Civitas Institut

Religionsfreiheit bei Bischof Ketteler PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 26. Februar 2009 um 16:18 Uhr
ketteler.jpgImmer wieder wird der berühmte Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler, Bischof von Mainz als Kronzeuge für das Eintreten der Kirche für die moderne Religionsfreiheit angeführt. So auch in dem soeben erschienenen „Handbuch der Katholischen Soziallehre“. Es kommt hier weniger auf den Begriff, als vielmehr auf den Inhalt an. Im 19. Jahrhundert hatte der Begriff der Religionsfreiheit eine völlig andere Bedeutung als heute und auch als im Dokument „Dignitas Humanae“ des II. Vatikanums. Zur Klarstellung bringen wir hier einen Auszug aus der Einleitung Kettelers zum Kapitel „Religionsfreiheit“..
 
XXIII. RELIGIONSFREIHEIT UND DIE KATHOLISCHE KIRCHE


„Wir kommen jetzt zu der wichtigen Fragen: Steht die Anerkennung der so bestimmten Religionsfreiheit in Widerspruch mit den Grundsätzen der katholischen Kirche? Ist es Katholiken, die den Grundsätzen ihrer Kirche treu ergeben sind, gestattet, Andersgläubigen eine solche Stellung im Staate einzuräumen? Können katholische Fürsten ihren Unterthanen, ohne ihr Gewissen zu verletzen, diese Gewissensfreiheit gesetzlich gestatten? Kann es Fälle geben, wo sie sogar im Gewissen verpflichtet sind, diese Freiheit zu gewähren? Steht in diesem Fall diese Ansicht nicht in vollem Widerspruch zu dem Verhalten der Kirche im Mittelalter?

Bevor wir zur Beantwortung dieser Fragen übergehen, müssen wir noch eine in ihnen liegende Zweideutigkeit beseitigen und ihren Sinn genau feststellen. Die sittliche Freiheit ist nicht ein Recht zum Bösen, sondern die innere, freie Selbstbestimmung zum Guten, verbunden mit freier Wahl, mit der Möglichkeit des Bösen und mit Ausschluß eines äußeren Zwanges. Die freie Überzeugung ist an sich kein Recht zum Irrtum und zur Lüge, sondern die freie innere Selbstbestimmung zur Wahrheit ohne äußeren Zwang.

Die Wahl des Guten und des Wahren ist zugleich in beiden Fällen eine Pflicht und zwar die höchste, die der Mensch hat; die Wahl des Bösen und der Lüge dagegen schändlicher Mißbrauch der gewährten Freiheit. Nur in diesem Sinne kann von Religionsfreiheit die Rede sein. Ein Recht, eine falsche Religion anzunehmen, sie zu organisieren, sie zu verbreiten, kann es an sich nicht geben; vielmehr bleibt es immer die erste und höchste Pflicht des Menschen, die wahre Religion zu wählen und ihr alle seine Kräfte zu schenken. Ebenso kann auch die katholische Kirche nicht aufhören, alle falschen Religionen als den größten Mißbrauch der Freiheit anzusehen und ihn mit allen ihren Mitteln zu bekämpfen. Dagegen ist die Frage: Ob die katholische Kirche nach ihren Grundsätzen, wie bei der sittlichen Freiheit, so auch bei der Religionsfreiheit auf äußeren Zwang verzichten kann? ob sie die Wahl der Religion, ebenso wie die Wahl zwischen Gut und Böse, der freien Selbstbestimmung überlassen darf? ob sie endlich, da sie keine äußeren Zwangsmittel besitzt, genöthigt ist, dieselben von der weltlichen Gewalt, oder wenigstens von katholischen Fürsten in Anspruch zu nehmen? Das ist der eigentliche Standpunkt der Frage.“

Aus: Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler: Freiheit, Autorität und Kirche. Erörterungen über die Probleme der Gegenwart, Mainz (Verlag von Franz Kirchheim) 1862, Seite 132f.

Anmerkung des CVITAS INSTITUTS

Aus diesen Zeilen, wie auch aus der weiteren Erörterung die hierauf folgt, geht unzweideutig hervor, daß Bischof Ketteler, wie auch die katholische Kirche insgesamt, ein Recht auf eine falsche Religion eindeutig ausschließt. Es kann kein Recht auf Unwahrheit geben, sondern nur die personale Wahrheit, Jesus Christus, hat ein Recht.

Demgegenüber plädiert der Bischof hier und in der weiteren Abhandlung für die religiöse Toleranz. Bei ihm hat der Begriff „Religionsfreiheit“ die Bedeutung, die man heute mit dem Begriff „religiöse Toleranz“ beschreibt. Diese religiöse Toleranz jedoch wird von keinem Katholiken, auch nicht denen, die der Tradition der Kirche und ihrer überlieferten Lehre sich eng verbunden fühlen, bestritten. Sie ist ein Gebot der Nächstenliebe, beinhaltet aber zugleich die Verpflichtung, dem Irrenden zu helfen, die wahre Religion kennenzulernen, damit er diese als einzigen Weg zum Heil erkennt.

Die heutige Rede von der Religionsfreiheit, wie sie z.B. auch in der nachkonziliare katholischen Kirche geläufig geworden ist und sich direkt im Konzilsdokument Dignitas humanae ausspricht, setzt hingegen die Gleichheit aller Religionen voraus und gestattet allen Religionen, unabhängig ob wahr oder falsch, daß gleiche Recht zu. Tolerierung des Irrtums und Recht auf Irrtum sind aber grundsätzlich verschieden. Während das Erste, wie gesagt, ein Gebot der Nächstenliebe sein kann, ist das Zweite ebenso abwegig wie ein Recht zum Diebstahl.

Würde in der Diskussion über die Religionsfreiheit diese Unterscheidung klar eingehalten, könnte das Problem auf einer sachlichen und ernsthaften Ebene diskutiert werden.

 

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