Civitas Institut

Noch so ein Versuch: neuer Aufbruch in der EU PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 11. April 2018 um 14:22 Uhr

Eine Gruppe sehr eifriger Europäisten mit Valéry Giscard d'Estaing an der Spitze (erinnert sich jemand? Er ist jetzt 92 Jahre alt) hat heute in Brüssel eine Initiative ins Leben gerufen, die den Namen „Re-imagine Europa“ trägt. Das Ganze findet natürlich auf Englisch statt, auch der Internetauftritt ist nur auf Englisch – sicherlich eine Verbeugung vor dem Brexit.

Valéry Giscard d'Estaing schreibt unter dem Titel „Europa: the last chance for Europe“. Das mag für seine zu erwartende Lebenszeit auch zutreffen. Irgendwie scheint es uns recht ungeschickt, einer solchen neuen Aufbruch-Initiative einen Politiker von 92 Jahren als Flaggschiff voranzustellen.

Es handelt sich, wenn man es richtig sieht, um den -zigsten Wiederbelebungsversuch einer Propagandaaktion für ein „besser integriertes Europa“. Konkret aber erfährt man nur, dass „Re-imagine Europa“ über zwei Hauptpunkte arbeiten wird: „ein loyaleres und wettbewerbsfähigeres Wirtschaftssystem für Europa“ und „die Demokratie in einer postfaktischen Realität“. Das steht da so. Englisch: „Democracy in a Post-Factual Reality“.

Und dann sitzen da noch zwei alte Herren in einer Ecke (-> Punkt: "Why") und erzählen: „Wir sind in einer neuen Phase der europäischen Integration – die einer neuen Generation gehört – aktiver, erfinderischer und einiger – die in das aktive Leben eintritt.“ Tatsächlich: einer der Unterzeichner dieser grandiosen Analyse ist Helmut Schmidt, der 2015 im Alter von 96 Jahren verstorben ist. Man sollte den Machern von „Re-imagine Europa“ mal sagen, wie so etwas wirkt... Ob es die Diskussion erleichtert? Das eingefügte Bild von Schmidt und Giscard jedenfalls wirkt schon recht museal.

Das Problem aller dieser alten und älteren Herrschaften ist, dass jene, die das künftige Europa planen, anderswo sitzen und dass die tatsächlich dynamisch sind. Ihre Vision von Europa ist eben ganz das Gegenteil eines zentralisierten, sozialistischen europäischen Superstaats, der zwangsläufig in der Mülltonne der Geschichte landen wird.

Das wahre Europa wird in Prag, in Budapest, in Warschau, in Visegrád, Wien, Mailand und wohl auch London vorbereitet: ein Europa der Staaten, ein Europa der Nationen, ein Europa der Vaterländer, ein Europa der freien Zusammenarbeit im Respekt vor der Geschichte und den jeweiligen Traditionen.

JV

 

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