Civitas Institut

Wie kam es zur Banken- und Finanzkrise? PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 21:04 Uhr
haus.jpegBanken sind ein wichtiger Bestandteil jeder modernen Wirtschaft. Ihre Aufgabe ist klar umrissen: Banken sind Dienstleister der gesamten Wirtschaft. Die versorgen die Wirtschaft mit Krediten, damit diese finanziell liquide bleiben und leben von der Zinsdifferenz zwischen dem Einlagezins und dem Kreditzins. Gegen diese Aufgabe wurde schwerwiegend verstoßen, seitdem die Banken selbst Finanzmarktprodukte konstruieren und verkaufen und mit dem Geld ihrer Kunden spekulieren. . Angefangen hat alles damit, daß die Banken in den USA Millionen von Kunden Kredite zum Bau von Immobilien zur Verfügung stellten. Dies gehört zum üblichen Geschäft der Banken und wurde zudem vom Staat sehr gefördert durch niedrige Zinsen.

Durch die sehr starke Nachfrage nach Immobilien stieg der Preis, wodurch eine Familie, die ein Haus für 100.000 USD gekauft hatte, zwei Jahre später bereits eine Wertsteigerung auf 130.000 USD oder mehr erfahren hatte. Dies verführte dazu, neue Hypotheken auf das Haus aufzunehmen, z.B. um sich ein neues Auto zu kaufen. Die Banken gaben diese Hypotheken gerne, denn sie sahen ja die Wertsteigerung des Hauses.

Wodurch kam diese enorme Wertsteigerung zustande? Einerseits zweifellos durch die hohe Nachfrage, andererseits aber, und zu einem großen Teil, durch Immobilienspekulation, durch die der Wert der Immobilien weit über den tatsächlichen Wert veranschlagt wurde.

Doch selbst wenn jetzt viele Bankkunden ihren Kreditverpflichtungen nicht hätten nachkommen können, wäre dies nicht wirklich schlimm gewesen. Im schlimmsten Falle wäre die Bank betroffen gewesen, die die Kredite gewährt hatte.

Doch die Banken machten mit den Krediten ihrer Kunden Geschäfte. Und damit beginnt der Niedergang.

Die Banken verkauften die Kredite indem sie Immobilienfonds entwickelten. Jemand der solch einen Fonds kaufte, wurde dadurch an der Gewinnsteigerung der Immobilie beteiligt. Da die Immobilien in den USA deutliche Steigerungsraten aufwiesen, sah dies nach einem lukrativen Geschäft aus.

Wohlgemerkt! Die Bank verkaufte keine Immobilien. Sie verkaufte die Kredite, die sie an Häuslebauer vergeben hatte. Der Häuslebauer wußte davon natürlich nichts, obwohl der Kreditgeber nun gewissermaßen nicht mehr seine Hausbank war, sondern irgend jemand auf dieser Welt, der den Immobilienfonds gekauft hatte.

Die Bank ihrerseits verdiente jetzt doppelt. Einerseits bekam sie die Zinsen vom Häuslebauer, andererseits machte sie gute Gewinne mit den verkauften Krediten. Abgesichert war dieses System allein über den Wert der Immobilien. Doch der stieg stetig, so daß zunächst alles gut ging. Sogenannte Ratingagenturen, die den Wert von Finanzprodukten, wie Fonds, einschätzen, waren ebenfalls der Meinung, daß Immobilienfonds eine gute Sache mit hohen Gewinnversprechen sind. Also stiegen die Immobilien noch weiter, allerdings ohne jeden Bezug zur Realität des Immobilienwerts.

Irgend wann kam eine und mehrere wichtige Personen in der Branche auf die Idee, den tatsächlichen Wert einmal zu überprüfen. Und siehe da, es zeigte sich, daß diese Produkte viel weniger wert waren, als tatsächlich angegeben. Er verkaufte schleunigst alles was er hatte. Dies bleib anderen Besitzern – meist große Fondsgesellschaften und Hedgefonds – nicht verborgen. Auch sie verkauften ihre Anteile an den Immobilienfonds der Banken. Und damit sank der Kurs dieser Fonds. Zunächst langsam, dann immer schneller und schließlich stürzte er ins Bodenlose.

Dies wiederum hatte Rückwirkungen auf die Immobilienpreise. Denn diese Immobilien waren nun plötzlich nichts mehr wert, oder sagen wir, 50% weniger wert als vor dem Sturz. Nun besaß der Häuslebauer ein Haus, daß er für 100.000 USD gekauft hatte, daß aber jetzt nur noch 50.000 USD wert war. Zudem hatte er sich eine Zusatzhypothek von 50.000 USD für sein neues Auto und die neue Küche genehmigt. Bei einem flexiblem Zinssatz für die Hypothek hatte dies höhere Zinsen zur Folge, die die Familie nicht mehr zahlen konnten. Also blieb nichts anderes übrig, als das Haus zu verkaufen. Und dies geschah bei Tausenden von Familien. Die Preise der Immobilien fielen weiter, die Besitzer der Immobilien konnten nicht mehr zahlen und die Banken, die nun die Häuser als Pfand besaßen, bekamen oft weniger als die Hälfte des Kredites für dieses Haus, wenn sie es überhaupt verkaufen und somit zu Geld machen konnten.

Damit waren nun auch die Banken überfordert und geraten in einer schweren Krise. Sie hatten kein Geld mehr, daß sie verleihen konnten um wieder durch Zinsen Geld zu verdienen. Andere Banken, denen es nicht besser ging, oder auch solche, die davon nicht betroffen waren, wollten den krisenhaften Banken nun natürlich auch kein Geld mehr leihen. Dies hatte es zuvor noch nie gegeben: Die Banken mißtrauten einander. Und damit brach dann alles weitere zusammen.

Natürlich waren diese Geschäfte nicht allein auf die Hypothekenkredite begrenzt. Es gab zahlreiche andere, zum Teil noch weit spekulativere Finanzmarktprodukte, die auch in die Krise gerieten.

Ein wichtiger Faktor waren beispielsweise die sogenannten Hedgefonds, das sind Investmentunternehmen, die Geld von sehr reichen Menschen einsammeln und ihnen dafür sehr hohe Gewinne versprechen, ein Versprechen, das sie auch einige Jahre einhalten konnten. Die Geschäftspraktiken der Hedgefonds sind in höchstem Maße unmoralisch, doch da der Liberalismus in der Wirtschaft keine Moral kennt, regten sich darüber allenfalls einige Linke auf, die sich allerdings, wo sie an der Regierung beteiligt waren, von genau diesen unmoralischen Leuten beraten ließen.

Hedgefonds ziehen über die Lande und kaufen ein Unternehmen nach dem anderen auf. Bei Aktiengesellschaften ist dies sehr leicht dadurch möglich, daß man die Aktienmehrheit gewinnt. Doch den Fondsmanagern ist natürlich nicht an den Unternehmen gelegen. Sie schlachten das Unternehmen aus, verkaufen die besten Stücke und machen so einen „Heiden“gewinn. Wo es möglich ist, kaufen sie natürlich auch gesunde mittelständische Betriebe, um auch diese auszuschlachten oder mit anderen zu fusionieren. Das einzige Ziel ist dabei, soviel Gewinn wie möglich zu machen, ohne jede Rücksicht auf das Gemeinwohl. Im Liberalismus ist so was möglich und wird auch noch gelobt.

Eine besonders perfide Methode von Hedgefonds sind die sogenannten Leerverkäufe. Die ganze Krankhaftigkeit des liberalen Finanzsystems zeigt sich hier besonders deutlich. Bei den sogenannten Leerverkäufen, auch „short sellings“ genannt, die in den meisten Ländern erlaubt sind, werden Aktien verkauft, die der Verkäufer gar nicht besitzt. Diese Aktien leiht er sich von anderen Fondsgesellschaften für eine Gebühr und für einen bestimmten kurzen Zeitraum und verkauft diese Aktien, die er nicht besitzt, an der Börse, um so einen niedrigeren Kurs zu erzielen. Zu dem gesunkenen Kurs kauft er dann die Aktien ein, deren Kurs nun wieder steigt, und kann die geliehenen Aktien zurückgeben.

Eine noch weitergehende Methode der short sellings, auch Aktienwetten genannt, sind die sogenannten „naked short sellings“. Hier werden nicht Aktien selbst verkauft, sondern nur die Verpflichtung, sie zu liefern. Auch dadurch fällt der Aktienkurs und man kann sich dadurch mit Aktien zu einem günstigen Kurs eindecken und die Lieferverpflichtung erfüllen.
 
Mit dieser Methode können ganze Unternehmen von Hedgefonds destabilisiert und dann zu einem günstigen Preis übernommen werden. Beim Zusammenbruch des Immobilienmarktes in den USA waren auch Hedgefonds beteiligt, die mit Leerverkäufen die Spekulationsblase am Aktienmarkt zum platzen brachten.

Nun kann es mit den Leerverkäufen auch schiefgehen. Wenn es nämlich nicht gelingt, daß der Aktienkurs sinkt und der Hedgefonds die verkauften Aktien nicht zurückkaufen kann um seine Lieferverpflichtung zu erfüllen, dann ist auch der Hedgefonds von der Krise betroffen. Dies und ähnliches ist auch im Fall der aktuellen Finanz- und Bankenkrise geschehen. Da die Hedgefonds zum Teil Beträge im dreistelligen Milliardenbereich verwalten, kann der Zusammenbruch oder nur eine Krise eines Hedgefonds zu einer Krise der gesamten Weltwirtschaft führen.

Wie derartige Methoden, die nicht Auswüchse des individualistischen Liberalismus sind, sondern zu dessen Wesen gehören, überwunden werden können, lesen Sie in Kürze in unserer Schrift SOZIALE DEMOKRATIE UND WIRTSCHAFTLICHE SELBSTVERWALTUNG. FÜR EINE CHRISTLICHE GESELLSCHAFTSORDNUNG. (Civitas, Sonderheft 2).

 

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