Civitas Institut

Laßt uns Kathedralen bauen! (4) PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 26. Januar 2018 um 16:20 Uhr

3. Mission: Evangelium und Kultur

Wenn von der Ausbreitung, dem Ausgreifen Europas nach Afrika und Asien gesprochen wird, so wird meistens an die imperialistischen Ausgriffe vor allem im 19. Jahrhundert gedacht – mit all den negativen Seiten und Folgen, die dieses Ausgreifen hatte und bis auf den heutigen Tag hat. Die Geschichte der europäischen christlichen Mission jedoch zeigt völlig andere Aspekte.

Die Kirche ist tatsächlich eine universelle Gesellschaft, sie ist dazu bestimmt, alle Länder der Erde zu einer Familie zusammenzufassen, ohne Unterschied der Rasse, der Kultur, der Nationalität. Der Missionsbefehl Jesu veranlaßte die Missionare, das Christentum von einem Ende der Welt bis zum anderen Ende der Welt auszubreiten. Als die Missionare in fremde Länder, Kontinente, Kulturen aufbrachen, taten sie es sicher ohne Aussicht oder gar Streben nach materiellem Gewinn. Wohlgemerkt, es geht nicht um die Abenteurer und Eroberer, sondern um die Missionare.

Abenteurer, Forscher, Seefahrer machten den Weg frei, auf dem dann Missionare Glauben und Kultur brachten. Die Portugiesen waren damals das Volk, welches Europa und das Christentum am engsten verbanden. Bartolomeo Diaz umfuhr 1487 das Kap der Guten Hoffnung und segelte in den Indischen Ozean; durch die Straße von Madagaskar öffnete Vasco da Gama 1498 die neue Passage nach Ostindien, Pedro Alvares de Cabral betrat 1500 die Küsten Brasiliens (Vera Cruz nannte er es, das wahre Kreuz). Ferdinand Magellan, Portugiese in spanischen Diensten, brachte das Christentum auf die Philippinen (1519 – 1521), und auf die Entdeckung und Eroberung Amerikas folgte das, was Papst Pius XII. in einer Rede am 8. Januar 1948 das „missionarische Heldenlied“ der Ausbreitung des Glaubens nannte.

Mehr als 60 Heilige und Selige christianisierten das spanisch-portugiesische Amerika über einen Zeitraum von über 400 Jahren. Und dieser Kontinent war keine Idylle friedlicher Naturvölker. Man ist heute, im Zeitalter eines schein-kritischen „Hinterfragens“, sehr schnell geneigt, die uns vorliegenden Berichte über die entsetzlichen Grausamkeiten der vorkolumbianischen Zeit Mittel- und Südamerikas für interessengeleitet, für unglaubwürdig zu halten: und doch beweisen neueste archäologische Forschungsergebnisse die weitgehende Richtigkeit der Aussagen. Es hat sie unbestreitbar gegeben, die Massenschlachtungen von hunderttausenden unschuldiger Menschen als Opfer für zornige Götter, und je zorniger die Götter wurden, desto mehr Menschen wurden grausamst geschlachtet – Jean Dumont ist ein eher antikatholischer Autor, und wenn er in seinem Buch „La vraie controverse de Valladolid“ von 1995 genau darüber berichtet, dann sicher nicht, um die Kirche zu stützen, gar zu schützen. Von einer finsteren, bluttriefenden Religion hat die Kirche diese Länder befreit. Und soweit es ihr möglich war, hat sie, als weise Mutter aller Völker, zum Beispiel in den Reduktionen in Paraguay vorbildliche Ordnungen geschaffen, in denen die natürlichen Fähigkeiten der Indianer gefördert wurden, in denen sie nicht nur in ein besseres irdisches Leben geführt wurden, sondern auch zum Glauben an einen nicht grausamen, sondern liebenden Gott.

Das hinderte Händler und Eroberer nicht daran, dort ihr Abenteuer zu suchen. Deshalb war Weißen der Zutritt zu den Reduktionen nicht gestattet, die einzigen Weißen waren die Priester, die die Interessen der Indianer erfolgreich wahrnahmen. Die Geldgier des irregeleiteten spanischen Königs und gewissenloser Händler sorgte später für den nicht kampflosen Untergang einer höchst erfolgreichen Lebensweise.

Überhaupt war es die Kirche, die – es sei an die flammenden Predigten Abraham a Santa Claras erinnert– den Kampf gegen die Versklavung der Indianer führte, da sie als erste feststellte, daß Indianer, da sie eine unsterbliche Seele haben, Menschen wie wir sind. Die Kirche und das Königreich Spanien schickten ihre Besten in die Neue Welt, um dort zum besten der Bevölkerung zu wirken. Die in Madrid einlagernden diesbezüglichen Akten aus dieser Zeit sind so umfangreich, daß bis heute nur ein geringer Teil ausgewertet ist.

Afrikanische Kunst zeugt von schrecklichen Ängsten, von Dämonen und grausamen Göttern, von grausamen Riten, von rituellen Verstümmelungen und Schlimmerem. Und ganz zu schweigen von indischen Götzen, die genauso vom Blut der Menschenopfer triefen wie die Stufen südamerikanischer Tempel. Die Geschichte katholischer Mission ist auch immer eine Geschichte der Befreiung aus quälendem Dämonenglauben, aus Menschenopfern von unbeschreiblicher Grausamkeit.

Selbst wo das Evangelium auf eine Kultur trifft, die selbst ein hochentwickeltes ethisches System kennt, hat es noch immer große Strahlkraft. Ich denke an Johann Adam Schall von Bell aus Köln, der im 17. Jahrhundert im Jesuitenorden zum Theologen und Naturwissenschaftler, vor allem Astronom ausgebildet wird und als T'ang Jo Wang in China den Kalender reformiert, ein enger Vertrauter chinesischer Kaiser wird und der mit seiner unermüdlichen Tätigkeit, noch auf dem Totenbett verfolgt vom Haß seiner moslemischen und auch chinesischen Konkurrenten, einer der Gründe dafür ist, daß noch heute Millionen von Chinesen katholisch sind.

Die japanische Sprache kennt anscheinend keinen grammatischen Unterschied zwischen Einzahl und Mehrzahl. Die Unterscheidung von „Wahrheit“ und „Wahrheiten“ ist in der japanischen Sprache, also wohl auch in der Denkungsart offenbar nicht möglich. Welche Leistung haben unsere Missionare vollbracht, diesem Denken die eine Wahrheit nahezubringen!

Es sei auch an Bischof Siméon-François Berneux gedacht, der im 19. Jahrhundert in Asien missionierte und 1866 in Korea grausam gefoltert und getötet wurde – die, wie man hört, blühende Kirche in Korea hat da einen mächtigen Fürsprecher.

Wo auch immer katholische Missionare tätig wurden, kämpften sie gegen Grausamkeiten und Unterdrückung, verbreiteten sie mit dem Evangelium eine Kultur, die einzigartig war und ist. Man kann weder sie noch die Kirche dafür verantwortlich machen, daß Menschen mit weniger reinen oder überhaupt nicht reinen Absichten oft genug ihr Werk verkehrten, zunichte machten. Und schon gar nicht sind sie verantwortlich für eine ideologiegeprägte Verzeichnung ihres Werkes.

 

 

Zeitschrift

Newsletter

Aktuell online

Wir haben 22 Gäste online

Termine


Aktuell stehen keine Termine an.

PayPal-Spende

Jedes Engagement, jede Aktion hat auch eine finanzielle Seite, die unsere Einsatzmöglichkeiten begrenzt. Um uns zu helfen, unsere Ausstrahlung zu vergrößern oder unseren Einsatz zu vervielfältigen benötigen wir Ihre finanzielle Unterstützung.
Herzlichen Dank für Ihre Spenden!