Civitas Institut

Religionsfreiheit und religiöse Toleranz PDF Drucken E-Mail
Montag, den 27. April 2009 um 19:12 Uhr
spaemann.jpg
In einem Beitrag für die in Würzburg erscheinende „Tagespost “ hat der Philosoph Professor Robert Spaemann unter der Überschrift „Was heißt ‚das Zweite Vatikanum annehmen?“ unter anderem zur Frage der religiösen Toleranz und zur Religionsfreiheit Stellung genommen.


.
 
Zunächst zeigt Spaemann im genannten Beitrag, daß diejenigen, die mit besonderer Härte von der Priesterbruderschaft St. Pius X. die „vollständige Annahme des Zweite Vatikanische Konzils“ fordern, wie z.B. die Deutsche Bischofskonferenz, eine ganze Reihe von wesentlichen und zentralen Inhalten des Konzils, besonders solchen, in denen dogmatische Lehren des Lehramtes der Kirche wiederholt werden, von Theologen, Priestern und selbst Bischöfen nicht angenommen werden.

Zum Schluß seines Beitrags geht Spaemann dann auf ein Thema ein, das wir bereits des öfteren diskutiert haben und das deshalb hier erneut einer Klarstellung bedarf.

So heißt es in dem Aufsatz: „Der religiös homogene Staat hat seinen Status als ‚societas perfecta’ längst verloren. Wir leben in einer multireligiösen Weltgesellschaft, wie Gorbatschow klar sah, als er der kommunistischen Partei erklärte, weltanschauliche Homogenität sei nicht mehr möglich“.

Abgesehen davon, daß es vermutlich zu Beginn des Satzes „Der religiös inhomogene Staat“ heißen müßte, hängen die Themen religiöser Homogenität und vollkommene Gesellschaft nicht miteinander direkt zusammen. Das der Staat seit alters her als vollkommene Gesellschaft (societas perfecta) bezeichnet wird, wird dadurch bestimmt, daß der Staat als einzige Gesellschaft alle Mittel seiner Existenz in sich selbst hat. Dies bedeutet freilich nicht, daß der Staat autark sein muß, wie Spaemann offenbar unterstellt. Selbst die Zusammenarbeit mit anderen Staaten in überstaatlichen Bündnissen, bei denen ein Teil der Souveränität an das Staatenbündnis abgegeben wird, ändert nichts Grundsätzliches am Charakter des Staates als einer vollkommenen Gesellschaft. So wünschenswert eine religiöse Homogenität auch ist, so wenig ist ein inhomogener Staat keine soceitas perfecta.

Doch dies nur als Randbemerkung. Spaemann fährt fort, in dem er darauf verweist, daß für eine religiös nicht homogene Gesellschaft nach das von Pius XII. formulierte Toleranzprinzip gilt. Diese Aussage ist vollkommen zutreffend. 

Das Toleranzprinzip Pius’ XII. besagt: „Die Pflicht, sittliche und religiöse Verirrungen zu unterdrücken, kann also keine letzte Norm des Handelns sein. Sie muß höheren und allgemeineren Normen untergeordnet werden, die unter gewissen Verhältnissen erlauben, ja es vielleicht als den besseren Teil erscheinen lassen, den Irrtum nicht zu verhindern, um ein höheres Gut zu verwirklichen. Damit sind die beiden Prinzipien geklärt, von denen in den konkreten Fällen die Antwort auf die bedeutungsvolle Frage der Haltung des katholischen Juristen, Staatsmannes und souveränen Staates zu einer für die Staatengemeinschaft in Erwägung kommenden religiös-sittlichen Toleranzformel des oben angeführten Inhalts abzuleiten ist. 1. Was nicht der Wahrheit und dem Sittengesetz entspricht, hat objektiv kein Recht auf Dasein, Propaganda und Aktion. 2. Nicht durch staatliche Gesetze und Zwangsmaßnahmen einzugreifen, kann trotzdem im Interesse eines höheren und umfassenderen Gutes gerechtfertigt sein.“ (A.F. Utz - J.F. Groner, Hrsg.: Aufbau und Entfaltung des gesellschaftlichen Lebens, Soziale Summe Pius XII., Freiburg/Schw., 1954 Randn. 3977 f.)

In einem Staat wie der Bundesrepublik Deutschland mit etwa 60% Christen, die sich vor allem auf die römisch-katholische Kirche und die evangelisch-lutherischen Gemeinschaften verteilt und etwa drei Millionen Moslems, vertritt die überlieferte kirchliche Lehre die Auffassung, daß die nicht-katholischen religiösen Gemeinschaften toleriert werden müssen. Der Grund für diese Toleranz wird auch angegeben: Obwohl von den nicht-katholischen religiösen Gemeinschaften nach Lehre der Kirche Irrtümer verbreitet werden, ist es in solchen Gesellschaften nicht sinnvoll und auch wohl kaum möglich, diese Irrtümer zu unterdrücken, sondern im Sinne des Gemeinwohls kann es sogar besser sein, diese Irrlehren zu tolerieren.

Dieses Prinzip bedeutet nun aber, daß damit die Kirche kein Recht auf die Verbreitung solcher Irrlehren anerkennt, sondern diese nur einer höheren Norm, dem Gemeinwohl und dem gesellschaftlichen Frieden unterordnet.

Spaemann geht es hier aber um eine andere Frage. Er sagt: „Die Differenz zur Pius-Bruderschaft kann sich nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Warum der Religionsfreiheit drehen – Religionsfreiheit entweder personalistisch begründet oder aus den Erfordernissen des Gemeinwohls. Das Resultat ist dasselbe. Also ein folgenloser Prinzipienstreit. Aber für diesen gilt das Wort Wittgensteins: ‚Ein Rad, bei dessen Drehung sich nichts mitdreht, gehört nicht zur Maschine’“.

Dieser Auffassung liegt eine pragmatische Herangehensweise an die katholische Lehre zugrunde. Der Pragmatismus sieht nur auf das Ergebnis. Theorien und Prinzipien sind ihm dabei gleichgültig. Doch damit macht man es sich zu leicht.

Wir können der Behauptung durchaus zustimmen, daß sich faktisch nichts ändern wird, ob man nun das Toleranzprinzip zur Grundlage nimmt oder, wie das Zweite Vatikanische Konzil, die Religionsfreiheit anerkennt. Das Toleranzprinzip steht aber im Gegensatz zur Religionsfreiheit. Deshalb geht es nicht bloß um die Frage des Warum der Religionsfreiheit, weil das Toleranzprinzip die Religionsfreiheit gerade nicht anerkennt, während der Personalismus dies tut. 

Der Personalismus behauptet zumindest implizit ein Recht auf Irrtum, was völlig widersinnig und unlogisch ist. Tatsächlich behauptet der Personalismus, nicht die Wahrheit habe Rechte, sondern nur Personen, womit er freilich bestreitet, daß die Wahrheit personal ist. Christus behauptet aber, er sei die Wahrheit. Man bestreitet damit Christus Seine Rechte in der Gesellschaft. 

Das Toleranzprinzip hält an den Rechten Christi in der Gesellschaft fest, doch toleriert es den Irrtum, das heißt, die gegen die Wahrheit, gegen Christus gerichtete Unwahrheit um Schlimmeres zu verhindern.

Wenn sich dadurch auch faktisch in der Gesellschaft nichts ändert, bedeutet die Anerkennung des Rechtes auf Irrtum oder die Anerkennung des falschen Personalismus die Aberkennung der Rechte Christi in der Gesellschaft.

 

Zeitschrift

Newsletter

Aktuell online

Wir haben 41 Gäste online

Termine


Aktuell stehen keine Termine an.

PayPal-Spende

Jedes Engagement, jede Aktion hat auch eine finanzielle Seite, die unsere Einsatzmöglichkeiten begrenzt. Um uns zu helfen, unsere Ausstrahlung zu vergrößern oder unseren Einsatz zu vervielfältigen benötigen wir Ihre finanzielle Unterstützung.
Herzlichen Dank für Ihre Spenden!