Civitas Institut

Deutungshoheit: „Die verklemmten Fünfziger“ PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 02. Oktober 2008 um 09:55 Uhr
vieuxcouple.jpgMangels eigener Erfahrung wissen wir nicht, ob es in linken und linksextremen Kreisen Stammtische gibt, welche dort die Funktion von Denkfabriken haben. Immer wieder aufgewärmte Klischees lassen dies jedoch mit guten Gründen vermuten; so auch das Klischee von den verklemmten fünfziger Jahren. .

Eben. „Verklemmt“ seien sie gewesen, die fünfziger Jahre, kündet der laut Stimme noch recht junge Reporter, und erst die aufbrechenden sechziger Jahre hätten dieser Verklemmtheit mutig ein Ende gesetzt. Und uns bleiben (diesmal aus eigener Anschauung) die Geburtstagsglückwünsche für einen an diesem Tage Achtzigjährigen im Halse stecken, einzig der Wunsch nach Selbsterkenntnis und (spätem) Wandel  will uns von Herzen gelingen.

 

Die fünfziger Jahre waren bei weitem nicht so verklemmt (was soll dieser Begriff eigentlich?), wie die linken Stammtische uns weismachen wollen. Die Menschen waren damals durchaus nicht zu uninformiert, zu wissen, was Freude bereiten kann. Die hierüber verbreiteten Sprüche von der verschämten Sexualität sind eben nichts weiter als das: Sprüche und Klischees. Im Unterschied zu heute aber war das, was zwischen zwei liebenden Menschen geschieht und weit mehr ist als die gegenseitige Nutzung zur Triebbefriedigung, nicht die undezente, öffentlich aufgezwungene Dauerthematik aufgeheizter selbsternannter Aufklärer.

 

Den Wert einer Reform, einer Revolution kann man legitimerweise daran ermessen, welche Ergebnisse sie zeitigt. Und da stellen sich dann die Fragen, was seither besser geworden ist. Ja, wir geben zu: es ist durchaus das Niveau erreicht worden, daß uns das Verhalten der Affenart Bonobo als Vorbild präsentiert werden kann. Es will uns aber nicht gelingen, das als relevante Errungenschaft für die menschliche Zivilisation zu erkennen.

 

Die aufdringliche und abstandslose, undezente sexuelle Aufheizung unserer Zeit hat nicht zu weniger Strafverhalten, zu weniger Vergewaltigungen, zu weniger Frühschwangerschaften, zu mehr Zusammenhalt in Ehe und Familie, zu stabileren, liebevolleren Beziehungen geführt. Wird die Verletzung durch Ehebruch weniger schmerzlich, wenn er als belebender Seitensprung nicht mehr tabuisiert ist? Wir können nicht ermessen (wörtlich), wieviel Unglück die Auflösung der angeblichen Verklemmtheit über wie viele Menschen gebracht hat.

 

Es ist bekannt, daß Simone de Beauvoir, die Ikone der sogenannten Emanzipation, über die Freiheiten ihres Partners Sartre ausgesprochen unglücklich war. Sartre nahm sich eben die Freiheit, unverklemmt seine Sexualität auszuleben, die ihn liebende Beauvoir tat dies aber nicht. Für wie viele in ihrer Beziehung unglückliche Menschen mag sie da stehen?

 

Und wie leer schauen uns heute die Augen so mancher vielleicht Zwanzigjähriger an, die anscheinend schon alles, alles erlebt haben. Wie trauern wir um so viele, die den Lebenssinn eben nicht in schrankenloser „Bedürfnis“- "Befriedigung" finden können und konnten; die erschreckenden Selbstmordzahlen in dieser glücklichsten und unverklemmtesten aller Gesellschaften erschüttern. Was in anderem Zusammenhang bereits gesagt wurde, gilt auch hier: Linke und Linksextreme meinen, der Mensch werde durch die Stillung rein materieller Bedürfnisse glücklich. Nichts stimmt weniger. Ein deutscher Philosoph der sechziger Jahre hat zutreffend von der „Verhausschweinung des Menschen“ geschrieben, und das trifft auch und gerade in diesem Bereich vollkommen zu.

 

Wer dem Menschen zeigt, wie nahe er am Tier ist, versündigt sich schwer, wenn er ihm nicht auch die Nähe zum Engel zeigt.

 

Insofern wünschen wir dem heute feiernden Greis Oswalt Kolle, daß er vom sich drehenden Wind der Geschichte nicht als erbärmlich predigender Lustgreis hinweggeweht wird. Solange er lebt, besteht die Chance der Erkenntnis und reuevoller Umkehr.

 

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