120. Geburtstag von António de Oliveira Salazar Drucken
Samstag, den 18. April 2009 um 02:00 Uhr
salazar.jpgAm heutigen Tag wäre Salazar, der fast 36 Jahre Portugal regierte und am 27. Juli 1970 in Lissabon starb, geboren. Während Salazar für viele in Deutschland fast vergessen ist oder von linken Kreisen als „faschistischer Diktator“ verunglimpft wird, ist er nach einer Umfrage in Portugal aus dem Jahre 2004 der „größte Portugiese aller Zeiten“. Salazar war tiefgläubiger Katholik und hatte zunächst Theologie studiert und niedrigen Weihen empfangen, bevor er zur Finanzwissenschaft wechselte..
Salazar stammte aus sehr einfachen Verhältnissen. Sein Vater hatte sich vom Landarbeiter zum Pächter eines kleinen Bauernhofes hochgearbeitet. Seine streng katholische Mutter konnte das Schulgeld für ihren Sohn nur mit großen Entbehrungen aufbringen. Salazar sollte zunächst Priester werden. Die damals vom laizistischen Staat (seit 1910 Republik) bedrängte katholische Kirche erkannte im Priesterseminar sein ökonomische und politische Talent und ermöglichte ihm ein Studium der Ökonomie und Finanzwissenschaften an der traditionsreichen Universität Coimbra. Salazar erwies sich als einer der besten Studenten dieser Fächer.

Zunächst wurde Salazar Professor für Nationalökonomie an der Universität Coimbra. 1927 wurde er von Präsident António Oscar de Fragoso Carmona, der die erste portugiesische Republik durch eine Militärdiktatur ersetzt hatte, als Finanzminister in die Regierung geholt. Salazar machte vollständige Handlungsfreiheit über die Staatsfinanzen zur Bedingung für seinen Regierungseintritt. Dies wollte man zunächst nicht akzeptieren und er lehnte deshalb ab. Als nach einem Jahr der Staat endgültig bankrott war, wurde Salazar erneut gefragt und seine Bedingung akzeptiert. Innerhalb von nur einem Jahr sanierte er die Staatsfinanzen und holte Portugal aus der schweren Depression heraus.

Es gelang ihm durch ein rigides Sparprogramm, den Staatshaushalt auszugleichen und sämtliche Auslandsschulden zu begleichen. Am 5. Juli 1932 ernannte ihn Carmona zum Premierminister. Seine Hauptunterstützung erhielt Salazar von den breiten Teilen der Bevölkerung, die das Chaos, in das die Linken und Freimaurer das Land geführt hatten nicht mehr weiter ertragen wollten. Vor allem die arme ländliche Bevölkerung begrüßte seine Ernennung zum Premierminister. Gleichwohl gab es über längere Zeit noch Widerstand, auch von Seiten der Militärs, die stark von Freimaurern beeinflußt waren.

Gegenüber den meisten anderen Ländern Europas war Portugal vollkommen unterentwickelt. Salazar erkannte die Situation und entwickelte sein Land von einem fast reinen Agrarstaat bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts zu einer modernen Volkswirtschaft, die den Anschluß an Europa schaffte. Zu diesem Zweck führte er bereits in den dreißiger und vierziger Jahren die berufsständische Ordnung ein, ausdrücklich mit Bezug zur Enzyklika Quadragesimo anno von Papst Pius XI.

Erst seit den sechziger Jahren entstanden die bösartige und verleumderische Hetze linker Kreise in Europa, die von „Faschismus“ sprachen und Salazar mit Mussolini und Franco, später sogar mit Hitler in einen Topf warfen. Alle für den Faschismus in Italien oder auch für Spanien typischen Kennzeichen, wie Massenbewegungen, Aufmärsche, Unterdrückung des Volkes etc. waren in Portugal unter Salazar nicht zu finden. 

Leider gibt es nur wenige deutschsprachige Literatur, die objektiv über die Regierungszeit dieses großen katholischen Staatsmannes berichtet. Das wichtigste, aber leider nur noch antiquarisch zu erwerbende Buch trägt den Titel „Salazar und sein neues Portugal“ und wurde von dem Österreicher Hans Sokol geschrieben, der lange in Portugal lebte.

Am 31. Mai 1951 schrieb DIE ZEIT, die auch damals sicher nicht als konsverative Wochenzeitung zu bezeichnen war, über Salazar:

„Am 28. Mai feierte der Estado Nova —- das neue Portugal — seinen. 25. Geburtstag. Dieser Estado Novo ist eine patriarchalische „Korporative Republik". Nie: hat er — im Gegensatz zu anderen Diktaturen — den Anspruch erhoben, demokratisch zu sein. Nie hat er — im Gegensatz zu anderen Demokratien — Moral und Recht als solche verleugnet. Die vier Grundzüge seines Wesens heißen: national, ständisch, autoritär und katholisch.. „

Weiter heißt es in dem Artikel, der sachlich und objektiv (heute gibt es eine solche Berichterstattung kaum noch) die Regierung Salazars beschreibt:

„Salazar ist eine jener seltsamen Gestalten, die in der Geschichte Portugals von Zeit zu Zeit auftauchten. Sie standen stets allein, und vereinigten in sich alle jene Tugenden und Kräfte, an denen es den Landsleuten ihrer Zeit mangelte; Salazar ist kühl, klug, puritanisch und fromm. Er verehrt Gott und die Zahlen. Er verachtet Massen, Mythen und Maßlosigkeit. Die Atmosphäre seines Staates ist eine merkwürdige Mischung von Klosterschule und staatswissenschaftlichem Laboratorium. Er kennt keine Rücksichten, aber auch keine Intrigen. Er hat weder seine Staatspartei, die „Nationale Union", noch die Armee oder eine wirtschaftliche Interessengruppe so stark werden lassen, daß sie ihm gefährlich werden könnten. Verfassungsmäßig ist die entscheidende Macht in die Hände des Staatspräsidenten gelegt (der letzte Präsident, General Carmona, ist vor wenigen Wochen gestorben, und bisher wurde noch kein Nachfolger gewählt), aber in der Praxis gab es nie einen Zweifel an der staatlichen Allmacht dessen, den sie den „Mönch" nennen. Salazar hat nie um die Macht gekämpft; sie wurde ihm aufgedrängt. Er hängt auch nicht an der Macht; er hat nur noch keinen würdigen Nachfolger für seine Aufgabe gefunden. Die Macht beherrscht nicht ihn, sondern er beherrscht die Macht. Er ist der vollkommenste Autokrat Europas. „Die Diktatur“, so formulierte er schon 1929, „hat es weniger als irgendeine andere Regierungsform nötig, sich durch Täuschungsmanöver und Lüge am Ruder zu halten. Ja, die größere Leichtigkeit, mit der sie sich der Machtmittel bedienen kann, verlangt um so mehr eine absolute Aufrichtigkeit.“

Welche Bedeutung und Anerkennung Salazar auch in den westlichen Demokratien in den vierziger Jahren genoß, wird mit folgenden Worten angedeutet:
 
„Wenn heute die leise dozierende, etwas belegte Gelehrtenstimme aus Lissabon auf außenpolitische Probleme zu sprechen kommt, dann horchen die Diplomaten aller Länder auf. Denn diese Stimme pflegt vorwegzunehmen, was Monate, wenn nicht Jahre später, in den westlichen Demokratien als politische Schulweisheit gilt.“