Civitas Institut

Laßt uns Kathedralen bauen! (7) PDF Drucken E-Mail
Montag, den 29. Januar 2018 um 17:08 Uhr

6. Ausblick
Seltsam seien wir, sagt Edmond des Papillons, Edmund von den Schmetterlingen in Marcel Pagnols völlig verkanntem Werk „La gloire de mon père“, „Der Ruhm meines Vaters“. Immer wollten wir wissen, was „dahinter“ liege: hinter der nächsten Wegbiegung, hinter dem nächsten Berg, hinter der nächsten Stadt, und dann: hinter den Sternen... . Man kann europäischen Wissensdurst und den Antrieb, der dahintersteckt, kaum besser beschreiben. Wissen, Denken und Ordnen sind europäische Lebensprinzipien, ist europäische Eigenart und für Europa lebensnotwendig. Es gibt da eine bedenkenswerte Theorie, welche besagt, daß eine Kultur auch durch die Landschaft geprägt wird, in der sie entsteht und wächst und reift. Für Europa würde das bedeuten: größte Abwechslung und Vielfalt auf engem Raum. Wer durch Europa fährt, erlebt auf wenigen Kilometern ständig neue Landschaftsbilder. Anderswo kann man tagelang mit der Eisenbahn fahren, ohne beim Blick aus dem Fenster wahrnehmbare Veränderung zu sehen. Wenn diese Theorie stimmt, dann sagt sie viel über Europa, viel über uns aus.

Wer auch immer Europa zerstören wollte, müßte uns von allen diesen unseren Wurzeln trennen. Er müßte unsere Kunst zerstören: unsere Kirchen und Paläste müßte er uns entfremden. Schrecklich, wieviel unschuldige Kinder im Mittelalter dafür sterben mußten, sagte ein Besucher des Kölner Domes. Auf die erstaunte Nachfrage, was er denn damit sagen wolle, betonte er, daß doch jeder wisse, daß im Mittelalter die Kinder zum Kirchbau gezwungen wurden. Und unvergessen die Bemerkung einer Reporterin, der Kölner Dom recke seine Türme drohend gen Westen, gegen den Erbfeind Frankreich. Die junge Dame wußte bereits nicht mehr um die klassische Ost-West-Ausrichtung der christlichen Kirche. Genauso unerklärlich bleibt den meisten Betrachtern die Sprache unserer Bilder, nicht nur, wenn diese religiös geprägt ist.

Und wie, wenn man die europäische Musik zerstörte, wenn man jene auch auf ihrer untersten Ebene noch den Intellekt ansprechende Musik ersetzte durch einzig und allein niedere Instinkte ansprechende, monoton-rhythmische Musik, die den Intellekt nicht nur nicht anspricht, sondern bewußt ausschaltet?

Und wie, wenn man uns von unserer großen Geschichte entfernte, indem man sie ausschließlich dunkel, ausschließlich Kriminalitätsgeschichte sein läßt? Wenn man auch gleich die großen Errungenschaften unserer Kultur so darstellte, als hätten wir sie von außen, von wo auch immer bekommen? („Mama, haut der den gleich mit dem Hammer?“ fragte der Kleine im Wachsfigurenmuseum in Tours an der Loire. Dargestellt war eine Szene, in der ein Mönch einem Delinquenten vor der Hinrichtung das Kreuz zeigt. - Und das gewaltsame Vordringen der Türkei nach Europa in den letzten Jahrhunderten müßte man nur als das große Werben der Türkei um Europa darstellen.)

Und wenn man unsere Religion zerstörte, indem man uns der eigenen Religion entfremdete, diese Religion lächerlich machte und zugleich als gefährlich darstellte? Das Gebet, den Ritus der Väter, den Älteren unter uns noch sehr gut erinnerlich, würde man als unzeitgemäß, als unverständlich darstellen und durch einen banalen, anspruchslosen, mit allem und jedem vereinbaren Ritus ersetzen. Was wäre, wenn es dann völlig unerklärlich wäre, warum unsere Vorfahren in dieser Religion gelebt, für sie gekämpft haben und für sie gestorben sind? Was denn diese Barriere da sei, fragte der 27-jährige Katholik in einer alten, katholischen Kirche und zeigte auf die Kommunionbank. Er hatte noch nie eine Kommunionbank gesehen.

Wenn unser griechisches Erbe, der agon, der strebende Wettbewerb nämlich, unterdrückt würde zugunsten unserer anderen Seite, dem Sinn für groben, aber auch für verfeinerten Genuß? Wer ausschließlich genießt, mißt sich nicht mehr, kämpft nicht mehr. Er wird träge und müde, zur Anstrengung unfähig. Ein Recht auf Rausch habe er, sagte der achtzehnjährige Schüler eines deutschen Gymnasiums, so als ob er sagte, er habe ein Recht darauf, sich mit anderen zu versammeln.

Wären wir dann verloren?

Ja. Wenn wir keine Kathedralen mehr bauen, wenn wir uns nicht auf unser ganz Eigenes besinnen würden, dann wären wir verloren. Wir wären verloren, wenn Europa ein politischer Verein wäre, dem man unter rein materiellen Vorgaben beitreten oder nicht beitreten kann. Europa ist doch viel mehr: ein Traditionsraum ganz eigener Art, verbunden von gemeinsamer Kultur in erstaunlicher Variation und Vielfalt, geeint durch die christlich-katholische Vergangenheit und Gegenwart. Es kann problemlos mit anderen Traditionsräumen Kontakte pflegen, kann sie aber nicht integrieren, wenn die Wurzeln nicht gemeinsam sind. Das wäre das Ende Europas. Europäer ist man, wie wir gesehen haben, durch Abstammung und kulturelle Tradition, oder man ist es nicht.

Laßt uns Kathedralen bauen. Es ist eine Lebensfrage.

 

 

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