Civitas Institut

Buchbesprechung Igor R. Schafarewitsch: Der Todestrieb in der Geschichte. Erscheinungsformen des Sozialismus PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 10. August 2017 um 05:11 Uhr

„Demographisch, demokratisch, kulturell, moralisch und ökonomisch zehrt der Westen heute von der Vergangenheit. Und lebt auf Kosten der Zukunft. So ist das im Sozialismus.“ So beginnt der Text auf der Rückseite eines Buches, das wir unbedingt und ohne Einschränkung empfehlen wollen.

Es ist ja eine leicht nachweisbare Tatsache, dass der Sozialismus, wo immer er ausbrach, letztlich gescheitert ist. Das wäre gut, wenn er nicht nach den jeweiligen Zusammenbrüchen immer wieder Ruinen, Trümmer und Wüsteneien hinterlassen hätte, und das auch in Ländern, die alle Voraussetzungen für blühendes Leben haben: denken wir an die DDR, denken wir aktuell an das gerade zusammenbrechende, an Erdöl reiche Venezuela. Und ein weiteres Übel kommt hinzu.

Wenn in einem wissenschaftlichen Labor ein Experiment 142 mal scheitert, wird der leitende Wissenschaftler irgendwann zu dem Schluss kommen, dass an dem Experiment etwas nicht in Ordnung ist. Er wird es abbrechen, wenn der Schaden so unermesslich groß zu werden droht.

Nicht so im Sozialismus. Die unzähligen gescheiterten Versuche entmutigen die jeweiligen Adepten des Menschenversuchs „Sozialismus“ keineswegs, und unvergessen ist der ungerührte Ausspruch eines solchen Adepten im höheren Lehramt, der nach 1989 und den vermuteten Scheitern des Sozialismus in der DDR lächelnd fragte, welcher Sozialismus denn da gescheitert sei.

Und, ja: der eine oder andere fragt sich inzwischen wohl doch, ob denn die BRD von heute nicht doch eher eine DDR mit Bananen, Videorekordern, Reisefreiheit und etwas bequemeren Autos sei.

Der 1923 geborene russische Mathematiker und Philosoph Igor Rostislawowitsch Schafarewitsch hat 1975 auf französisch das Buch veröffentlicht (englisch und deutsch erschien es 1980), über das wir hier reden. Erst nach dem Ende der Sowjetunion konnte es auf russisch erscheinen.

Es handelt sich um eine fundierte und bestens belegte Studie über die Grundzüge der tödlichen sozialistische Ideologie, die im Laufe der Geschichte, so Schafarewitsch, nicht isoliert in der Neuzeit auftauchen, sondern als fester Bestandteil der Menschheitsgeschichte schon seit der europäischen Antike wie auch in anderen, außereuropäischen Kulturen. Schafarewitsch macht das an leicht nachvollziehbaren Kriterien fest: es ist der die Geschichte durchziehende Kampf gegen Privateigentum, Tradition, Familie und Religion. Dass dieser zerstörerische Kampf gegen die Grundlagen der menschlichen Gesellschaft heute zumindest in Europa in ein entscheidendes Stadium eingetreten ist, lässt sich an allseits bekannten Beispielen ganz einfach nachweisen.

Der historische Teil seiner Studien ist höchst informativ – und dass auch Heilige solchen Anwandlungen teilweise unterliegen können, zeigt nur, dass Heiligkeit nicht zwangsweise mit (politischer) Unfehlbarkeit einhergehen muss.

Das Glanzstück aber ist unserer Ansicht nach der dritte Teil, die Analyse, in der Schafarewitsch mit mathematischer Genauigkeit und Gründlichkeit (uns sind keine linken, gar revolutionären Mathematiker bekannt, das liegt anscheinend in der Natur der Sache) dem Sozialismus auf den Grund geht, Konturen, Betrachtungsweisen, „Verwirklichungen“ untersucht, Sozialismus und Individualität als Gegensätze erläutert und letztlich, am Schluss, gegen das Ziel des Sozialismus immunisiert. Und zwar nachhaltig.

Das wichtige Buch war, wen wundert es, lange vergriffen. Dem Lichtschlag-Verlag sei für die Neuauflage gedankt, die Lektüre wird (gerade in diesen Vorwahl-Zeiten!!) unbedingt empfohlen.

Igor R. Schafarewitsch: Der Todestrieb in der Geschichte. Erscheinungsformen des Sozialismus. Lichtschlag Edition Klassiker, Grevenbroich 2016, 469 S., ISBN: 978-3-939562-63-4. Bestellung bitte hier!

JV

 

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