Civitas Institut

Enzyklika Caritas in Veritate: Sekundäres Christentum PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 21. August 2009 um 08:33 Uhr

Die Enzyklika Benedikt des XVI. ist in seiner Grundintention von dem gekennzeichnet, was man als „sekundäres Christentum“ bezeichnet. Diese Kritik an kirchlichen Verlautbarungen seit dem Vatikanum II stammt von dem sehr angesehenen italienischen Philosophen Romano Amerio. Er kennzeichnet das „sekundäre Christentum“ folgendermaßen: „Sie betrachtet es (das Christentum) nicht als das, was es ist, d.h. die absolute Ausrichtung aller Dinge der Erde auf den Himmel, sondern als etwas, das anpassungsfähig und nützlich für den irdischen Zweck sein kann“. Diese Betrachtungsweise ist aber die der Welt, nicht die der Kirche. Damit setzen wir unsere Reihe zur Kritik an der Enzyklika fort.

 

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„Da allerdings das Christentum entweder diese absolute Ausrichtung ist oder nicht existiert, wird aus der Akzeptanz christlicher Werte in der modernen anthropotropischen Zivilisation eine nur dürftig kaschierte Ablehnung der Religion. De nachkonziliare Kirche hat die Tendenz, alle Werte der civitas hominis in den Bereich der Religion einzubeziehen.

Häufig kommen Wendungen vor wie „menschliche und christliche Werte“ oder „die Kirche fördert die menschlichen Werte“ oder „die Kirche hat als Mittelpunkt den Menschen“, „die Religion läßt den Menschen mehr Mensch werden“ und ähnliches mehr.

Abgesehen davon, daß es unangebracht ist, ein Substantiv zu steigern, geht in dieser konfusen Angleichung der Unterschied zwischen Religion und Zivilisation verloren, wird gemäß der Philosophie Giobertis die Zivilisation als primäre Auswirkung des Katholizismus gesehen.

(...)

Gewiß bewirkt die Religion Zivilisation, was auch die Kirchengeschichte bezeugt, doch besteht weder ihr Zweck noch ihr Primäreffekt in der Zivilisierung, d.h. einer irdischen Vervollkommnung.

Der Status der gegenwärtigen Zivilisation besteht in der Unabhängigkeit und Aseität, d.h. die Welt weist jegliche Abhängigkeit von sich, mit Ausnahme der Abhängigkeit von sich selbst. Die Kirche scheint zu befürchten, von ihr verworfen zu werden, was durch einen hohen Prozentsatz der Menschheit in der Tat geschieht.

Daher ist sie nun dabei, ihren axiologischen Eigencharakter verblassen zu lassen und hingegen jene Züge zu beleben, die sie mit der Welt gemeinsam hat. Alle Belange der Welt werden Belange der Kirche. Sie erweist der Welt ihren Dienst und versucht, den Fortschritt des Menschengeschlechts anzuführen.

Diese Tendenz habe ich an anderer Stelle sekundäres Christentum genannt, wobei es sich um den im 19. Jahrhundert aufgekeimten Irrtum handelt.

 

Aus: Romano Amerio: Iota Unum. Eine Studie über die Veränderungen in der katholischen Kirche im XX. Jahrhundert. § 221, Deutsche Ausgabe: Edition Kirchliche Umschau 2000.

 

Diese Sätze charakterisieren besonders treffend den Grundcharakter der Enzyklika „Caritas in veritate“. Selbst wenn einige Passagen des Textes der Enzyklika hilfreich sind, ist diese im ganzen durch die Tendenz des „sekundären Christentums“, das heute in der gesamten Kirche, besonders jedoch in Europa, in allen öffentlichen Verlautbarungen bestimmend geworden ist, verdorben.

Der Weg zu einer Rückkehr der Kirche zur wahren katholischen Soziallehre und zum überlieferten Verständnis des Naturrechts ist noch weit. Unterstützen Sie die Arbeit des CIVITAS INSTITUTS, daß sich für die Wiederherstellung und Ausbreitung der überlieferten Soziallehre und des Naturrechts einsetzt.

 

 

 

 

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