leistungen sind wertvolle Güter. Allein: das genügt nicht.

In meinem Europa gibt es schöne junge Menschen, es gibt wunderbare junge Frauen, junge Familien. Aber nicht nur.

Mein Europa ist das Europa der Jungen und der Alten, der Häßlichen und der Schönen, der Kranken und der Gesunden, der geistig Behinderten und der Genies. Es ist das Europa der ganz normalen Männer und Frauen, die eine so reiche gemeinsame Vergangenheit haben. Auch wenn ihnen das heutzutage kaum noch bewusst ist: sie sind unausweichlich von dem Gedanken geprägt, dass eine Zivilisation sich danach bemisst, wie sie mit ihren Schwachen, mit den Schwächsten, mit den Kleinsten umgeht. Hat sie das vergessen? Ja. Und die Machtbesessenheit und das moralfreie Tun des Möglichen lässt sie noch viel tiefer sinken.

Mein Europa ist das Europa der Menschenwürde aller Menschen in den Augen Gottes, eine Würde, die dem Menschen aus seiner unsterblichen Seele kommt, aus dem Anruf Gottes, ein Kind Gottes zu werden und ewig mit ihm zu leben.

Mein Europa, das ist jenes Europa, das sich aufgemacht hat, dieses Evangelium bis an die Grenzen der Erde zu verkünden, denn diese Wahrheit ist allgemein gültig, sie gilt für jedes menschliche Wesen in den Wäldern des Nordens und in den Steppen Asiens, in der Sahara ebenso wie in den Bergen und Ebenen Patagoniens, in Jerusalem, Athen oder Rom.

Mein Europa hat sich an die Eroberung der Welt gemacht. Aber es hat auch versorgt, ernährt, geholfen, bekehrt. Es hat die Welt einem Heidentum entrissen, das tönerne Götzenbilder verehrte und Menschenopfer darbrachte, damit es regnen oder damit die Sonne scheinen sollte. Europa hat den Wert der menschlichen Person aufscheinen lassen, und dieser Wert kommt nicht von der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft oder einer gemeinsamen Kultur, sondern von seiner Einzigartigkeit, Unersetzlichkeit, von Leib und Seele, die zur Gotteserkenntnis fähig und zum ewigen Heil berufen sind.

Mein Europa lässt deshalb jedem Einzelnen, jedem Volk, jeder Kultur die Eigenart, mit der Gott sie ausgezeichnet hat, es veredelt sie im Hinblick auf ihr irdisches und, vor allem, ihr himmlisches Ziel. Das ist die Aufgabe Europas in der Geschichte.

Mein Europa kennt den Wert und den Sinn des aufgeopferten Leidens, die Größe der hingenommenen Schwäche und des Gehorsams gegen Gottes Gesetz; es kennt das Licht des Erbarmens und des Mitleids.

Mein Europa vergöttert eben nicht die Jugend und die Kraft. Mein Europa ist leidenschaftlich auf der Suche nach der Wahrheit. Und wenn es diese Wahrheit gefunden (oder wiedergefunden) hat, dann fällt es auf die Knie und betet an: so wie die Hirten in Bethlehem.

In meinem Europa ist die schönste aller Zusammenkünfte nicht ein Lagerfeuer irgendwo auf einer Waldlichtung in Erwartung des Sonnenaufgangs. Die schönste aller Begegnungen findet vor dem Altar statt, in der großartigsten Kathedrale wie in der bescheidensten Bambuskapelle im Busch, ganz zu schweigen von einem solchen heimlichen Zusammentreffen im Gefängnis oder Lager eines totalitären Staates. Die schönste aller Zusammenkünfte ist die Anbetung des gekreuzigten Christus, erneuert durch die Hand des Priesters, ist das Gedächtnis seiner Auferstehung, die uns den Himmel geöffnet hat.

Jener Jesus Christus, der sein Blut vergossen hat – für mich, für viele, für die ungeborenen Kinder und für die Könige, für einfache Leute und auch für die, welche sich für eine Herrenrasse halten. Für die Weißen, die Schwarzen, die Gelben, die Latinos, die Maghrebiner. Das, bitte, ist die einzige wirkliche Begründung und Grundlage für eine universelle Menschheitsfamilie.

In meinem Europa leistet das fromme Rosenkranzgebet des kleinen schwarzen Mädchens irgendwo in einer winzigen Kapelle oder am Ufer irgendeines Flusses, davon bin ich überzeugt, mehr für Frieden und Gerechtigkeit als irgendwelche Werke, die vorgeben, ohne oder gegen Christus gleiches vollbringen zu wollen oder zu können. In meinem Europa, das so bedrückend traurig in den Händen seiner gottlosen oder götzendienerischen Feinde zu sein scheint, kommt die Antwort nicht von Parteiprogrammen, nicht von Absichtserklärungen, nicht von Ideologien, Umerziehungen oder Lagerfeuern nach Schulungstagungen an abgelegenen Orten, sondern einzig und allein vom Taufwasser, das aus dem Atheisten von gestern (oder aus dem Heiden, dem bekehrten Moslem...) meinen Freund, meinen Bruder macht.

In meinem Europa gibt es auch keine (in gewissen Kreisen übliche) Verehrung, gar Glorifizierung für den „rechten“ Schriftsteller Dominique Venner, der 2013 im Alter von 78 Jahren vor dem Altar in Notre-Dame de Paris sakrilegisch Selbstmord beging, an einem Ort, wo Christus sich nach wie vor für die Sünder opfert.

Mein Europa hat ein kleines jüdisches Mädchen aus Nazareth als Mutter, Schutzherrin und Vorbild. Gestern, am 25. März, haben wir mit der Kirche ihr „Ja“ gefeiert, ihr Ja zu Gott aus ihrer freien und liebenden Entscheidung heraus, seine bescheidene Dienerin zu sein, bereit zu sein, das Wort Gottes zu empfangen. Die unbefleckte Jungfrau, deren keuscher Schoß jenen trug, den selbst das Universum nicht fassen kann.

Das ist die wahre Größe Europas, die Sonne, die über Europa leuchtet, so viel mehr als jener Stern, der nur ein blasser Abglanz der Macht und der Güte des Schöpfers ist.

Maria, die Sternenbekränzte, die Siegerin über allen Hochmut von Institutionen und Ideologien – und zwar deshalb, weil sie Gottes Wort hörte und bewahrte.

Mein Europa.

JV

 

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